Was wir diesen Herbst tragen? Buyers Interview mit Kerstin Görling von Hayashi

Weiter geht es mit unserer Fragestunde in unserer kleinen Serie: den Buyers Interviews. Nach der zauberhaften Maud BarrionuevoDirector of Buying & Merchandising beim französischen Onlineshop 24 Sèvres, ist heute Kerstin an der Reihe und stellt sich unseren Fragen.

Warum wir sie jede Saison befragen? Kerstin ist ein Profi, reist als Einkäuferin und Shopbesitzerin von Hayashi seit Jahren in der Modewelt herum und kennt sich mit Trends, Designern sowie Labels bestens aus. Außerdem hat Kerstin keine Angst vor Farbe und Mustern, wie sie uns das wöchentlich in ihren wunderbaren JOURlooks immer wieder aufs Neue beweist.

Also, liebe Kerstin: Was tragen wir nun in den kommenden Monaten?

Interview: Alexandra Kutek

Was hast du dir schon für die neue Saison gekauft?

Ich liebe Cordhosen in dieser Saison und habe schon zwei Paar in meinem Kleiderschrank: Eine cremeweiße, verkürzte Version von Joseph und einen petrolfarbenen Liebling von Isabel Marant. Ich konnte mich einfach nicht entscheiden!

Was sind die fünf Key-Pieces für den Herbst?

1. Ein dicker Blazer, den man als Jacke tragen kann, zum Beispiel von Joseph


2. Cowboyboots, zum Beispiel von Isabel Marant


3. Cordhosen


 

4. Patchwork-Pullover

5. Ein Item aus Fake-Schlangenleder, zum Beispiel von MSGM

Nach welchen Herbsttrends haben Kunden schon im Sommer gefragt?

Karos! Im Moment findet man Karos in allen Kollektionen, ob sportlich, ob chic. Schon im Sommer haben wir karierte Kleider bestens verkauft. Das setzt sich nun vor allem in karierten Wintermänteln fort.


Was kann ich noch aus der letzten Saison tragen?

Diese Saison sollte man bequeme Sneaker ausnutzen: Dad- oder Sock-Sneaker. In diesem Winter laufen wir noch immer auf weichen Sohlen. Wer weiß, wie lange noch?!


 

Die einen sagen, die 80er sind zurück. Andere wiederum sprechen von einem Comeback der 90er, einige behaupten, die Opulenz der Nullerjahre und des Paris-Hilton-Chics sei zurück. Da kann man leicht den Überblick verlieren. Wie schätzt du das ein? Und was ist für dich der große Trend für den Herbst?

Von allem ein bisschen! Das Schöne an der Vielfalt ist, dass wir uns nicht mehr festlegen müssen. Waren bisher die Modemagazine gefüllt mit ein paar großen Trends, kann man jetzt alles finden. Was wir in dieser Saison sehen, sind Schulterbetonungen: Schulterpolster, überschnitte Schulterpartien. Außerdem glänzende Kleider, Vinylhosen bei N21, Paris-Hilton-Satin bei MSGM. Ihr seht, alles ist möglich!

 


 

Doch mein großer Lieblingstrend ist Western. Der kommt zwar immer mal wieder, ist in dieser Saison aber wunderschön umgesetzt.


 

Wonach richtest du dich, wenn du einschätzen musst, ob sich ein Runway-Trend durchsetzt und zum Besteller wird?

Ich richte mich nach der Umsetzung im Alltag. Cowboyboots und Paisleykleider kann ich super tagsüber und abends tragen. Komplett transparente Kleider oder Minishorts weniger. Wir wollen uns zwar modisch kleiden, aber nutzbar sollte es sein. Ausgefallen und trotzdem einsetzbar ist das Geheimnis. Dabei sollte man nicht verkleidet wirken, sondern immer entspannt. Keiner trägt mehr Taftkleider im Mooshammer-Look!

Angenommen, ich habe nur ein kleines Budget. In welches Key-Piece sollte ich diese Saison investieren?

Ich würde mir einen Karomantel kaufen. Am liebsten oversize. Dazu kann man so viel kombinieren. Entweder im Mustermix mit anderen Karos oder Streifen, weite Denims oder Hosen, mit Strumpfhose und Kleidchen. Ein karierter Mantel lohnt sich.


Welche Farbe siehst du diese Saison vorn?

Ich liebe alle Naturtöne, weil die so schön zum 70s-Trend und Western-Style passen. Wenn es bunt sein sollte, dann natürlich lila, rot, grün und rostorange.


Welche neuen Labels sollte man in dieser Saison auf dem Schirm haben?

Neu und mein Herz erobert hat Rokh. Bitte unbedingt merken. Er hat den LVMH-Special-Price gewonnen und kommt bei uns sehr gut an. Wir haben uns in die aufregenden Schnitte und tollen Materialien verliebt. Rokh wird bald von allen Dächern gerufen!


 

No-Gos gibt es ja bekanntlich nicht mehr. Aber was kannst du in der Mode gar nicht sehen?

Jeder kann tragen, was er will. Zum Glück! Ich persönlich kann jedoch den Extra-Hässlich-Trend und die ewige Streetwear mit Boxlogo nicht mehr länger ansehen. Ich stehe wieder auf Schönes und lasse meinen Kapuzenhoodie im Schrank oder besser auf der Couch.

In wie weit lässt du dich bei deinem Job von Instagram und Streetstyle-Fotos beeinflussen?

Natürlich halte ich mich immer auf dem Laufenden, werde aber (leider!) weniger von Instagram- oder Streetstyle-Stars inspiriert, im Gegenteil. Es sind nur noch große, meist absolut Mainstream-Marken, die bezahlt Produkte streuen, die normalerweise keiner tragen würde. Schade! Aber vielleicht ändert sich bald etwas. Ich gebe die Hoffnung nicht auf. Blanca Miró Scrimieri ist für mich ein gutes Beispiel. Sie zeigt auch kleinere, kreative Brands.

Dein persönlicher Lieblings-Streetstyle für die neue Saison – und wieso?

Das von Blanca: Ich liebe die Schuhe und das Kleid. Schlangenlederstiefel (natürlich nur Fake) habe ich auch selbst schon neu im Schrank. Nächste Sommer sind sie dann überall!

Außerdem kann ich nicht mehr ohne meinen Blazer von Acne Studios. Wollpullover drunter und fertig ist der Look.

Kommentare

  1. Liebe Kerstin, Dein Trendgespür, Dein Geschmack und Deine Stilsicherheit sind der Wahnsinn! Verfolge inzwischen seit Jahren Deine Buyers-Interviews und Deine Reisen in die Showrooms dieser Welt und ich kann Dir gar nicht sagen, wie oft ich Monate später irgendwelche Kleidungsstücke gekauft habe, die Du mir schon vor der Saison als Trend prophezeit hast. Das ist echt beeindruckend. Und irgendwie trifft du immer meinen Geschmack. Und ich liebe Deine ‚What’s new?‘ Stories aus dem Hayashi Store <3 Liebste Grüße, Anne

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