Hat es sich ausgeGUCCIt? Die neue Kollektion für Spring Summer 2017

Alle lieben Gucci. Nur wir fragen uns, wie lange es diesen Hype noch geben kann und wann es sich vielleicht ausgeguccit hat.

Sucht man auf Journelles nach dem Begriff „Gucci“, dann springen einem Artikel wie „Warum wir so auf diese gaga Looks abfahren“ und „Flamboyant, verrückt, genial“ entgegen. Man könnte also schon sagen, dass wir im Team Journelles hier eine gewisse Vorliebe für Alessandro Michele und seine verrückten Entwürfe haben. Bunter, doller, glitzernder – die letzten Saisons trieb es der neue Designer wirklich fantastisch wild.

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Fotos via vogue.com

 

Beim Anschauen der Runway-Looks für Frühjahr/Sommer 2017, die gerade auf der Mailand Fashion Week gezeigt wurden, folgte nun die große Ernüchterung: Zu dritt standen wir vor dem Bildschirm und so richtig wollte die saisonale Gucci-Begeisterung nicht aufkommen. Woran liegt’s? Langeweile. Seit anderthalb Jahren designt Michele jetzt schon für Gucci und fährt seitdem die gleiche Linie: Möglichst viel Seventies, Grandma-Chic und Disco-Vibes gepaart mit Nerdbrillen, dazu die Gucci Dionysus Bag (die wir lieben, bitte nicht falsch verstehen!) und jede Menge Schrulligkeit, die kaum mehr als klassisch schön zu betiteln ist.

Zu gerne hätten wir uns für den nächsten Sommer auf DIE neue It-Bag von Gucci gefreut. Stattdessen wieder das gleiche Modell, nur ein paar neue Applikationen. Die gleichen Brillenmodelle, nur statt goldener Nieten gibt’s jetzt rosa Glitzer. Und wer die berühmten Schluppenblusen suchte, der wurde auch fündig: diesmal in pinkem Lurex-Plissee-Look. Es ist, als wäre bei Alessandro die Schallplatte seit der ersten Saison hängengeblieben. Gucci fährt damit ja auch gut, hat seine Medienpräsenz verdreifacht und die Verkaufszahlen sind wie verrückt nach oben geschossen. Aber wie lange machen wir das noch mit? Also ich persönlich habe mittlerweile genug Gucci-Loafer für den Rest meines Lebens gesehen…

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Saint Laurent Spring Summer 2015

 

Wer jetzt gut aufgepasst hat, dem kommt das ganze Spiel bekannt vor. Stichwort: Saint Laurent unter Hedi Slimane. Jahrelang ging der Grunge-Look gut, die Courtney-Love Gedächtnis-Kleider, Leo- und Sternenprints machten aus Yves Saint Laurent „Saint Laurent by Hedi Slimane“. Die Kundinnen kauften und Slimane kreierte mit seinen Kollektionen einen Trend nach dem anderen. Bestand die Zielgruppe des Traditionshauses vorher noch aus gut betuchten älteren Damen, so wollten auf einmal alle It-Girls und Fashionistas ein Stück des Labels besitzen.

Doch auch hier bewahrheitete sich das, was ich für Gucci vorhersage: Nach ein paar Saisons war der Überraschungseffekt weg, das Auge gewöhnte sich an den Grunge-Look und die Begehrlichkeit sank still und leise mit jeder Kollektion – blieb aber natürlich über dem Status quo, den das Label vor Hedi Slimane hatte. Die Konsequenz, die nicht nur der Konzern Kering zog, sondern vor allem Hedi selbst: Er hängte seinen Posten als Stardesigner bei Saint Laurent an den Nagel. Jetzt kommt Anthony Vaccarello, der zuvor schon bei Fendi gearbeitet und sich danach seinem eigenen Label gewidmet hatte. Und siehe da: Die Spannung steigt, wir können die neue Kollektion kaum noch erwarten.

 

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Schriftspiele bei Gucci S/S 2017 und Gosha Rubchinskiy Fall 2016

 

Natürlich soll die Konsequenz bei Gucci nicht sein, dass Alessandro Michele seine Stelle als Chefdesigner abgegeben soll. Dazu mögen wir ihn viel zu sehr. Aber so ein bisschen mehr Abwechslung würde den Entwürfen bestimmt nicht schaden – und (Achtung Ironie!) ein bisschen weniger gemeinsame Zeit mit Demna Gvasalia. Denn Frakturschrift und Print-T-Shirts, die kommen uns von Vetements und Gosha Rubchinskiy doch ziemlich bekannt vor – und passt eigentlich so gar nicht zu Guccis sonstigen Glamour-Vibes. Das hat Alessandro Michele doch eigentlich gar nicht nötig.

 

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Gucci S/S 2017 und Vetements Fall 2016

 

Na klar, ist die Frage, wer den Trend in der Modebranche zuerst entdeckt hat, wie die Frage nach dem Huhn und dem Ei. Keiner weiß es so wirklich und jeder will es gewesen sein. Aber eines ist doch klar: Dank Alessandro und Demna haben wir für die nächsten Saisons genug Nerd-Grandma-Seventies- und Grunge-Athletics-Underground-Mode gesehen. Das, was Runway-Shows und neue Trends doch erst so spannend macht, ist der Überraschungs- und WOW-Faktor. Und den muss Alessandro Michele für Gucci wiederfinden. Ansonsten hat es sich bald ausge-gucci-t.

Alle Looks der neuen Gucci Frühjahr/Sommer Kollektion seht ihr hier:

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(Fotos Header via vogue.com)

Von Marie

Der erste Satz, wenn mich Leute kennenlernen ist: „Das ist aber selten.“ Ja, ich bin ein seltenes Exemplar: Berliner Eltern, Berliner Blut, Berliner Göre. Tatsächlich bin ich so sehr mit der Hauptstadt verbunden, dass ich meinem Kiez in Schöneberg seit über 20 Jahren die Treue halte und noch nie von hier weggezogen bin – und auch nicht dran denke. Und obwohl wir Schöneberger zwar sehr viel von Bio-Supermärkten und esoterischen Edelsteinläden halten, gibt es hier auch das ganz große Mode-Paradies: das KaDeWe. Der Tempel des Shoppings und der Ersatzkindergarten für meine Eltern, sozusagen das Småland bei Ikea für mich (andere Kinder haben dort ihren ersten Wutanfall, ich schmiss mich in voller Rage im Atrium des KaDeWe auf den Boden und weigerte mich zu gehen). Kein Wunder also, dass Mode und ich nie wirklich Berührungsängste hatten.

Spätestens seit der Oberstufe, in der ich – dank Blair Waldorfs Inspiration aus Gossip Girl (ja, das war meine Serie zusammen mit Gilmore Girls) – die Schule nie ohne Haarreif, Fascinator oder eine gemusterte Strumpfhose betrat, hatte auch mein Umfeld begriffen: Marie macht was mit Mode. Und weil ich damit in meinem katholischen "Elite-Gymnasium" so ziemlich die Einzige war, suchte ich meine Verbündeten 2011 woanders: im Internet. Auf meinem Blog Style by Marie. Und so begann meine modische Laufbahn.

Noch mehr Gleichgesinnte und vor allem Freunde fand ich auf der Akademie für Mode & Design in Berlin, bei der ich 2013 meine Ausbildung in Modejournalismus und Medienkommunikation startete. Was für mich seit der 1. Klasse klar war, nämlich das Schreiben mein Ding ist, wurde jetzt zu meinem Beruf: Journalistin. (Denn ja Oma, es gibt noch etwas anderes als Modedesignerin). Dank meines Blogs und einem Praktikum bei der Harper’s Bazaar Germany in der Online-Redaktion blieb ich auch dem Internet und dem Online-Journalismus treu. Und ratet mal, wo ich jetzt bin: Genau, bei Journelles, dem Blogazine, was alle meine Leidenschaften verbindet: Bloggen, Schreiben, online sein – zusammen mit euch!

Kommentare (10) anzeigen

10 Antworten auf „Hat es sich ausgeGUCCIt? Die neue Kollektion für Spring Summer 2017“

Vielen Dank für diesen super informativen und gut geschriebenen Beitrag. Wie man an meinen Kommentaren ja unschwer erkennen kann lese ich jeden eurer Beiträge und erhalte hier irgendwie auch die meisten und besten Informationen. Vielen Dank an dieser Stelle einmal dafür. Ich finde Journelles wird immer noch besser, keine Ahnung, wie ihr das macht 😉 Die Mischung aus informativen Hintergrundberichten, Beauty, klassischen Outfitpost und euren persönlichen Favoriten gefällt mir super gut und ist, wie ich finde, in dieser Form echt einmalig. Vielen Dank also und macht bitte weiter so, eure Neele

P.S: Und die Gucci Sachen kann ich leider so langsam auch nicht mehr sehen, obwohl ich die Dionysus Bag selbst habe und sehr liebe… Irgendwann hat man sich vielleicht einfach satt gesehen.

Also der Omatopf als Kopfbedeckung gleich am Anfang im Video ist doch wirklich gelungen! Ansonsten: vielleicht kommt die ständige Beschäftigung mit Mode einem manchmal eh zu den Ohren raus? Geht mir jedenfalls so. Dann ödet mich alles an. Liegt vielleicht in der Natur der Sache. Deswegen lieben wir ja Klassiker zum Ausgleich:)

Ich liebe Gucci immer noch und mußte sofort euren Beitrag lesen. Hat sich gelohnt. Danke! LG Sabina

Toller Post!
Fehlender Überraschungseffekt hin oder her – das ist genial. Das Styling und das Ideenreichtum sind genial. Gleichzeitigkeit von Trends bzw Auflösung dieser – und trotzdem ein Wiedererkennungswert. Das kann auch nicht jeder!

lg
Esra

Also ich finde den ganzen Hype einfach nur SCHRECKLICH, UNNÖTIG und LANGWEILIG !!! Es muss nicht sein und es ist schade um solch ein Traditionslabel. Danke für den gut geschriebenen Artikel, der für alle Leser, verständlich und informativ ist. Aber vor allem, dass die neue Kollektion nicht wiedermal so angepriesen wird, wie üblich.
Ich behaupte ja nicht, das Gucci einfach nur schlecht ist, aber Innovation sieht auf jeden Fall anders aus. Die ganzen Omilooks mögen sich auf diverse Social Media Kanäle gut vermarkten, aber so richtig toll und gut sind sie nicht. Da kann jeder Secondhandshop, locker und besser mithalten. Ich denke auch, dass es eine ähnlich Verkaufsentwicklung wie Saint Laurent Paris verfolgt. Gut für Gucci, aber für die Zukunft der Mode ist es eher fragwürdig.

LG, Evelyn

muss denn immer alles innovativ sein? Mode hat doch sowieso schon ein viel zu hohes Tempo erreicht, warum muss alles immer „neu neu neu“ sein… kann man nicht mal einen Augenblick auf einer Stilrichtung verweilen und dieser die lange Wertschätzung überbringen, die sie verdient hat?

DANKE!!!! wie schön, dass ihr doch noch mit solchen guten Beiträgen kommt. denn für mich war journelles mal ein MODE-Blog, inzwischen seid ihr eine sehr gute gemachte Digital-FÜR SIE für die unter 35-jähirge Mainsteramerin.

Ich vermisse mehr Relevanz – die bringt ihr mit solchen Texten. WEITER SO!!!!

Sonnige Grüße! Janna

Bevor ich den Artikel bei euch gesehen habe, hatte ich mich durch die Kollektion geklickt und genau das gleiche gedacht.
Langweilig, nichts neues….
Schade eigentlich aber dafuer gibt es genug andere Knaller Kollektionen 😉

Vor lauter Mama – werden / sein fehlt mir bei euch leider auch der knallharte Fashion content. Danke an Marie für einen Artikel a la Journelles in Bestform. Mehr davon 🙂

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Journelles ist das grösste unabhängige Mode-Blogazine in Deutschland und wurde 2012 von Jessie Weiß gegründet. Die 34-jährige Unternehmerin legte 2007 den Grundstein für die Modeblogosphäre mit dem Netz-Urgestein LesMads und arbeitet seither als Journalistin, Moderatorin und Kreativdirektorin.