Gesprächsstoff: Immer „neu neu neu“!

Die gestrige Diskussion in den Kommentaren zum Thema „Doku-Tipp: Mode zum wegwerfen“ war interessant und in fast allen Fällen konstruktiv. Das schätze ich sehr, denn umso mehr kann sie zum Denken anregen. Viele Themenpunkte werden wir hier sicher noch behandeln, heute möchte ich mich einem Kommentar zuwenden: „Denn Fashion Blogs wie eures tragen ja nicht unerheblich dazu bei, das das Verlangen nach ständig Neuem jeden Tag befeuert wird.“ 

Mimi schreibt dazu: „Ich finde es sehr gut, dass ihr euch mit diesem Thema hier befassen wollt – was natürlich schwierig und heikel für uns alle ist, die schöne Klamotten lieben, und für jemanden, der sein Brot im Bereich Mode und Trends verdient noch umso mehr. Eine simple Folgerung ist natürlich ganz klar: weniger! Aber mir ist auch klar, dass das für eine Modebloggerin z. B. ein gewisses Dilemma darstellt.“

Ganz klar: Da ist was für unsere Kategorie Gesprächsstoff!

Nachhaltigkeit, das ist ein Thema, mit dem ich mich schon seit Jahren beschäftigte. Mal mehr und mal weniger. Das aber vor allem mit steigendem Alter mehr Verantwortungsbewusstsein hervor ruft. In meinem Fall bedeutet das weniger und bewusster konsumieren. Und das funktioniert sehr gut! Aber: Mode ist mein Job. Dieses Blog ist mein Job, es lebt von vielen bunten abwechslungsreichen Themen. Wir wollen zeitgeistig, inspirierend, nah am Puls der Zeit sein, verstehen, woher Trends kommen und wohin sie gehen, neue Dinge entdecken und nicht still stehen. Der gemeine Leser will ständig Neues sehen, überrascht werden, nicht dasselbe sehen und lesen wie schon drei Seiten zuvor.

Auf ihrem Blog „Pink & Green“ schreibt Nina dazu aktuell:

„Wenn Blogs aber jede Woche Neuzugänge in Onlineshops besprechen, günstige Alternativen zu teuren Designerstücken vorschlagen und alle paar Monate ihre überfüllten Kleiderschränke ausmisten müssen, schafft das kein Bewusstsein für Balance, sondern kurbelt nur die Fast-Fashion-Industrie an. Jessica Weiß‘ Entscheidung, das Thema Slow Fashion trotz Oxymoron-Gefahr nicht zu ignorieren und die Reichweite ihres Blogs für Aufklärung zu nutzen, um damit einigen Lesern die Unsicherheit im Umgang mit grüner Mode zu nehmen, ist dennoch lobenswert, wenn auch längst überfällig.“

Ganz frei machen kann man sich von dem Vorwurf nicht, aber hier muss man doch klar differenzieren: Die Fast-Fashion-Industrie kurbeln wir wenig an, weil wir sie selbst nicht leben. Wie gesagt: Natürlich gibt es immer Neues zum Thema, aber der Leser kann sehr wohl abstrahieren, für sich selbst entscheiden, filtern. Uns wird immer vorgeworfen, zu teure Dinge zu präsentieren (wenn man gerade mal nicht zu viel H&M trägt) – ja, denn hier hat ein Umdenken dazu geführt, auf Dinge zu sparen und sie dann länger als einen Monat zu tragen. Wer nicht mehr 4 Mal im Monat sein Geld bei COS auf den Kopf haut, kommt der Designertasche schon ein gewaltiges Stück näher. Und das funktioniert wirklich so, ich beobachte es regelmäßig in meinem Freundeskreis.

Immer neu, neu, neu! Das ist ein Druck, dem man automatisch ausgesetzt ist und von dem man sich nur selten frei machen kann. Es ist der Druck und die Erwartung des Lesers, der Anspruch an mich selbst, immer kreativ zu sein, noch ein weiteres Thema zu finden, eine weitere neue Kategorie zu machen, die es noch nicht gibt. Das lässt sich auf viele weitere Jobs und Lebensbereiche übertragen; es ist das Streben nach Einzigartigkeit. Mich macht es müde, nach rechts und links zu schauen, Neues macht mich auf Dauer müde. Weil man sich gar nicht mehr über das Hier und Jetzt freuen kann, sondern gedanklich schon beim nächsten neuen Ding ist. Ich ziehe dann meist ein Wochenende lang meinen Schlafanzug nicht aus, mache nicht-modeverwandte Dinge. Und traue mich im nächsten Outfit-Post dann oft, etwas Altes aus meinem Kleiderschrank zu ziehen, obwohl es schon mal auf Journelles war. (Ja, ich bemühe mich, mehr davon zu liefern!)

Die Modewelt macht es einem aber auch leicht: Jeden Tag flattern hier neue Pressemitteilungen, Lookbooks, neue Labels, neue Produkte rein, es werden neue Kollaborationen benannt. Es flattert so viel rein wie in jeder anderen Redaktion auch, und doch belastet es mich als Privatperson in meiner Privatwohnung. Inzwischen sage ich –wenn man mich vorher fragt und nicht einfach ein Paket losschickt – zum Großteil der Kleider nein. Sage nein zu Produktproben, wenn sie nicht zu Journelles passen, nein zum x-ten Paar Bikerstiefeln und nein zu Blusen, die ich doch schon so ähnlich habe.

Luxusprobleme sind das, denkt ihr jetzt bestimmt, und ja, das sind sie auch. Aber es macht mich wirklich müde zu sehen, wie viel da in der Hoffnung auf eine Platzierung auf Journelles rausgehauen wird, ohne über den Fit nachzudenken. Auch das ist Nachhaltigkeit in meinen Augen.

Denn: Natürlich arbeite ich mit Samples und Presseteilen, die in den meisten Fällen zurück gesendet werden. Deshalb seht ihr hier auch immer wieder Neues. Auch, weil es Spaß macht und für Abwechslung sorgt, wenn ich mir selbst Favoriten aus Kollektion aussuchen kann, die zu mir passen. Und auch sorgsam ausgesuchte Kollaborationen mit Labels machen es möglich, dass ich vermutlich mehr Wintermäntel besitze als andere. Ist aber auch mein Job. Mit dem verdiene ich mein Geld.

Die (traurige) Wahrheit ist: Outfit-Posts sind mit Abstand die beliebtesten. Dann kommen private Beiträge wie 7 little things und erst dann kommen die aufwändigen Karriere-Interviews, Gespräche mit Experten, die ausführlichen Trendjournale. Was sagt das über den Leser, dessen Bedürfnisse wir stillen wollen? Ich finde das natürlich oft schade, dass länger recherchierte Artikel meist nie so gut laufen wie die Looks. Aber deshalb werden die Kategorien natürlich nicht abgeschafft. Eine gute Seite braucht Balance. Und Abwechslung. Und die werdet ihr hier auch weiterhin in gewohnter Form sehen. Trotzdem darf und muss auch ein Blog wie dieses über Nachhaltigkeit und Herkunftsländer sprechen dürfen, weil Information der erste Schritt zur Besserung ist. Egal, wie der einzelne es später für sich umsetzt.

Übrigens: In der fünften Folge von It’s Fashion gehen wir der Frage nach, was das Öko-Siegel eigentlich taugt. Habt ihr die gesehen? Solltet ihr sonst nachholen. Ist allerdings nicht neu.

Kommentare

  1. Claudia Grande sagte am

    Wow, vielen Dank für diesen ehrlichen Beitrag. Ich schätze Deine Offenheit im Bezug auf die geschäftliche Seite von Journelles sehr. Vorbildlich!

    • Steffi Rikolaade sagte am

      Da schließe ich mich an! Und bitte keinesfalls auf die gut recherchierten Beiträge verzichten, denn durch die hebst Du Dich ab!!!
      Liebe Grüße!!

  2. Ein Thema, mit dem ich auch immer wieder hadere. Mal abgesehen von Produktaussendungen, Angeboten usw. will ich mir auch einfach selbst nicht mehr ständig Neues kaufen. Lieber schaue ich zurück und schätze die Dinge, die ich habe. Das versuchen wir auch gerade mit der neuen Kategorie „Wardrobe evergreen“ (http://www.lesmads.de/2013/10/neue_serie_-_wardrobe_evergreen_der_faltenlederrock_von_zara.html) zu thematisieren.

    Ich finde es auch nicht langweilig, wenn ich einen Blogger öfter in einem Teil sehe, das schon (mehrmals) gepostet wurde. Eher im Gegenteil! Ich finde es spannend, wie man neu kombiniert und bewundere außerdem einen Stil, der eine gewisse Konstanz hat.

  3. Was mich mal interessieren würde: du sagst, dass du auch eben unzählige Produkte etc ungefragt zugeschickt bekommst. Und viele einfach nicht zu Journelles passen und sie deshalb gar nicht vorgestellt werden. Was passiert mit solchen Produkten? Darfst du sie trotzdem behalten? Müssen sie zurück gegeben werden oder wie funktioniert das bei einem Blog? Klar ich denke Kleinkram wirst du behalten dürfen. Aber wie sieht es zb. mit einem 500€ Mantel aus, den dir ein Jungdesigner zukommen läßt, in der Hoffnung dass du ihn hier zeigst?

    • journelles sagte am

      So was gibt es nicht, da wird vorab gezielt angefragt! Der Großteil der Aussendungen ist von kommerziellen Labels, die sich das auch leisten können.

  4. Lustig, mir geht es gerade mit Taschen so. Als Studi trug ich immer Vintage-Taschen von Aigner und The Bridge, weil die Qualität und Preis unschlagbar sind. Hab mich dann weiter ausprobiert und welche von etwas teureren Highstreet Labels wie All Saints gekauft. Die mir interessanterweise nach einem Jahr nicht mehr gefallen haben. Die Befürchtung habe ich auch bei Designertaschen. Also geht es für mich back to the roots. Gut, dass ich noch ein paar der alten Schätzchen behalten habe. Ebenso wie meine im Ausland gekauften Ledershopper (Marokkanisches Leder) und Backpacks. Oder ab und an mal eine auf Anthropologie.

    Nachhaltig finde ichs dennoch, die ausgemusterten Teile zu verkaufen und nicht in den Müll zu werfen oder im Schrank wenig getragen versauern zu lassen. Denn das ist für mich fast dasselbe. Auch, wenn man hochwertige Dinge kauft, ist man vor Fehlkäufen nicht gefeit. Aber es gibt heute gute Wege, die Sachen an Jemanden abzugeben. Manchmal verschenke ich Sachen auch, die sich nicht verkaufen lassen. Das gilt im Übrigen auch für Möbel. Ich hab bspw. kaum Deko in der Wohnung und investiere das Geld, was ich dabei spare, in gute Möbel (neben den üblichen Basics von IKEA, die einfach unverzichtbar sind).

    Ich bin dir dankbar, dass du mehr Outfitposts mit Teilen machen willst, die hier schon zu sehen waren. Das finde ich inspirierender, als immer wieder neue Musterteile. Ist klar, dass du die bringst, keine Frage. Aber z.B. in Kombination mit etwas von dir (machst du ja, Schuhe und Taschen), was du schon länger hast, find ichs besser ausbalanciert.

    xx

  5. Kunstkannman Nichtessen sagte am

    Also ich schau mir die Outfits-Posts auch gern an – aber meine Lieblingskategorien sind die Instagram-Portraits und die Homestories. Weil man hier viel über andere erfährt und es quasi der Blick über den Tellerrand bei Journelles ist.
    Also bitte unbedingt weiterführen!

    Vielleicht könnt ihr aber auch einmal ein paar Öko-Labels vorstellen. Hati Hati finde ich zum Beispiel super und es gibt zig andere.

    Ich finde übrigens euren Flohmarkt auch gut. Das ist ja auch nachhaltig, wenn Kleidung, die nicht mehr passt oder gefällt, von der neuen Besitzerin weiter getragen werden.

  6. viennarightnow sagte am

    Eine interessante Facette von „Immer neu“ ist, dass man trotz Neuzugängen oft viel lieber auf bewährte Teile im Schrank zurückgreift und einen gewissen Stock hat, der beständig getragen wird.

    Für das Bedürfnis nach immer neuen Teilen gibt es auch den Versuch einer Erklärung, den sogenannten Diderot-Effekt, dh Neues erfordert mehr Neues oder Anderes, damit man wieder Übereinstimmung bzw. Abgrenzung hat. Wer nachlesen mag, Die Zeit hat einen guten, kurzen Artikel dazu: http://www.zeit.de/2009/16/Design-Diderot-16

    • Aber ist damit nicht eher gemeint, dass ein neues Ding, was nicht zum Rest passt, alles quasi so verändert, dass man alles neu will? Bleibt man seinem Stil treu, dürfte der Effekt doch gar nicht eintreten.

      • viennarightnow sagte am

        Vom Prinzip her hast du natürlich recht. Leider funken da Trends, Wünsche den eigenen Stil zu modifizieren und größere gesellschaftliche Veränderungen dazwischen.

  7. Liebe Jessica, danke für diese ausführliche Stellungnahme und die Einbindung meines Artikels. Die It’s Fashion-Folge mit Magdalena Schaffrin im Interview war super und zeigt, dass man auch in kommerziellen Formaten eine Balance finden kann. Ich kann diesen Satz von dir nur unterstreichen: „Eine gute Seite braucht Balance. Und Abwechslung. Und die werdet ihr
    hier auch weiterhin in gewohnter Form sehen. Trotzdem darf und muss auch
    ein Blog wie dieses über Nachhaltigkeit und Herkunftsländer sprechen
    dürfen, weil Information der erste Schritt zur Besserung ist. Egal, wie
    der einzelne es später für sich umsetzt.“

  8. Schöner Ansatz. Ich drücke alle Daumen, dass Du das durchhältst.
    Ich gestehe allerdings, dass ich hier tasächlich die Outfit-Posts mit Abstand am liebsten mag. Ohne die würde ich diesen Blog nicht besuchen. Ist immer nett, sitze im Büro, kurze Pause, iPad und Kaffee raus, ein paar unterhaltsame Seiten aufrufen:-). Und ggfs. einen tendenziell sinnfreien Kommentar schreiben. Ein Modeblog ist für mich pure Unterhaltung, die Welt verbessere ich irgendwo anders.
    Trotzdem ist eine kritische Reflektion gegenüber dem hier vorgeführten Konsum, Konsum, Konsum schön.
    Ich gebe viel Kohle für Klamotten und Accessoires aus. Allerdings eher im höherwertigen Bereich….bei Basics wie T Shirts oder auch Trendteilen greife ich aber gerne zu Zara, Primark &Co. Zweimal im Jahr wird aussortiert und die Klamotten entweder bei eBay versilbert oder zu Oxfam getragen.
    Ich fühle mich damit wohl. Für mich muss ein Teil der Kohle auch wieder raus für Sachen, an denen ich Spaß habe. Jeden Tag kann einen ein 88jähriger umfahren. Oder wie heute morgen ein LKW einen Radler auf der Hofjägerallee. Carpe diem.

  9. Barbara Markert sagte am

    Lieber länger Sparen und sich was Vernünftiges kaufen, das ist genau das, was wir seit Jahren bei Modepilot (http://www.modepilot.de/) postulieren. Kauft weniger Kopien, kauft das Original. Je älter man wird, desto mehr empfindet man überfüllte Kleiderschränke als Last, desto mehr freut man sich, dass ein Teil von vor zehn Jahren wieder „in“ ist, und desto mehr schätzt man Kleider, die vielleicht teuerer waren, aber eben besonders sind. Bravo Jessie für den Artikel und willkommen im Club.

  10. Liebe Jessie, vielen Dank für Deine Offenheit, ich kann mich Claudia nur anschließen. – Meine Lieblingsrubrik bei Euch sind übrigens die Trendjournale, weil mich gerade die künstlerische Seite von Mode interessiert. Die Outfitposts kann man nur so schön einfach und kontrovers diskutieren.

    Ich bin total gegen Wegwerfmode (aus ökologischen und sozialen Gründen), wie Du bestimmt weißt. Ich find’s toll, wenn Du Sachen anhast, die einen ehrlichen Designprozess durchlaufen haben, originell und von guter Qualität und deshalb eben teuer sind. Macht weiter so!

  11. Ich arbeite als Stylistin und klar, auch ich denke oft Alles muss neu in meinem eigenem Kleiderschrank. Gerade wenn man sich intensiv mit Mode beschäftigt, aber das ist letztlich völliger Schwachsinn! Man hat nicht automatisch einen guten Stil, weil man sich jedes neue Trendteilchen leistet. Im Gegenteil: ich finde man zeigt viel eher, dass man Ahnung von Mode hat, wenn man es schafft mit einem Lieblingsteil 4-5 verschiedene Looks zu zaubern. Den Fehler sehe ich auch oft bei Kunden. Die haben dein für jedes Teil sich einen passenden Look überlegt, der durchaus auch funktioniert, und dann wird es auch nur in dieser Kombi getragen. Leider.
    Ich muss zugeben, ich lese lesmads nicht mehr so regelmäßig aber die neue Kategorie mit Lieblingsteilen mal anders kombiniert finde ich super und lässt mich auch wieder regelmäßig vorbeischauen.

  12. Ich mache mir diesbezüglich auch schon länger Gedanken und bin überzeugt, wenn mehr Blogs wie Journelles, This is Jane Wayne oder auch kleinere auf diese Thematik aufmerksam, dass sich etwas ändern wird. Sicherlich ist es toll, wenn man sich oft mit neuer Kleidung, Taschen oder Accessoires eine Freude machen kann, aber ich für meinen Teil muss auch zugeben, dass die Freude gar nicht mehr so groß ist, wenn viele Dinge zu schnell zu ermöglichen sind. Es macht mir viel mehr Freude, wenn ich auf eine etwas teurere Tasche spare. Dann weiß ich, was ich dafür getan habe. Außerdem habe ich mir lange Gedanken dazu gemacht, ob sie wirklich zu mir passt, ob ich sie benötige, wie sie hergestellt wurde und von welche Beschaffenheit die Qualität ist. Hoffentlich regen wir alle unsere Leser mit Artikeln zu dem Thema zum Nachdenken an, so dass eine Veränderung im Konsumverhalten einzelner entsteht.

  13. DANKE, für diesen authentischen und reflektierenden Bolg!

    Es ist doch auch ein Wahnsinn in welchem Turnus die Modefirmen
    Kollektionen auf den Markt werfen. Wenn man ehrlich ist, wer braucht
    das? Und es wird trotzdem gekauft.

    Wodurch
    wird diese Konsumlust angefeuert? Gehe ich von mir aus, falle ich
    leider zu oft auf Trends rein. Erst sieht man ein Teil bei einer Person,
    zu diesem
    Zeitpunkt findet man das Teil womöglich noch blöd, sobald man mehr
    Leute mit diesem Teil sieht steigt die Begehrlichkeit. Man möchte auch
    dazu gehören und sich mit dem Image den die Marke/der Style
    versprüht,identifizieren. Wenn man dann merkt, dass zu Viele das gleiche
    Teil gut finden bzw. Leute mit denen man sich dann doch nicht mehr so
    gerne identifizieren mag, dann will man das Teil nicht mehr. Ok, das ist
    das typische Trendphänomen, aber es funktioniert immer wieder.

    Früher hatte man wenig, weil man es auch nicht günstiger produzieren konnte
    und das sehr lange. Heute ist die durchschnittliche Haltbarkeit von
    Kleidern lang, wenn man ein Teil 5 Jahre trägt. Aber worauf kommt es an
    wenn weniger mehr ist? Ich denke vorallem auch auf die Qualität. Leider
    weiß man darüber zu wenig.

    In der Lebensmittelindustrie hat es geklappt, auch wenn dort noch viel
    zu tun ist, hat ein Umdenken und „Umhandeln“ der Menschen.
    stattgefunden.

    Die Intranparenz der Herstellung von Farbe, über Garn bis hin zur
    Produktion ist ohne Frage ein Hauptfaktor für die Unbekümmertkeit der
    Konsumenten. Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß….

    Ich bin davon überzeugt, wenn die Hersteller von sich aus die Transparenz
    forcieren, stellt das aufjedenfall ein Verkaufsargument dar. Es gibt ja
    schon einige, die sich auf regelmässige Kontrollen berufen, jedoch weiß
    fast jeder, dass das angekündigte Kontrollen sind. Es gibt aber auch
    andere die (wie ein schwäbischer Strickwarenhersteller) das gar nicht
    publik machen, dass ihre Strickmaschinenparks in Deutschland stehen, und
    nur das allernötigste aus China importiert wird und die Näherinnen
    wenigstens in Osteuropa beschäftigt werden, nicht in Asien.

    Bei Etiketten auf das Herstellerland zu schauen ist auch trügerisch. Steht
    auf einem Schal „Made in Italy“ wurden vielleicht noch die Pailetten in
    Italien aufgenäht, der Schal kommt aber aus China… Da gibt es wirklich
    viele Tricks (chinesische Fabriken in Neapel usw.) und das ist das
    Problem, dass diese Tricks ausgenutzt werden.Ich
    bin echt gespannt was sich in den nächsten Jahren ändert. Ob das
    Konsumniveau beständig steigt (Firmen ziehen weiter in billigere
    Produktionsländer) oder ob das Bewusstsein für Nachhaltigkeit bei
    Anbieter und Verbraucher steigt.

    • „Zeitpunkt findet man das Teil womöglich noch blöd, sobald man mehr
      Leute mit diesem Teil sieht steigt die Begehrlichkeit. Man möchte auch
      dazu gehören und sich mit dem Image den die Marke/der Style
      versprüht,identifizieren. Wenn man dann merkt, dass zu Viele das gleiche
      Teil gut finden bzw. Leute mit denen man sich dann doch nicht mehr so
      gerne identifizieren mag, dann will man das Teil nicht mehr. Ok, das ist
      das typische Trendphänomen, aber es funktioniert immer wieder.“

      Das Verhalten trifft auf die Mehrheit zu, aber Gott sei Dank, nicht auf alle.Ich für meinen Teil identifiziere mich nur mit mir selbst. 😉

  14. Richtig so! Wobei das Ende dieses Textes nicht unbedingt überraschend, aber trotzdem traurig ist: Wie überall bestimmt die Nachfrage das Angebot, eben auch bei den Modeblogs.

  15. Oh, Jessie,vielen Dank für diese offenen Worte. Ich führe auch so ein kleines Blögchen und halte nix von Hauls, schon allein bei dem Wort wird mir schlecht. Klar möchte man seinem Leser etwas Neues präsentieren. Nur wenn ich meine Outfitposts so durchgehe sind 80 Prozent der Sachen Vintage oder von voriger Saison. Man kann doch endlos kombinieren und trotzdem etwas Trendgemäßes anhaben. Ich finde es super, das Du klar sagst, das das zu Deinem Job gehört und der Leser quasi danach schreit. Aber jeder kann doch selbst entscheiden, was er danach kauft oder nicht. Und ich finde auf Flohmärkten und in Vintage und Oxfam-Stores kann man oft Ähnliches finden. Und das Beste daran: die Einzigartigkeit. Man wird mit Sicherheit keinen treffen, der dasgleiche Teil nochmal trägt. Also Primark muss nicht sein. Ganz Deiner Meinung!
    In diesem Sinne: blog on! Viele Grüße aus Deiner alten Heimat Köln, Koko

  16. Steffi Gtl sagte am

    Grundsätzlich finde ich diese Haltung großartig aber was mir bei der ganzen Diskussion häufig fehlt, ist ein Bewusstsein für die Tatsache, dass ein wachsender Bevölkerungsanteil diese Wahl nicht hat.

    Ich arbeite und lebe unter dem Hartz 4 – Satz am Existenzminimum (nicht repräsentativ, ich weiß). Blogs wie diesen lese teils aus allgemeinem Modeinteresse und teils aus visuellem Eskapismus. Ich benutze Outfit-Posts nicht als imaginäre Shoppingliste, sondern schätze ihre Ästhetik (deshalb empört mich auch ein reines Designermarken-Outfit nicht!). Doch immer dann, wenn alle paar Jubeljahre in einem Beitrag der Konsumexorzismus betrieben wird, fühle ich mich wie versetzt auf einen anderen Planeten. Was hier als billiger Ramsch verteufelt wird, ist für mich ein Luxusartikel, den ich mir nur an Weihnachten gönnen kann (z.B. Zara Trend). Auch in der Doku habe ich eine Berücksichtigung der Kaufkraft des durchschnittlichen Primark-Konsumenten vermisst.

  17. Aber hatten wir hier denn nicht gestern noch gelesen, dass es ganz egal ist, ob die Dinge von Marant oder H&M sind, weil sie sowieso immer aus den gleichen Sweatshops kommen…?

    Verantwortungsvoll und klug soll es sein hunderte oder tausende Euro auf ein Designerteil zu sparen und das Geld dann zu „investieren“ (was ein absolut dämlicher Ausdruck ist für shoppen, weil es eben überhaupt gar keine Investition sein kann. Lest bitte mal nach, was eine Investition ist). Und die Schlussfolgerung ist, dann geht es der Näherin in Bangladesh besser, weil man jetzt nicht mehr so viel kauft? Ich verstehe den Wunsch den eigenen Markenfetisch moralisch zu rechtfertigen, aber es funktioniert einfach nicht und das könnte auch mal jemandem auffallen.

    Die Preise von angesagten Designern sind deshalb so hoch, weil die Labels es sich durch geschickte Werbestrategien (auch auf diesem Blog) leisten können so viel zu fordern. Davon geht ganz sicher nichts an die Näherinnen und Färber… Was soll das ganze Gerede von „Sparen“ und „Investieren“ also?

    • ach, wenn ich ein echtes Coco Chanel-Vintage-LBD oder Tweetkostüm kaufe, könnte das schon eine Geldanlage sein;-).
      Ansonsten gebe ich Dir vollkommen recht.
      Und besonders in puncto Preisen bin ich absolut bei Dir. Oft sind ein paar Quadratzentimeter Leder teurer als das edelste Parkett:-)! Und der super angesagte Kenzo-Tiger hängt bei TK Maxx in Hammersmith. Kein Scherz, noch nicht Mals bei den „Goldlabels“.
      Irgendjemand hatte hier einen wirklich guten Satz von Karl Lagerfeld über Mode zitiert. Der traf es wirklich. Alles im Gründe komplett überflüssig. Aber macht trotzdem Spaß.

    • Bei diesem Satz, „Wer nicht mehr 4 Mal im Monat sein Geld bei COS auf den Kopf haut, kommt
      der Designertasche schon ein gewaltiges Stück näher. Und das
      funktioniert wirklich so, ich beobachte es regelmäßig in meinem
      Freundeskreis.“, möchte ich ebenso rückfragen welchen besonderen Wert nun hier dieses Luxuslabel hat? Zudem ist selbst COS für die meisten Menschen unerschwinglich (ein vierfacher Einkauf würde ungefähr einem monatlichen Hartz4-Satz entsprechen). Du bist eine junge erfolgreiche Unternehmerin, die einfach mehr Geld verdient als die meisten ihrer Leser, was auch ok ist. Aber manche Rechtfertigungen dafür, sollten entweder ganz und gar gelassen werden oder nicht an völligem Realitätsverlust ersticken. Ansonsten ein neuer Vorschlag: „Wer nicht mehr 4 Mal im Monat sein Geld bei COS auf den Kopf haut, kommt der Marx-Engels-Gesamtausgabe ein gewaltiges Stück näher“.

  18. Irina K sagte am

    Respekt dafür, dass du dieses heiße Eisen noch einmal anpackst. Das Interesse an solchen Diskussionen scheint groß, was darauf schließen lässt, dass es uns alle beschäftigt.
    Ich denke jedoch, dass du dich unterschätzt, wenn du glaubst, dass der Erfolg der Outfitposts den Teilen, die du trägst, zu schulden ist. Ich denke nicht einmal, dass es die Namen sind, die auf den Schildchen stehen, sondern das Gesamtpaket aus deiner (sympathischen) Person, der Präsentation sowie der persönlichen Zusammenstellung. Wenn du für deine Sendung in jeder Einstellung etwas anderes trägst, ist das eine Sache. Es ist eine Show mit Kostümen – für mich völlig nachvollziehbar. Für einen Blog, in dem es auch um dich als Privatperson geht, fände ich es allerdings umso sympathischer, öfter alte als neue Teile zu entdecken. Ich als gemeiner Leser will tatsächlich ständig Neues sehen. ‚Neu‘ definiert sich für mich allerdings nicht allein über die Jungfräulichkeit des aufgetragenen Mantels, sondern vielmehr über die Zusammenstellung und Inszenierung des Outfits, deine persönliche Stimmung an dem Tag, den Anlass, Ort, Wohlfühlfaktor, Wetter,…
    Ich persönlich finde immer nur „neu, neu, neu“ furchtbar und würde mir wünschen, dass teure Lieblingsschuhe länger als ein, zwei Winter halten. Von Nachhaltigkeit kann also gar nicht erst die Rede sein, wenn die Obsoleszenz schon mit eingeplant ist.
    Ich freue mich selbstverständlich genauso über ein neues Teil im Kleiderschrank, aber ich freue mich umso mehr, wenn ich etwas zu einem vernünftigen Preis erstanden habe, über das ich mich auch noch im nächsten Jahr freuen werde. Das ist dann wirklich etwas Besonderes. Daher kann ich mir nur wünschen, dass in Blogs wie deinem, der Akzent wieder mehr auf neue Ideen, anstatt nur auf neue Teile gelegt wird.

  19. Der Beitrag hat mir auch gut gefallen, danke dafür! Ich versuche seit einigen Monaten, weniger zu kaufen und halt eben auch Mal auf etwas zu sparen. Richtige Designerstücke kann und will ich mir nicht kaufen, mit zwei kleinen Kindern sind die bei mir nicht am richtigen Platz.
    Was ich jedoch wichtig finde: Kleider die nicht mehr getragen werden, sollten nicht im Abfall landen. Ich nähe meine Kleider entweder für mich um, mache daraus etwas für die Mädels (zum Verkleiden), bringe sie ins Brockenhaus oder in die Kleidersammlung. Das ist für mich ein wichtiger Bestandteil von Nachhaltigeit – nicht gleich alles wegwerfen, sondern in eine neue Form bringen.

  20. Würdest du denn zukünftig auf die nicht so langlebigen schwedischen Marken in deinen Outfits bei „It’s Fashion“ verzichten? Oder zumindest im besseren (manche nennen ihn „teuer“) Outfit verzichten? Oder noch besser: einen billigen und einen nachhaltigen Look stylen? Das wird einigen Konsumenten helfen, ihre Kaufentscheidungen noch besser zu reflektieren.

    • journelles sagte am

      It’s Fashion ist unabhängig von Journelles!

      Jedoch ist billig im wirklich billigen Sinne nie nachhaltig zu gestalten. Im „teuren“ Look jedoch könnte man da sicher in Zusammenarbeit mit der Stylistin etwas kreieren.

      • Die rechtliche (und inhaltlich-relative) Unabhängigkeit ist ja schon klar. Dass man den „teuren“ Look tatsächlich nachhaltig gestaltet finde ich sehr erstrebenswert. Eigentlich empfehle ich eher danach, ein günstiges und ein (nicht nur preislich sondern vor Allem auch ethisch/ moralisch) wertvolles Outfit zu kreieren.

  21. Friederike sagte am

    Meine liebste – nachhaltige – Shoppingpage: http://wegreen.de/#!/shopping

    „Wir möchten es jedem Menschen ermöglichen, einfach, klar und gut informiert nachhaltige Produkte im Internet
    zu kaufen. Denn unser alltäglicher Konsum hat einen negativen Einfluss auf die Natur und das Leben von Milliarden Menschen.
    Nachhaltiger Konsum bewirkt eine Verbesserung der Lebensumstände unzähliger Menschen und verringert negative
    Auswirkungen auf unsere natürliche Umwelt. Deswegen haben wir WeGreen entwickelt: um jedem die Möglichkeit zu geben,
    nachhaltige Produkte schnell und unkompliziert online einzukaufen.“

  22. Karin Fröhlich sagte am

    Liebe Jessie! Ich finde es soooo mutig von Dir, das auszusprechen. Es IST einfach widersprüchlich: wir wollen immer Neues auf der einen und „gut“ sein, also nachhaltig, fair, umweltschonend usw, auf der anderen Seite. Das ist ein klares Dilemma, das ich für mich als ehemalige Mode-Designerin mit Kleidertauschen gelöst habe. Dazu habe ich mit viel Glück und Unterstützung http://www.commonvintage.com gegründet, weil ich denke, dass wir insgesamt anders wirtschaften müssen. Weniger Konsum, mehr Miteinander. Die Umsätze der Unternehmen können zum Beispiel durch mehr Service (Instandsetzung defekter Dinge, Beratungsleistungen usw.) Dazu habe ich am Wochenende diesen spannenden Vortrag gehört: https://www.entrepreneurship.de/artikel/keynote-von-prof-niko-paech-entrepreneurship-summit-2013-in-berlin Es ist ja nicht nur in der Mode, sondern im Finanzsektor, im Bildungssystem, auf dem Arbeitsmarkt (Stichwort Jugendarbeitslosigkeit) und in vielen vielen anderen Bereichen so, dass sich endlich etwas tun muss…Und jeder Wandel in der Geschichte hat bisher immer damit begonnen, dass Menschen diese Dinge thematisieren und zur Diskussion stellen. Insofern bin ich absolut bei Dir und finde es klasse, dass Du Dich mit Journelles auch den unbequemen Themen widmest.
    Falls Du übrigens Lust hast, in Deine Outfitposts auch schöne Vintage-Teile mit einzubinden: ich helfe Dir gerne!

  23. Liebe Jessie, auch ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen und sagen: Danke für diesen Beitrag. Auch ich blogge seit inzwischen über 5 Jahren und habe mich irgendwann bewusst dagegen entschieden, Outfitposts in den Mittelpunkt meines Schreibens zu stellen, auch wenn das leider tatsächlich automatisch eine kleinere Leserzahl bedeuten mag.
    Mir behagt der Gedanke einer Inszenierung des Immer-Neuen einfach nicht und gegenüber den unten erwähnten Hauls kann ich nur den Kopf schütteln. Natürlich ist es schwer, abstinent zu bleiben, wenn man täglich im Bereich Mode agiert und mit neuen Kollektionen, etc. überflutet wird. Aber es lässt sich eindämmen – und das nicht nur, wenn man die finanziellen Mittel hat, um teure Luxusmarken zu kaufen, in diesem Punkt spreche ich aus eigener Erfahrung. Wichtig ist es, sich selbst darüber klar zu werden, dass ein prall gefüllter Kleiderschrank einen nicht zwangsläufiger glücklicher macht, sondern auf Dauer tatsächlich eher belasten kann. Spätestens, wenn das neue Teil tagelang über dem Stuhl in der Ecke hängt, weil kein Bügel mehr dafür übrig ist oder einem beim Öffnen der Schranktüren das Chaos förmlich entgegen quillt, müsste man doch schon ahnen, dass hier etwas nicht ganz rund läuft. Wir brauchen keine 20 weißen Blusen. Viel wichtiger ist es, die eine zu finden, die einen weit länger als eine Saison glücklich macht. In diesem Punkt möchte ich auch einem meiner Vorredner widersprechen: Denn so betrachtet, können Kleidungsstücke schon Investitionen sein. Vielleicht nicht rein wirtschaftlich betrachtet, aber doch immerhin emotional, indem wir uns über einen längeren Zeitraum an ihnen erfreuen.
    Außerdem sollte sich in meinen Augen jeder Blogger, der sich stark mit dem Bereich Mode beschäftigt, irgendwann einmal darüber Gedanken machen, was für ihn persönlich eigentlich Mode und guten Stil ausmachen. Denn nur, weil man geschickt darin ist, sich selbst in den neuesten Trends zu inszenieren, heißt das noch längst nicht, dass man Ahnung von der Materie hat oder über einen guten eigenen Stil verfügt.
    Deshalb behaltet bei Journelles bitte bloß die Karriere-Interviews, etc. bei. Ihr habt treue Leser, die sich über jeden dieser Beiträge freuen.

  24. Hallo Jessie,

    prinzipiell finde ich gut, dass du dieses Thema ansprichst. Aber solange du auf deinem Blog Werbung für C&A machst – wie gerade eben ganz groß rechts in der Sidebar- kann ich dich diesbezüglich einfach nicht ernst nehmen. C&A gehört zu den schlimmsten Ausbeutern, den es in der Textilbranche gibt. Oder ist es
    dir etwa entgangen, was vor einem Jahr in der Textilfabrik in Bangladesch passiert ist?

    Du bist eben doch käuflich.

    • journelles sagte am

      Hallo Sanela, ja, auch Blogs müssen Geld einspielen – alles, was du „aussen“ siehst und nicht im Content-Bereich, wird nicht über mich eingebucht, sondern Glam Media. Ich kann leider nicht jede Werbebannerbuchung überprüfen. Wenn sie jedoch gar nicht passt wie in diesem Fall, gebe ich das immer weiter.

  25. Immer und immer Neues zu kaufen, davon kommt sicherlich keiner ganz weg. Die Menge ist meiner Meinung nach das Problem. Zwei schöne neue Herbstpullis – warum nicht! Zehn neue Pullis pro Monat dagegen müssen doch echt nicht sein. Bewusster einkaufen ist also sicher eine gute Lösung. Wenn wirklich jeder (!) mal darüber nachdenken würde, was er kauft, wo und wie das ganze Zeug produziert wird und was eigentlich in den ganzen Sachen drinsteckt, die wir tagtäglich tragen, dann wären die Probleme sicherlich geringer. Und dabei wäre es wahrscheinlich egal, wo man kauft – wenn der Konsum eben einfach geringer wäre. Bei jedem von uns, ich packe mich da auch an der eigenen Nase, auch wenn man sein möglichstes versucht. Zum Thema Fasern in unserer Kleidung habe ich letztens übrigens einen ellenlangen Post geschrieben, falls es jemanden interessiert, was so in unser aller Kleidung denn genau drinsteckt: http://www.fashionvictress.com/2013/10/14/100-acryl-100-zum-kotzen/

    Ich fände es echt schade, zu sagen, dass auf einem Modeblog nicht über neue Produkte informiert werden darf, weil das ja zum Kaufen anregt. Ich will ja auch wissen, was es denn so neues gibt. Nur weil ich im Fernsehen Werbung sehe, kaufe ich doch nicht gleich alles? Ein bisschen Selbstbeherrschung sollte doch jeder noch haben 🙂

  26. Toll, dass du das hier schreibst Jessie! Wir hatten eben eine ähnliche Diskussion am Wiener Fashioncamp u. ich bemerke, dass sich immer mehr Modeblogger Gedanken über Balance u. Nachhaltigkeit machen! Wir sind doch in gewissen Maßen Vorbilder für unsere Leser u. es ist unerlässlich sich darüber Gedanken zu machen u. bewusster zu kaufen bzw. Kooperationen auszuwählen. Ich versuche ständig eine Balance zu halten, lehne auch viele Zusendungen ab weil sie einfach nicht auf den Blog passen. Ja zu sagen, nur weil es eben gratis ist: NOPE!! Wir sind ja für uns und die Umwelt verantwortlich u. auch wenn Outfitposts super beliebt sind, finde ich es vorbildhafter zu zeigen, wie man seine Klamotten vielseitig kombinieren kann ohne ständig neues zu kaufen.

    Meine Gedanken zur Wardrobe-Balance gibts hier: http://viennawedekind.blogspot.co.at/2013/10/wardrobe-balance.html

    Alles Liebe!

  27. „Die (traurige) Wahrheit ist: Outfit-Posts sind mit Abstand die beliebtesten. Dann kommen private Beiträge wie 7 little things und erst dann kommen die aufwändigenKarriere-Interviews, Gespräche mit Experten, die ausführlichen Trendjournale.“

    Aber, liebe Jessie, das Schöne an Blogs ist (war?) doch, dass die Autoren sich nicht an redaktionelle Vorgaben halten müssen, sondern darüber schreiben können, was sie selbst interessiert und bewegt.

    Mit deiner Aussage gibst du quasi zu, nur auf das Geld zu schielen und dich nach den Forderungen der Masse zu richten – so wie es auch Mainstream-Publikationen tun. Damit hat das Prinzip Blog hier an Besonderheit verloren. Ist das die logische Konsequenz der Kommerzialisierung von Blogs?

    Ich lese dein Blog sehr gern, aber diese Aussage ist extrem unglücklich gewählt und widerspricht alldem, wofür Blogs mal standen.

    • journelles sagte am

      Nein, die Aussage ist mit Absicht so gewählt und ehrlich. Ich liebe mein Blog und wähle alle Themen meinem Gusto entsprechend aus. Das merkt man Journelles auch an – genau wie viel Herzblut! Trotzdem würde ich vermutlich nicht so viele JOURlooks machen, wenn ich nicht wüsste, dass sie gut ankommen (plus schneller Content!) Die Aussage war übrigens, dass dieser leichte Inhalt deutlich mehr gelesen wird als ausführlich recherchierte Themen, die es hier dennoch gibt.

      Trotzdem ist dies mein Job und ich verdiene meine Brötchen damit. Solange ich dafür keinem Werbekunden in den Hintern kriechen muss, ist das doch toll, oder?

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