Im Interview: Model und Kochbuchautorin Daisy Lowe über Modelmaße, Essen und Selbstbewusstsein

Vom Jimmy Choo x mytheresa Dinner in Berlin vergangene Woche habe ich euch hier bereits erzählt; es war ein ganz wunderbarer Abend in bester Gesellschaft. Sibel Kekilli, die mir gegenüber saß, musste uns ununterbrochen von Game of Thrones erzählen (ich habe nun auch endlich angefangen zu schauen und bin süchtig!), und ein paar Meter weiter unterhielt Model Daisy Lowe, die extra aus London eingeflogen worden war, ihre Sitznachbarn. Die Britin hat ein lautes aber wahnsinnig mitreißendes Gemüt, ihre tiefe Stimme steckt beim Lachen an – klar, dass ich ein Spontaninterview kurz vor Mitternacht nicht ausgeschlagen habe.

In lockerer Atmosphäre sprachen wir über ihren Job, ihr neues Kochbuch (jawohl!) und über die Akzeptanz und Liebe zum eigenen Körper.

Hallo Daisy, schön, dass du hier bist!

Ich liebe es, in Berlin zu sein! Ich war insgesamt schon vier Mal hier, und es ist das erste Mal warm – sonst hat es immer geschneit. Ich habe eine tolle Zeit hier, erkunde die Stadt und habe schon das Helmut Newton Museum besucht.

Dann steht noch etwas Sightseeing an?

Morgen werden wir uns einige Museen ansehen, darauf freue ich mich. Ich möchte gerne die Kultur der Stadt aufsaugen!

Ich weiss noch, dass ich dich vor sechs, sieben Jahren auf vielen Events der London Fashion Week gesehen habe. Erinnerst du dich noch an deine Anfänge in der Branche und wie alles los ging?

Glücklicherweise bin ich in einer sehr kreativen Familie aufgewachsen, also war das alles nicht völlig neu für mich. Natürlich hat sich viel verändert – früher habe ich nicht viele Leute gekannt, ich war nicht sehr gesprächig und auch nicht selbstbewusst. Heute, sieben Jahre später, habe ich so viele Freunde innerhalb der Branche gefunden – wundervolle und vor allem kreative Menschen! Am Anfang war es für mich jedoch eher abschreckend, auf Veranstaltungen zu gehen. Es fühlte sich mehr wie Arbeit an, aber heute macht es einfach Spaß.

Was bezeichnest du genau als deinen Job? 

Das versuche ich auch ständig zu definieren, ich mache einfach zu viele Dinge. In erster Linie bin ich natürlich Model, aber ich liebe auch die Schauspielerei. Ich habe in letzter Zeit viel als Schauspielerin gearbeitet und das begeistert mich schon sehr. Außerdem habe ich gerade ein Kochbuch geschrieben, man könnte also auch sagen, dass ich Schriftstellerin bin.

Oh, da hast du in mir die Richtige gefunden –  ich liebe Essen! Aber ehrlich gesagt hat das wenig mit der Modebranche zu tun, oder?

Exakt! Genau deswegen habe ich das Kochbuch auch geschrieben. Als Model muss ich sehr auf meinen Körper achten, schließlich gehört es zu meinem Job dazu, dünn zu sein. Aber dann kommen Events wie das heutige, mit einem leckeren Dinner – das muss ich einfach essen. Ich habe Essen schon immer geliebt, besonders Süßigkeiten und auch das Backen. Da ich immer so viel arbeite, sehe ich meine Freunde sehr selten und die einzige Möglichkeit, sie zu treffen, war, wenn ich für alle gekocht habe. Wenn ich mal einen kompletten Tag frei habe, lade ich alle zu mir nach Hause ein – ich liebe Süßigkeiten, deswegen gibt es bei mir auch immer ein Dessert.

Meine Eltern sagten mir immer ich hätte meine wahre Berufung verfehlt, da ich so gern esse, als Model aber dünn sein muss. Also habe ich angefangen, Weizen-, Laktose- und vor allem zuckerfreien Rezepte zu sammeln und stattdessen Agave, Ahornsirup oder Stevia zu benutzen. Meine Mutter sagte mir, ich müsse all diese Rezepte mit anderen jungen Frauen teilen. Auf Twitter werde ich oft von vielen jungen Mädchen gefragt, wie ich in Form bleibe, also dachte ich, ich schreibe ein Kochbuch!

Es gibt diesen einen instagram-Account „You did not eat that„, auf dem sich darüber lustig gemacht wird, dass die ganzen Blogger Girls ihr Essen und ihre Süßigkeiten fotografieren, sie letztendlich dann aber nicht essen… Magst du es eigentlich, als It-Girl angesehen zu werden?

Es gibt verschiedene Wege ein it-Girl zu betrachten. Auf der einen Seite wird man als Party Girl bezeichnet, das nie arbeiten muss. Ich arbeite jeden Tag sehr hart und ich liebe das, was ich tue – ich bin der glücklichste Mensch, wenn ich arbeiten kann. Auf der anderen Seite gibt es iIt-Girls wie Jane Birkin, eine Muse, die andere inspiriert – so möchte ich auch lieber gesehen werden.

Wessen Muse bist du?

Das weiß ich nicht! Hoffentlich gibt es Menschen, die mich als Muse sehen (lacht). Allerdings bringt das auch sehr viel Verantwortung mit sich.

Was tust du sonst, um dich fit zu halten?

Ich gehe zwei oder drei Mal in der Woche für etwa eine halbe Stunde schwimmen. Dadurch kann man Wassereinlagerungen loswerden, mit denen viele Frauen zu kämpfen haben. Ich treibe gerne Sport und als ich noch zur Schule ging, habe ich viel getanzt – mein größter Traum war es Background-Tänzerin für Justin Timberlake zu werden (lacht).

Ich war neulich erst auf einem seiner Konzerte und habe ständig versucht, mir Schritte abzugucken!

Als ich Tänzerin war, habe ich mir oft die Bänder gerissen und die Knöchel gebrochen. Ich war noch ein Kind und wusste nicht, was ich tat. Als Model muss ich ständig High Heels tragen und meine Knöchel sind so nie richtig verheilt. In den letzten sechs Monaten habe ich mit einem Trainer, Russel Bateman, trainiert  – das war wirklich hart! Sein Studio heißt „The Skinny Bitch Collective“ und das Work Out ist sehr tough. Ich musste viel rennen und springen und habe mir damit den Knöchel ruiniert, also habe ich mich nach Alternativen umschauen müssen. Ich liebe Pilates, aber am meisten mag ich immer noch das Tanzen. Ich versuche kein Weizenmehl zu essen, keine Milchprodukte, keinen Zucker – das ist wirklich schwer und ich schaffe es auch nicht immer, so wie heute Abend.

Aber das ist nicht schlimm – ich habe das Gefühl, je älter ich werde, desto mehr begreife ich, dass es zwecklos ist so hart zu sich selbst zu sein. Meine Großmutter hat mir ein Buch geschenkt in dem steht:

Kuchen zu essen und sich danach schuldig zu fühlen ist eine Form von Selbsthass.

Ich möchte meinen Körper nicht hassen. Wenn man älter wird merkt man, wie wichtig es ist, sich selbst zu lieben. Unsere Gesellschaft ist nicht gut genug zu sich selbst, besonders wir Frauen sind oft nicht zufrieden und zweifeln an uns selbst.

 

Dass du früher nicht sehr selbstbewusst warst, habe ich als Aussenstehende nicht bemerkt. Welche Tipps kannst du jungen Frauen geben, um selbstsicherer zu werden?

Ich würde ihnen den Rat geben, den eigenen Körper mehr und mehr zu lieben – selbst wenn es erstmal nur der kleine Zeh ist. Irgendwo muss man anfangen. Es ist wichtig, jeden Tag etwas zu finden, das man an sich selbst mag. Männer bauen sich gegenseitig mit tollen Sprüchen auf, bei Frauen ist das jedoch anders. Wir müssen anfangen, uns in unserer Haut wohler zu fühlen und damit beginnt man am besten bei sich selbst.

Es ist egal, wie viele Leute einem sagen, dass man toll aussieht, wenn man sich selbst nicht wohl fühlt. Wenn ich mich hässlich fühle, muss ich etwas finden, das ich an mir mag. An solchen Tagen mag ich vielleicht nur meine linke Schulter, aber das hilft!

Du bist bei Twitter und bei instagram, es ist also eine direkte Interaktion mit Freunden, Fans aber auch Hatern möglich. Wie gehst du mit Kritik und negativen Kommentaren um?

Davon gibt es viel zu viele. Normalerweise lösche ich solche Kommentare und melde den Missbrauch der jeweiligen Plattform. Jeder ist zu einer eigenen Meinung berechtigt und was man sagt kann jeder selbst entscheiden, aber oft denke ich mir dann trotzdem „Ok, wenn du meinst – schön für dich„.

Bekommst du schlechte Laune wenn du solche Kommentare liest?

Natürlich trifft es einen und früher habe ich deswegen sogar geweint. Als ich 19 Jahre alt war und es viel Presse über mich gab, habe ich beschlossen, einfach nicht mehr alles über mich zu lesen. Wenn Leute bei Twitter etwas über mich schreiben schaue ich mir das manchmal an, aber letztendlich denke ich, dass es besser ist, sich nicht zu sehr davon einnehmen zu lassen – egal ob positiv oder negativ.

Ich möchte weder, dass mein Ego durch positive Kommentare allzu hochgeschraubt wird, noch dass ich wegen negativer Aussagen traurig werde.

Kaufst du deine Kleidung eigentlich noch selbst? Wo gehst du am liebsten einkaufen?

Na klar, sogar sehr oft! Ich liebe Onlineshopping – ich habe immer sehr viel zu tun, da ist das für mich am einfachsten. Mytheresa.com ist beispielsweise perfekt für mich, weil sie alle Designer führen, die ich gern trage. Besonders Saint Laurent! Einer meiner absoluten Favoriten ist The Reformation! Außerdem mag ich noch Liberty London und den Stil der 30er Jahre. Daher gehe mit meiner Mutter oft auf Antikmärkte – die Hammersmith Vintage Messe ist unglaublich!

Das muss ich mir merken. Die Modeszene ist ja extrem schnelllebig, inwiefern wird sich die Branche in deinen Augen in den nächsten zwei oder drei Jahren verändern?

Ich hoffe, dass alle so kreativ bleiben und Spaß an Mode haben. Die Kreativität ist doch das Tollste an der ganzen Modebranche. Kreativ zu sein und trotzdem gute Basics zu designen, das ist der Schlüssel des Ganzen.

Was sind deine Lieblings-Basics?

Sicherlich schwarze Boots – in denen habe ich gelebt als ich 17 Jahre alt war. High-Waist skinny Jeans, Maxiröcke und Maxikleider, Crop Tops und ein gestreiftes Shirt. Ich liebe transparente Kleider, darunter trage ich dann meist blickdichtere Unterwäsche oder einen Body.

Als ich 17 war, hatte ich das große Glück Model und Designerin Anita Pallenberg treffen zu dürfen. Damals trug ich ein transparentes Kleid und sie sagte zu mir: „Darling, ich war die erste die jemals ein transparentes Kleid getragen hat„. Ich erinnere mich noch, wie sie in Paris in einem Seethrough Dress auf dem roten Teppich zu einer Premiere erschien – ich fand sie so cool!

Und zu guter Letzt: Morgen geht’s für mich nach Paris.  Was sind deine Geheimtipps für Paris?

Ich liebe Paris! Mein liebster Ort ist das „Le Crazy Horse„. Ein echter Tipp ist auch das kleine Restaurant „Le Timbre„. Es gibt nur zwei lange Tische, sodass man fast auf dem Schoss der Nachbarn sitzen muss. Der Koch ist Engländer, aber serviert ausschließlich französische Gerichte aus frischen und lokalen Produkten aus einer täglich wechselnden Speisekarte. Toller Wein, tolles Essen!

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