Highlights der Berliner Fashion Week AW 20/21: William Fan, Lou de Bètoly, Odeeh

Bilder im Header via PR von Janine Sametzky, INSTAGRAM/MBFW.BERLIN VON TONYA MATYU, PR VON ANDREAS HOFRICHTER.

Die Mercedes Benz Fashion Week Berlin ist nun schon seit zehn Jahren fester Bestandteil des deutschen Modekalenders. Doch leider auch nur des deutschen Kalenders. Immer wieder wird Kritik laut, dass Berlin auf internationaler Ebene nicht mithalten könne und unsere Hauptstadt neben den Metropolen Paris, London, Mailand, New York und mittlerweile auch Kopenhagen nicht mehr relevant sei.

Zugegebenermaßen: Die Modewoche war in diesem Jahr nicht auf ihrem Höhepunkt. Lokale Designer wie Lala Berlin oder Kaviar Gauche haben sich schon vor einigen Jahren aus dem Schauenplan verabschiedet und zeigen stattdessen Kopenhagen und Paris. Der Berliner Modesalon fehlt. Anderen aufstrebenden Labels wiederum fehlt die nötige finanzielle Unterstützung um ein solches Projekt zu tragen. Auch Malaikaraiss haben wir in dieser Woche vermisst. Sie pausierte in dieser Saison und präsentierte ihre neue Herbst/Winter Kollektion als Lookbook, während sie bereits an größeren Projekten für den kommenden Sommer arbeitet.

Doch trotz all der Miesepeterigkeit und Kritik glauben wir an den Wert Berlins als Modeplattform. Berlin mag nicht mit den internationalen Giganten mithalten und genau das muss es auch nicht. Stattdessen hat Berlin Charakter, ist unprätentiös und eigenwillig. Und genau so ist auch ihre Mode, die diesen Werten treu bleiben sollte. Berlins Designer haben ihre eigene Handschrift, laufen nicht wahllos jedem Trend hinterher, sondern verstehen was es heißt, eigene innovative Mode zu gestalten.

Mit dem Sponsor Mercedes Benz bietet Berlin die Fähigkeiten und das Potenzial eine erinnerungswerte und unvergleichliche Fashion Week zu gestalten, indem neue Talente unterstützt werden und die verdiente Aufmerksamkeit erhalten. Indem ausgewählte Werte wie Innovation und Nachhaltigkeit gestärkt werden und indem Berlin einfach Berlin bleibt, auch in der Mode. Und um auch euch von unserem Optimismus und unseren Eindrücke zu überzeugen, kommt hier unser Rückblick der letzten Woche.

Bilder der Fall Winter 2020 Kollektion von Malaikaraiss via PR 

Neo.Fashion.2020

Den Auftakt der Berliner Fashion Week 2020 war diesmal das Format der Neo.Fashion.2020. In ingesamt drei Shows präsentierten sich am Montag über 70 Absolventen von neun deutschen Modeschulen und gaben dabei einen Ausblick auf die Zukunft der Mode.

Bei allen Jungdesignern wurde ein deutlicher Trend nach einem kreativen wie kritischen Umgang mit Mode sichtbar, indem sich die Kollektionen mit gesellschaftlich relevanten Themen auseinandersetzten. Neben der deutlichen Präsenz von Nachhaltigkeit und Umweltschutz auch die Definition von Geschlechterrollen, der steigenden Digitalisierung und urbanen bis utopischen Zukunftsvisionen. Ein spannender und vielseitiger Beginn, der die Bedeutung Deutschlands und Berlins als Modestandort besonders hervorhebt.

Bilder via KOWA Berlin

Fashion Talents from South Africa: Clive Rundle, Floyd Avenue, Rich Mini, Viviers

Die Eröffnungsshow der Mercedes Benz Fashion Week Berlin zeigte gleich vier großartig ungewöhnliche Designer. Im Rahmen des Nachwuchsförderprogramms „Mercedes-Benz Fashion Talents“ wurden die Kollektionen der südafrikanischen Designer Clive Rundle, Floyd Avenue, Rich Mini und Viviers präsentiert.

Zwischen den robusten Betonsäulen des Kraftwerks und zu afrikanischen Gesängen beeindruckten die lauten Farben und skulpturalen Designs umso stärker und eröffneten Einblicke in eine exotische und weit entfernte Modesphäre. Denn dass auch der afrikanische Kontinent in Sachen Mode ein Wörtchen mitzureden hat, wurde an diesem Abend sehr deutlich.

Mit starker Designsprache, ungewohnten Formen und farbenträchtigen Musterungen setzten sie deutliche Statements für die Relevanz auf dem internationalen Modemarkt. Beeindruckend zu sehen, dass die Plattform einer Fashion Week auch zur internationalen Verbundenheit und dem Überwinden von Grenzen beitragen kann.

William Fan

Über den Dächern der Stadt zeichnete William Fan mit seiner Kollektion für den Herbst/Winter 20/21 eine Hommage an Berlin. Im Restaurant des Berliner Fernsehturms dreht sich das Modepublikum in 207 Metern Höhe, sodass einem vor lauter Eleganz und Schönheit ein wenig schwindelig wurde.

In den drapierten Designs und Plissees spiegeln sich vielfältigen Geschichten und facettenreichen Szenen der multikulti Hauptstadt wider. Auch seine seit bereits fünf Jahren ikonischen Entwürfe der Glückskeks-Tasche und Town Heel werden in neuem Stil aufgelegt. Mit einem kleinen Augenzwinkern werden typische Souvenir-Shirts entfremdet und Anzüge mit kleinen Prints des Fernsehturms ergänzt.

Und so beweist unser Lieblingsdesigner auch in dieser Saison ein weiteres Mal sein Talent und Gefühl für Ästhetik. Danke William, für einen weiteren Traum über den Wolken Berlins!

Bilder via PR von Janine Sametzky

 

Lou de Bètoly

In roher Gebäudekulisse ließ sich die Französin von den modischen Codes der Bourgeoise inspirieren, den sie im Zeitgeist des 20. Jahrhunderts dekonstruierte und gleichzeitig unglaublich feminin inszenierte. In ihren Kollektionen arbeitet sie mit dem Kontrast von Quasten, Kristallen und viel gezeigter Haut. Dabei wurden im Sinne der Nachhaltigkeit nur recycelte Materialien verwendet.

Präsentiert von einem diversen Cast aller Altersgruppen war die Show geprägt von selbstbewusster und gleichzeitig zarter Weiblichkeit und hinterlässt nachhaltig den Eindruck, inwieweit sich die Modebranche von der veralteten Vorstellung der weiblichen Schönheit verabschieden muss.

Bilder via PR von Andreas Hofrichter

Odeeh

Manchmal taucht man während einer Modenschau komplett ab, blendet die reale Welt aus und lässt sich entführen. Am Dienstagabend malten die beiden Designer Otto Drögsler und Jörg Ehrlich des Labels Odeeh eine eigene Spähre und nahmen ihr Publikum mit in eine Welt aus pulsierenden Kleidern, strengem Tailoring und schimmernden Mustern.

Begleitet von der musikalischen Untermalung von Nils Frahm war die Atmosphäre perfekt, während die schwingenden Kleider zwischen den Betonsäulen des Kraftwerks tanzten. Ein einzigartiger Modemoment, der uns gewollt in seinen Bann zog. Chapeau!

Bilder via Vogue Runway von Andrea Adriani/Gorunway.com

 

Nobi Talai

Die Designerin steht für die Fusion ihrer iranischen Wurzeln und dem Lebensmittelpunkt Berlin. Ein Mix aus Ost und West, der durch traditionelles Handwerk und moderne Designs einen besondere Wirkung entfaltet. Für ihre Herbst/Winter 2020 Kollektion übersetzte sie persische Textilien und traditionellen Festschmuck ins Tailoring.

Dabei trafen von den 70er Jahren inspirierte Schnitte auf moderne vielschichtige Strukturen. Durch abgenähte Akzente und verschiedenste an den persischen Teppich erinnernde Stoffmuster wurde das Zusammentreffen kultureller Inspirationsquellen besonders hervorgehoben. Eine dynamische Kollektion, die Welten, welche scheinbar im Widerspruch zueinander stehen, verbindet.

Bilder via PR

Text von Sarah Luisa Kuhlewind

SCHREIBE EINEN KOMMENTAR.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Geben Sie einen Text ein

Geben Sie Ihren Namen ein