MBFW: Die Highlights der Berlin Fashion Week

Wahnsinn, wie schnell die fünf Tage Modezirkus an uns vorbei gerauscht sind – und doch hatten wir am Dienstag das Gefühl, es wäre bereits Donnerstag, am Mittwoch dachten wir schon an das Wochenende. Am Ende der Fashion Week in Berlin wird klar, dass man sich danach eigentlich eine Woche Urlaub nehmen muss, um das komplette Programm zu verarbeiten 😉

Nebenher Texte zu schreiben funktioniert leider weniger gut, was aber nicht bedeutet, dass unsere Zusammenfassung aus Berlin unter den Tisch fallen darf. Deshalb an dieser Stelle ein kleiner Recap aller Events (neben unserem Highlight William Fan), die wir auf der MBFW erlebt haben.

Christoph Rumpf

Darauf waren wir besonders gespannt: Christoph Rumpf. Der sorgte bereits im Frühjahr für Aufsehen, als er mit seinen avantgardistischen Designs den Grand Prix des Modefestivals von Hyères gewann. Nun durfte der 25-Jährige auf Einladung von Mercedes-Benz mit seiner ersten Solo-Modenschau die Fashion Week eröffnen. Die preisgekrönten Stoffskulpturen, die Rumpf für Herren entworfen hat, kamen beim Publikum (und bei uns!) sehr gut an – ebenso wie die viel entspannteren Looks für die Frauen, die extra für diese Show entstanden sind.

Das Besondere an seiner Kollektion? Die skulpturalen Entwürfe und die originellen Materialien wie die bunt gemusterten Stoffe, die er auf Flohmärkten oder in Restpostenläden gefunden hat, alte Teppiche und sogar Teile alter Bauchtanzkostüme. So besteht ein Anzug aus einem alten Teppich, eine Kette aus den Splittern eines Kronleuchters – alles Bruchstücke, die er zu einem neuen Ganzen zusammenfügt. Sehr gelungen!

Malaikaraiss

Dass sich Malaika Raiss für ihre Kollektion immer etwas ganz besonderes einfallen lässt (letztes Mal gabs eine „Brunchow“ – Brunch + Show), ist kein Geheimnis. Ihre Kollektion NO. 18 zeigte sie nicht wie gewöhnlich auf einem Runway und vor nur einem Publikum; in diesem Jahr enthüllte sie ihre Kollektion erstmals durch Plakatierung ihrer Looks an verschiedenen Plätzen von Berlin (na, wer hat sie gesehen?). Geladene Gäste durften dann am Montagabend im Rahmen eines kleinen Dinners mit Made.com im Klub Kitchen noch einen genaueren Blick auf die neue SS20-Kollektion werfen.

Die Berliner Designerin präsentierte mindestens sechs Looks, die wir am liebsten schon jetzt tragen würden! Gewickelte und geknotete Kleider und Kopftücher, schwingende Rocksäumen und hochgeschlossene Krägen; die Drapage so chic und glamourös, durch das Material zugleich subtil. Neben den marokkanischen Einflüssen (ihre letzte Reise war ihre Inspiration) trifft Malaika auf eine Keramik-Künstlerin von der Karibikinsel Tobago, deren Arbeit sich durch eine spezielle Art der Glasur und damit eine einzigartige Art Marmorierung auszeichnet. Diese Technik zeigt sich in einem Print auf elegantem Seidensatin und Perlmutt-Chiffon. Chic chic!

Richert Beil

In Zukunft soll sich niemand mehr durch die Modeindustrie ausgeschlossen fühlen. Das Designerduo Richert Beil fordert Respekt und Achtsamkeit. Niemand soll sich verstecken, weil er nicht dem Ideal entspricht.

Unter dem Titel „Unscharf“ zeigten Jale Richert und Michele Beil die Frühjahr/ Sommer Kollektion 2020, inspiriert von der visionären Arbeit Rudi Gernreichs in den späten 1960er und 1970er Jahren, die stereotypische Schönheitsideale herausfordert und ästhetische Unterschiede zwischen Frauen und Männern dekonstruiert. Mit ernsten Mienen präsentieren die Models karierte Anzüge, kantige Mäntel und Kleider, alles in gedeckten Farben. Herzstück der Kollektion ist ein übergroßer Haute-Couture-Mantel, der aus mehr als 100 schwarzen BHs von alten Lagerbeständen eines Wäscheherstellers genäht wurde. Und das weiße Hemd mit Puffärmeln, getragen von einem Männermodel, würden wir direkt auch anziehen.

Vorab rasierte das Design-Duo von Richert Beil seine Haare und verteilte die DNA an die Besucher. Nun können wir die körperpositiven Designer klonen!

Nobi Talai

Meine allererste Modenschau, die ich je besucht habe, war tatsächlich die Debütshow von Nobi Talai in Berlin, das erste Mal, das ich bei einem Shooting gestylt habe, war mit einem Look von Nobi, das erste Interview, das ich mit einem Designer geführt habe, war mit Nobieh und die erste Show, die ich während der Paris Fashion Week besuchen durfte, war ebenfalls die von ihr. Ihr könnt also erahnen, wie sehr ich mich gefreut habe, dass Nobi Talai aus Paris zurückkehrt ist.

In einer 1695 erbauten Kirche mit eindrucksvollen Rundbögen und rustikalen Bänken präsentierte die Designerin mit persischen Wurzeln ihre Kollektion. Neben meist unifarbenen oder gestreiften Stoffen enthielt die Kollektion grafisch inspirierte Guipure-Spitze mit einem Gitterkaro, übergroße Hemden, Safarijacken, Trenchcoats, weite Stoffhosen und Plissee. Dazu lasergeschnittenes Leder, das eine Art Miniatur-Mesh erzeugt, und monochrome Ensembles, die männliche und weibliche Eigenschaften vereinen. Das Besondere? Alles tragbar – und das nicht nur mit Größe 34. Mega, Nobieh!

Alle waren eine Bereicherung für Berlin, dem langsam die treibenden jungen Kräfte auszugehen drohen.

Alle Bilder via PR, Nobi Talai via Getty Images via PR

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