Hoffnung für die deutsche Mode: Christiane Arp ist Schirmherrin des neuen German Fashion Design Council (GFDC)

Die wichtigste Nachricht bei der ZEITmagazin Konferenz Mode & Stil, erstmalig in Kooperation mit VOGUE, war nicht, dass Mario Testino am liebsten Badehosen trägt, sondern dass Vogue-Chefredakteurin Christiane Arp die Schirmherrin des neu gegründeten German Fashion Design Council (GFDC) ist. Denn, so waren sich die Redner auf dem Podium im Kronprinzenpalais Unter den Linden einig: Jetzt muss endlich mal was passieren. Christiane Arp sprach von einem „kräftigen Ruck, der durch die Mode gehen muss“.

Nach der Begrüßung von ZEITmagazin-Chefredakteur Christoph Amend und einem kurzen Plausch mit Jazz-Trompeter Till Brönner, dessen Foto-Ausstellung die Konferenz sozusagen eröffnete, nahmen Christiane Arp und Tillmann Prüfer, Style Director des ZEITmagazins, auf dem Podium Platz und diskutierten über die Frage, ob Berlin eine Fashion Week brauche, warum immer alle über die Modewoche meckern und überhaupt:

Wo die Berlin Fashion Week steht, jetzt nach dem Aus der Bread & Butter Messe, dem Fakt, dass noch mehr international bekannte Label auf dem Schauenplan nicht schaden könnten und der Hiobsbotschaft, dass sich Mercedes Benz als Hauptsponsor der New Yorker Fashion Week zurückzieht – denn was bedeutet das im Umkehrschluss für die Berliner Fashion Week?

Christiane Arp fand klare Worte:

Die Berliner Fashion Week ist auf dem Scheideweg: Entweder es geht in den Himmel oder in die Hölle.

Ein Raunen ging durchs Publikum. Immerhin bezeichnet sich Christiane Arp als „erste PR-Frau der deutschen Mode.“

Neue Schirmherrin des German Fashion Design Council: Christiane Arp (Foto: Getty Images)

Mit der Gründung des German Fashion Design Council (GFDC) ist vielleicht der erste Schritt getan, damit die deutsche Mode aufblüht. So hat Deutschland nun endlich einen Dachverband, vergleichbar mit dem Fashion Designers of America (CFDA) oder dem British Fashion Council (BFC).

„Der deutschen Modebranche mangelt es nicht an gutem Design, sondern an einer starken Lobby. Das kreative Potential in Deutschland und dessen Relevanz als Wirtschafts- und Kulturgut wird nach wie vor unterschätzt“, so Christiane Arp. „Mit der Gründung des German Fashion Design Council haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, dies zu ändern und uns dauerhaft organisiert, um uns gemeinschaftlich für deutsches Design stark zu machen – und zwar 365 Tage im Jahr.“

Zu den Gründungsmitgliedern zählen unter anderem Anita Tillmann, Gründerin der  Modemesse Premium sowie die Modejournalistin Melissa Drier von WWD.

Das GFDC will den Fokus auf Modedesign aus Deutschland als Kultur- und Wirtschaftsgut lenken, Designunternehmen und Designer in ihren Möglichkeiten fördern und die mediale Wahrnehmung von deutschem Modedesign im In- und Ausland stärken.

Ebenfalls als Redner der ZEITmagazin KONFERENZ Mode & Stil geladen waren die Designerinnen Annelie Augustin und Odély Teboul sowie Andrea Karg, die Gründerin des Kaschmir-Labels Allude. Sie brachte das Manko der deutschen Mode und der Berliner Fashion Week vielleicht am besten auf den Punkt: „Berlin braucht eine eigene DNA und die deutsche Mode muss sich selbstbewusster präsentieren.“ Augustin Teboule bestätigten, dass es in Berlin noch keine Design-DNA gäbe – höchstens eine Attitüde. Die Frage ist also: Für was also steht Berlin eigentlich?

Mario Testino und Christoph Amend bei der ZEITmagazin KONFERENZ Mode & Stil (Foto: Getty Images)

Vor allem ist Berlin als Standort beliebt: Nicht nur, was die vergleichsweise günstigen Lebenshaltungskosten für Kreative anbelangt, sondern auch der Fakt, dass man in Paris als Jungdesigner kaum eine Chance hat, wahrgenommen zu werden – anders als in Berlin. Schade nur, wenn es keinen interessiert und die Leute zu dieser Jahreszeit lieber in den Urlaub fahren.

Um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, müssen die deutschen Designer noch mehr auf die Sahne hauen. Vielleicht gelingt dann das, was man gerade in London beobachten kann. Immerhin stand auch die London Fashion Week einige Jahre immer wieder davor, in die Bedeutungslosigkeit abzurutschen. Die Moderedakteure, Streetstyle-Fotografen und Einkäufer ließen einen Trip zu Fashion Week nach London gerne mal ausfallen, auf keinen Fall aber eine Reise nach Paris oder Mailand. Nun gibt es neue Generation von britischen Designern wie J.W. Anderson, Simone Rocha oder Erdem, welche internationale Gäste in Scharen anlocken. Kurzum: Die Londoner Modewoche ist zurück.

Gleiches wünscht man sich für Berlin, klar. Anscheinend stehen sich die Designer dabei wohl ein bisschen selber im Weg. Christiane Arp glaubt, es läge daran, dass die deutschen Designer Angst davor hätten, schön zu sein. Dabei ist nach wie vor das Tolle an der Mode: „Wenn du weißt, was dir steht, dann hilft dir die Mode durch den Tag.“ Ein gutes Schlusswort, auf das wir uns sicher alle einigen können.

Annelie Augustin und Odely Teboul sowie Andrea Karg von Allude im Gespräch mit Vogue-Redaketurin Lea Groß bei der ZEITmagazin KONFERENZ Mode & Stil (Foto: Getty Images)

 

Kommentare

  1. Finde ich sehr gut auch als Signal, dass Mode auch ein Wirtschaftsgut ist. Mir tun die deutschen Firmen manchmal richtig Leid. Ich hatte im Bundespräsidialamt mal angefragt, welches Label Frau Schadt bei einem Besuch in GB getragen hat. Daraufhin gab es einen schönen Brief auf schönen Papier mit der Info, dass es dazu keine Informationen gebe. Ich nehme mal an, dass Frau Schadt, das Kleid nicht selbst genäht hat. Ich habe nichts persönlich gegen eine mir unbekannte Frau. Doch von einer Repräsentantin würde ich mir etwas anderes wünschen: nämlich die Unterstützung deutscher Modemarken so wie Frau Wulff es gemacht hat als sie z.B. Basler trug. Das hat nichts mit vermeintlich unwichtigen Äußerlichkeiten zu tun, was ich übrigens ungemein herablassend als Haltung fände. Mit Kleidung wird Geld verdient, jeder muss etwas tragen und damit auch Arbeit geschaffen. Viel Spaß noch wünscht dir Sabina @Oceanblue Style

  2. Danke für den ausführlichen Bericht von der Konferenz Mode und Stil war auch dabei.
    Ja, es wird Zeit, dass ein Ruck durch Deutschland geht für Mode und Stil, denn beides könnten wir noch viel besser. Berlin nicht nur Kunststadt sondern auch Modestadt – das wünsche ich mir für uns Ladies.

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