Interior: Die neue Verspieltheit // Journelles Maison

Betrachtet man die Highlights der vergangenen Möbelmessen, so stellt man fest: Es ist etwas im Gange. Endlich. So unterschiedlich die Strömungen der letzten Jahre auch waren – allen voran die minimalistische Zurückhaltung der Skandinavier, die romantisch-gemütliche Atmosphäre des Boho-Chics oder die nicht enden-wollende Retro-Welle – eines eint diese Einrichtungsstile im Kern: sie sind gefällig. Die Wohnung: ein beruhigender Kokon, viele Pastelltöne, neutrale Farben, schlichte Formen, helles Holz. Nichts stört das Auge, alle ist sorgsam ausgewählt und fügt sich zu einem stimmigen Gesamtbild zusammen. Eine Atmosphäre zum Wohlfühlen. Doch wie es so ist mit dem Wohlfühlen so ist – irgendwann fragt man sich: Und jetzt?

Das Revival des Memphis-Stils, über das ich kürzlich berichtet habe, ist sicherlich eine Antwort auf die Schlichtheit der vergangenen Jahre. Und noch ein Trend macht sich breit: Möbel, die wie Kunstobjekte anmuten. Stühle mit hohen Lehnen, viel Samt, Messing, bedruckte, edle Stoffe und geschwungene Linien. Betten haben samtene Betthäupter, Sofas stehen nicht länger schlicht und erweiterbar an der Wand sondern fordern selbstbewusst mitten im Raum ihren Platz ein, gearbeitet wird an einem filigranen Sekretär.

Überhaupt kehren mit einem Mal Möbelstücke zurück, die lange Zeit als verstaubt galten, wie der Schminktisch, der Barwagen oder eben der Sekretär. Die neuen Möbel sind nicht praktisch. Sie sind elegante, stolze Einzelstücke, nicht einfach nur Gebrauchsgegenstände. Vielleicht ein wenig zickig, immer elegant, oft feminin. Es sind Möbelstücke, die polarisieren, die vielleicht auch überfordern. Ich bin gerne überfordert. So ist das auch mit der Mode – Trends, die mich im ersten Moment irritieren, schleichen sich oft nach und nach in mein Herz und begeistern mich nachhaltig. Dinge, die mir auf Anhieb gefallen, verschwinden hingegen auch schnell wieder aus meinem Blickfeld. Weil ich mich damit auch nicht auseinandersetzen, nichts hinterfragen muss.

Eine Vorreiterin der neuen Verspieltheit ist die slowenische Designerin Nika Zupanc. Wäre sie ein Modelabel, sie wäre vermutlich Red Valentino. Ihrer von den 50er Jahren inspirierten Collection III für das Londoner Luxus-Label fügte sie kürzlich weitere Stücke hinzu, wie gepolsterte Stühle in Pastellfarben mit Messingbeinen oder einen ausladenden Sessel auf zierlichen Füssen, sowie neue Versionen ihrer bestehenden Entwürfe. Bilder via Dezeen.

Nika Zupanc auf dem Stardust Sofa von Sé London, an der Wand der Pride Mirror
Nika Zupanc auf dem Stardust Sofa von Sé London, an der Wand der Pride Mirror
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Olympia Dressing Table, Trophy Lamps und Stay Armchair von Sé London

 

Doch nicht nur Zupanc macht von sich reden. Die folgenden Designer springen ebenfalls auf den Zug auf.

  1. Inspiration zur neuen Verspieltheit gibts übrigens en masse bei The Apartment, dem Projekt von Tina Seidenfaden Busck and Pernille Hornhaver, das Showroom, Shop und Galerie in einem ist. Wie beispielsweise der Mobile Chandelier 5 von Michael Anastassiades, der mit einem Samthocker von Azucena und dem knallroten Lounge Chair von PP Møbler kombiniert wird.
  2. Das Aussehen der Planet Lamp von Mette Schelde für PLEASE WAIT to be SEATED lässt sich je nach Wunsch verändern, indem man die vier magnetischen Scheiben verschiebt, die wiederum das Halogenlicht reflektieren und so immer neue spannnende Lichteffekte erzielen.
  3. Der Raoul Chair von Shine by Sho ist ein Eyecatcher wie er im Buche steht. Erhältlich mit verschiedenen Bezügen und Füssen.
  4. Der Lounge Chair Hideout von Gebrüder Thonet Vienna bringt neben seiner hohen Lehne einen weiteren Trend ins Spiel: Rattan.
  5. Die hintere Hälfte des zierlichen Homework Tables von Nika Zupanc lässt sich mittels einer Kurbel anheben und bietet Zugriff zu integrierten Fächern, in denen man Briefe, Rechnungen und andere Papiere verstauen kann. Erhältlich z.B. über Northern Icon.
  6. Der Beetle Lounge Chair von Gubi kommt in neuen Versionen mit Palmenprint oder Samt, erhältlich z.B. über The Qvest Shop
  7. Kein Schnäppchen, aber wunderschön. Die Bell Side Tables von Sebastian Herkner  für ClassiCon bestehen aus einem mundgeblasenen Glassfuss und einem gebürsteten Messingaufsatz, auf dem eine schwarzl lackierte Tischplatte liegt. Erhältlich über The Qvest Shop
  8. Moltenis Re-Edition von Gio Pontis D. 153.1 Armchair aus dem Jahr 1953 kommt mit Messing-Gestell und verschiedenen Bezügen. Erhältlich zum Beispiel über Miliashop.
  9. Bei Kelly Wearstler könnte man leider ein Vermögen ausgeben. Der Catch All Dish aus Marmor mit Bronze-Kussmund ist gerade noch bezahlbar.
  10. Schön kitschig: Das Porzellan mit Insekten-Motiven aus der Histoire Naturelle Collection von Guilhelm Nave für Animal Fabuleux.
  11. Und immer wieder Messing: Wandobjekt von Curtis Jere, ebenfalls entdeckt bei The Apartment.
  12. Industrieregale waren die Inspiration für das Match Bücherregal mit dekorativen Messingelementen von Arflex.
  13. Samt ist bei diesem Trend ein grosses Thema, wunderschöne und bezahlbare Kissen in vielen Farben gibts bei Made.
  14. Auch ein Möbelstück, das viele Jahre in der Versenkung verschwunden war: der Raumteiler. Treffender könnte der Name des Raumteilers von Kimulab daher gar nicht sein: The New Old Divider besteht aus pulverbeschichteten Metallrahmen und Papierfächern, die sich je nach Bedarf öffnen oder schliessen lassen.
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The New Old Divider von Kimulab
Journelles_DieneueVerspieltheit_Made

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Samtkissen von Made
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Histoire Naturelle Collection von Animal Fabuleux
Journelles_DieneueVerspieltheit_KellyWearstler

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Schale von Kelly Wearstler
Journelles_DieneueVerspieltheit_GioPontiArmchair

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D.153.1 Armchair von Gio Ponti
Journelles_DieneueVerspieltheit_Beatle

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Beetle Lounge Chair von Gubi
Journelles_DieneueVerspieltheit_HomeworkTable

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Homework Table von Nika Zupanc
Journelles_DieneueVerspieltheit_Hideout

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Hideout Chair von Gebrüder Thonet Vienna
Journelles_DieneueVerspieltheit_ShinebySho

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Raoul Chair von Shine by Sho
Journelles_DieneueVerspieltheit_PlanetLamp

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Planet Lamp von Mette Schelde

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