Trend du JOUR Test: Marie und die gehypten Choker

Die 90er-Jahre und Choker sind miteinander verbunden wie der Kaugummi-Automat und ein Billig-Ring. Doch wie trägt man den Trend auch im Alltag? Marie hat's getestet.

Na gut, na gut! Ich gebe es zu: Ich bin spät dran mit dem Trend, ihr habt Recht. Manchmal ist es aber auch besser erst einmal abzuwarten, zu beobachten und dann zu entscheiden: Passt das zu mir? Wage ich es, bei dem Trend mitzumachen? Bin ich überhaupt bereit, dafür Geld auszugeben? So ging es mir jedenfalls mit Chokern. Von Anfang an dachte ich, dass die Schmuckstücke Potenzial haben, echte Allrounder in meiner Garderobe zu werden.

Aber eh ich das Wort „Choker“ überhaupt aussprechen konnte, trugen sie schon Kylie Jenner, Bella Hadid und Co. Versteht mich nicht falsch, ich habe wirklich nichts gegen die Teenie-Idole, ihr Erfolg hat auf bestimmte Art und Weise Berechtigung und auch ich ertappe mich oft dabei, wie ich auf Instagram dann doch scrolle und ihre Bilder like. Erwischt! Aber: Manchmal sehen sie einfach nur billig aus. Und das war dann eben auch lange meine Assoziation zu Chokern: Rich Kids, die die 90er-Jahre cool finden, aufgespritzte Schmollmünder präsentieren und vor einem samtbezogenen Jeep – ja, den gibt es wirklich und nach einem Regenschauer war er laut Kylie jedoch hin – posieren.

Erst als meine persönlichen Instagram-Idole wie Leandra Medine, Pandory Sykes, Megan Ellaby, Alexa Chung und natürlich auch Jessie den Choker für sich entdeckten und cool stylten, dachte ich: Vielleicht habe ich ja doch zu schnell geurteilt. Die Teile können anscheinend lässig, feminin und (für mich ganz wichtig) retro aussehen. Gesagt, getan, bei Asos bestellt. Denn die haben eine riesige Auswahl für einen guten Preis, bei denen ich in Sachen Trend den Zeh mal vorsichtig ins kalte Wasser stecke und nicht gleich drohe, finanziell unterzugehen.

Für Vorsichtige

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Fotos: Oscar de la Renta, Lanvin Fall 2016 via vogue.com, Instagram/annabelrosendahl

 

Zugegeben, die Runway-Beispiele von Oscar de la Renta und Lanvin sind nicht gerade minimalistisch und dezent, die Umsetzung für den Alltag dafür umso mehr. Mein erster Gedanke: bloß kein schwarzes Samtband. Damit hatte ich als Teenager nämlich schon einmal eine schlimme Begegnung. Ich sage nur Ball von der Tanzschule, eine toupierte Hochsteckfrisur und ein Medaillonanhänger – ich sah aus wie aus einem Roman von Jane Austen und wurde von meinen Freunden an dem Abend nicht mal erkannt. Also erstmal mit der feinen Goldkette im Layering-Look mit meiner liebsten Sternzeichenkette getragen. Gar nicht mal so schlecht…

 

Für Detailverliebte

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Fotos: Rosie Assoulin, Calvin Klein Collection Fall 2016 via vogue.com, Instagram/hbnam

 

Goldkette geschafft – und es hat mir sogar gefallen. Es wird Zeit, mutiger zu werden. Eine Schleife um den Hals? Das traue ich mir zu. Die Kette mit Edelstein im Westernlook, die ihr aus meinem Closet Diary (hoffentlich!) schon kennt, auch. Die Looks dazu halte ich dementsprechend schlicht. Gerade zum Layering-Trend mit Slipdress und Negligé-Oberteil finde ich Choker ganz besonders gut.

 

Für Waghalsige (Achtung, Wortspiel!)

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Fotos: Dries van Noten Fall 2016 via vogue.com, Instagram/pandorasykes, Instagram/meganellaby

 

Et voilà, das sind meine drei liebsten Modelle. Dabei sind es tatsächlich die auffälligsten aus meiner Sammlung, wer hätte das gedacht? Der Choker zum Wickeln mit Sternen und Monden ist perfekt für diverse Events, auf denen ich für euch unterwegs bin. Dazu stelle ich mir besonders einen Samtblazer toll vor — der ab jetzt auf meiner Shoppingliste notiert ist. Oder ist das zu viel Samt? Geht das überhaupt, in einem Outfit zu viel Samt zu haben? Auch schön: Der Choker im Bandana-Look mit echtem Nineties-Latzkleid. Die Alternative, wenn es mal schicker sein soll? Das einfache Lederband zum Samt-Slipdress – da fühlt man sich auf keinen Fall overdressed, auch wenn das Kleid eleganter ist.

 

Was ist euer Fazit? Choker: Ja oder nein? Ich bin jedenfalls positiv überrascht von dem Trend. Jetzt im Herbst bestimmt auch toll zu derben Strickpullovern!

(Fotos Header: Instagram.com/manrepeller, Instagram.com/alexachung, Instagram.com/kristinabazan)

 

 

Von Marie

Der erste Satz, wenn mich Leute kennenlernen ist: „Das ist aber selten.“ Ja, ich bin ein seltenes Exemplar: Berliner Eltern, Berliner Blut, Berliner Göre. Tatsächlich bin ich so sehr mit der Hauptstadt verbunden, dass ich meinem Kiez in Schöneberg seit über 20 Jahren die Treue halte und noch nie von hier weggezogen bin – und auch nicht dran denke. Und obwohl wir Schöneberger zwar sehr viel von Bio-Supermärkten und esoterischen Edelsteinläden halten, gibt es hier auch das ganz große Mode-Paradies: das KaDeWe. Der Tempel des Shoppings und der Ersatzkindergarten für meine Eltern, sozusagen das Småland bei Ikea für mich (andere Kinder haben dort ihren ersten Wutanfall, ich schmiss mich in voller Rage im Atrium des KaDeWe auf den Boden und weigerte mich zu gehen). Kein Wunder also, dass Mode und ich nie wirklich Berührungsängste hatten.

Spätestens seit der Oberstufe, in der ich – dank Blair Waldorfs Inspiration aus Gossip Girl (ja, das war meine Serie zusammen mit Gilmore Girls) – die Schule nie ohne Haarreif, Fascinator oder eine gemusterte Strumpfhose betrat, hatte auch mein Umfeld begriffen: Marie macht was mit Mode. Und weil ich damit in meinem katholischen "Elite-Gymnasium" so ziemlich die Einzige war, suchte ich meine Verbündeten 2011 woanders: im Internet. Auf meinem Blog Style by Marie. Und so begann meine modische Laufbahn.

Noch mehr Gleichgesinnte und vor allem Freunde fand ich auf der Akademie für Mode & Design in Berlin, bei der ich 2013 meine Ausbildung in Modejournalismus und Medienkommunikation startete. Was für mich seit der 1. Klasse klar war, nämlich das Schreiben mein Ding ist, wurde jetzt zu meinem Beruf: Journalistin. (Denn ja Oma, es gibt noch etwas anderes als Modedesignerin). Dank meines Blogs und einem Praktikum bei der Harper’s Bazaar Germany in der Online-Redaktion blieb ich auch dem Internet und dem Online-Journalismus treu. Und ratet mal, wo ich jetzt bin: Genau, bei Journelles, dem Blogazine, was alle meine Leidenschaften verbindet: Bloggen, Schreiben, online sein – zusammen mit euch!

Kommentare (9) anzeigen

9 Antworten auf „Trend du JOUR Test: Marie und die gehypten Choker“

Ich find’s super. Und für all diejenigen, die sich noch nicht sicher sind, tut’s doch auch ein Band aus dem Bastelladen…;) Damit lässt sich allerhand ausprobieren und kostet nur ein paar Taler!

Wir lieben sie – sie sind cool, mit Sterling edel, etwas verrucht, sexy, modisch & toll in Kombi mit feinen Sterling Kettchen – Ringelshirt, Seidentop oder Blazer – reichlich bei uns auf Insta mit diversen Looks zu entdecken. Glänzende Grüße, Heike

Ich finde Choker klasse! Besitze selber noch keins, aber durch deine Auswahl bin ich schon fündig geworden 🙂 Und by the way; ich bin begeistert von deinen Artikeln Marie, du bringst frischen Wind in Journelles. Ich freue mich schon auf weitere Posts!

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Journelles ist das grösste unabhängige Mode-Blogazine in Deutschland und wurde 2012 von Jessie Weiß gegründet. Die 34-jährige Unternehmerin legte 2007 den Grundstein für die Modeblogosphäre mit dem Netz-Urgestein LesMads und arbeitet seither als Journalistin, Moderatorin und Kreativdirektorin.