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Von Familienerbstücken und Flugdrohnen: Unsere Homestory mit Ly und Alexander von Acanthus

Ly und Alexander schreiben zusammen das Blog Acanthus. Dort verbinden die Grafikdesignerin und der Kunsthistoriker Themen wie Design mit Architektur, Food und Geschichten über das Reisen. Eine Mischung, die selten ist und die mir so gut gefallen hat, dass ich den beiden auf Acanthus von Anfang an folge. Zusammen leben sie in einer Zweiraumwohnung in Schöneberg.

Die zwei Zimmer sind gefühlt riesig, was vielleicht auch daran liegen kann, dass die beiden wirklich nicht viel Kram haben. Und den, den sie haben, haben sie ordentlich verstaut – man staune, schaue und lerne an dieser Stelle.

Dazu kommt, dass auch die mit wunderbarem Dielenboden ausgelegte Küche extrem viel Platz bietet und auch der Flur sehr lang ist, so dass ich nach dem Besuch das Gefühl habe, in einer Vierzimmerwohnung gewesen zu sein, statt in einer mit nur zweien. 

Aber zurück zum Anfang. Wir stehen in der Küche. Ly hat Kuchen besorgt, Alexander macht Kaffee. Der Blick aus dem Fenster geht in einen ruhigen grünen Hinterhof. Ich schaue mich um, während die beiden in der Küche werkeln. Beim Betreten des Wohnzimmers fällt mein Blick sofort auf das orangefarbene Sofa. Ein wunderbares Stück, das, wie so vieles bei Ly und Alexander Zuhause, Geschichte hat und schon lange im Besitz der Familie ist.

Ihr lebt nun seit zwei Jahren zusammen hier in der Wohnung. Wie seid ihr nach Berlin gekommen?

Ly: Ich bin in Hanoi, Vietnam, geboren und kam mit drei Jahren nach München. Dort habe ich dann später auch Grafik-Design studiert. Alexander hat auch in München studiert, aber auch in Venedig und eben in Berlin. Da er Kunsthistoriker ist, arbeitete er neben des Studiums immer noch in Kunstgalerien. 

Alexander: Hier in Berlin habe ich dann meine Doktorarbeit geschrieben, über Rekonstruktionen in der Architektur. Gerade arbeite ich an meinem ersten Buch, das zum Thema meiner Doktorarbeit im September im Birkhäuser Verlag erscheinen wird. Außerdem arbeite ich hier in Berlin noch im Bereich Journalismus und PR.

„Das Sofa habe ich von meinen Großeltern geerbt“, sagt Alexander. Auch das überdimensional große String-Regal, in dem die beiden ihre Bücher sammeln, hat Alexander von seinem Opa. Diesmal allerdings von dem anderen. Ebenso geht der tolle alte Schrank in der Küche auf einen seiner beiden Großväter zurück. Er hat ihn als Meisterstück zum Abschluss der Kunstakademie selbst gebaut und bemalt.

Wo holt ihr euch Inspiration?

Alexander: Am meisten eigentlich digital. Ich würde sagen, am liebsten lese ich Archplus, Baumeister, Freunde von Freunden – und natürlich scrolle ich auf Instagram. 

Ly: Ja, das ist bei mir auch so. Aber eigentlich ist der Baumarkt auch eine große Inspirationsquelle für uns. Wir lieben Baumärkte! (Lacht.) Und Modulor ist auch super. Da findet man immer irgendwelche Ideen. Ansonsten liebe ich auch Reisen. Die Kissen auf dem Sofa beispielsweise sind aus Vietnam, die Decken aus Mexiko. 

Habt ihr Lieblings-Möbelstücke in eurer Wohnung?

Alexander: Auf jeden Fall die Stücke, die ich von meinen Großeltern geerbt habe. Wichtig sind mir auch die kleinen Gemälde, die ich jeweils bei meinen Jobs in Galerien geschenkt bekommen habe. Das dort hinten von Jeppe Hein habe ich bei meinem ersten Praktikum in der Galerie Johann König bekommen. Es ist immer schön, wenn etwas eine Geschichte hat. Ansonsten mag ich meinen Schallplattenspieler und unsere Pflanzen. Grün hilft gegen das triste Berlin.

Habt ihr die Bilder über dem Sofa selbstgemacht?

Ly: Ja, ich habe einfach Blätter getrocknet und aufgeklebt, das geht total einfach und wirkt sehr schön. Generell kaufen wir uns ehrlich gesagt auch gar nicht so viel Neues. Wir kommen sehr gut aus mit dem, was wir haben und finden es auch schön, nicht zu viel zu haben. Auch wenn wir auf Flohmärkte gehen, bringen wir nur selten wirklich auch etwas mit nach Hause.

Schon in den 40er-Jahren standen bei Charles und Ray Eames Zuhause Monstera-Pflanzen.

Was haltet ihr von Trends?

Alexander: Das ist ein schwieriges Thema. Aber wenn man mal genau darüber nachdenkt, dann ist es doch so, dass es einfach alles schon einmal gab und es eben wiederkommt. Schon in den 40er-Jahren standen bei Charles und Ray Eames Zuhause Monstera-Pflanzen. 

Ly: Klar weiß man, wenn bestimmte Sachen Trend sind, wie beispielsweise die Beni-Ourain-Teppiche. Ich finde das auch interessant, aber in unserem eigenen Zuhause lassen wir uns davon nicht allzu sehr beeinflussen. Und wenn doch, dann eben nur weil es uns wirklich auch gefällt.

Alexander: Man bekommt ja beispielsweise auch jedes Jahr mit, wenn die neuen Pantone-Trendfarben veröffentlicht werden. Das finde ich zwar ganz gut, aber das ist trotzdem auch immer ein bisschen „random“ ausgewählt. Ähnlich wie beim Friedensnobelpreis (lacht).

Habt ihr Pläne mit eurem Blog, vielleicht sogar einmal als gedrucktes Magazin zu erscheinen?

Ly: Toll wäre es schon, irgendwann einmal davon leben zu können. Ich arbeite für ein Taschenlabel und als freie Grafikdesignerin. Ansonsten konzipieren wir neue Ideen für Acanthus. Wir gehen das aber entspannt an und machen das ganz so, wie es uns in dem Moment jeweils gut erscheint.

Alexander: Ich finde Print schon ein interessantes Thema und spiele immer mal wieder mit dem Gedanken. Allerdings finde ich, dass es gerade auch durch das Internet sehr viele neue Möglichkeiten und Spielarten gibt, die Print eben nicht bietet. Ich finde es toll, diese zunächst einmal auszuschöpfen, bevor man neue Wege geht. Ich habe mir beispielsweise vor kurzem eine Flugdrohne gekauft, mit der ich Fotos von großen Bauten von oben machen kann. Außerdem kann man gerade im Bereich Architektur online viel machen, beispielsweise mit 3D-Modellen oder digitalen Plänen.

Danke liebe Ly und lieber Alexander!

Fotos: Julia Novy

Kommentare

  1. Apropos Pläne. Ich fände es toll, wenn es zu den Home Storys auch mal Grundrisse gäbe. Dann kann man sich das nämlich noch besser vorstellen!

  2. ninotschka sagte am

    Nachhaltigkeit beim Wohnen funktioniert nicht nur recht einfach, sondern kann auch besonders schön sein! Woher ist denn das schwarz-weiße Bild über dem Tisch?

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