Auf der Suche nach der perfekten Knitwear – Das große Material Special

Wie in jeder Jahreszeit hat der Winter seine Basics, die Tag für Tag mit uns der Kälte trotzen müssen: Stiefel, Mantel, Schal, Mütze – und Pullover. Anders als Stiefel, Mantel und Co. muss dieser aufgrund seiner Körpernähe öfters gewaschen werden, daher ist die Wahl des Materials wichtig.

Hier spaltet sich die Pullover-Fraktion in zwei Lager: die einen kaufen bei High Street Marken günstige Modelle, tragen und waschen diese in kurzem Zeitraum relativ häufig und am Ende der Saison landen die guten Kunstfaser-Teile dann gerne mal in der Flohmarkt-Tüte. Die anderen investieren in hochpreisige Exemplare, achten extrem auf die richtige Pflege und haben an den Pieces jahrelang ihre Freude. Gibt es zwischen diesen zwei Parteien keinen Mittelweg? Und sind Kunstfasern wirklich immer schlecht?

Wir haben den großen Pullover Guide für euch und klären über Kunstfaster-Vorurteile auf? Welcher Pullover ist DER ideale Begleiter für den Winter, wärmt und ist pflegeleicht?

Naturfaser Baumwolle:

Vorteile:

  • gute Wärmeisolation bei voluminösen Konstrukten
  • Hautfreundlichkeit / geringes Allergiepotenzial
  • lassen sich gut reinigen und von Schmutz befreien

Nachteil:

  • geringe Wärmeisolation bei feinen und glatten Konstruktionen
  • trocknet nur sehr langsam
  • sehr hoher Wasserverbrauch für die Produktion

Fazit: Baumwollanteil ist immer gut, ein sehr hohes Wärmeverhalten weisen allerdings nur grob gestrickte Pullover auf

Naturfaser (Schur-)Wolle:

Vorteile:

  • isoliert Wärme extrem gut
  • Feuchtigkeit wird gut aufgenommen, Wassertropfen perlen ab
  • feine Wollarten wie Kaschmir, Merino, Mohair und Angora sind besonders weich und hautfreundlich
  • knittern wenig
  • Gerüche können einfach durch Lüften entfernt werden

Nachteile:

  • grobe Wollsorten wie z.B. Alpaka, Ross- oder Ziegenhaar können kratzen
  • Wolle ist beschränkt waschbar (oft Handwäsche oder chemische Reinigung)
  • trocknet sehr langsam und müssen zum Trocknen gelegt werden, damit sich das Material nicht verzieht
  • Gefahr des Verfilzens
  • hoher Preis
  • fragwürdige Haltungsbedindungen (trotz Schurwolle) für Angora-Kaninchen und Co.

Fazit: Pullover mit Wollanteil sind haben eine sehr gute Wärmeisolation, sind aber pflegebedürftiger als Kunstfasern

 Chemiefasern Viskose, Modal, Cupro, Lyocell:

Vorteile:

  • schöner Fall, Material wirkt oft glänzend
  • sehr saugfähig, atmungsaktiv
  • fein, weich und hautfreundlich
  • pflegeleicht in der Wäsche und Trocknung
  • künstlich hergestellte Fasern aus dem Naturstoff Cellulose, daher umweltfreundlich –> Energie- und Wasserverbrauch bei Herstellung und Verarbeitung ist wesentlich geringer als bei Baumwolle

Nachteile:

  • geringe Elastizität, daher knitteranfällig

Fazit: keine besonders hohe Wärmeisolation, daher werden diese Materialien nicht häufig bei Strickware eingesetzt, eine Beimischung sorgt allerdings für ein besonders angenehmes Tragegefühl auf der Haut

Chemiefasern Polyamid, Polyester, Polyacryl:

Vorteile:

  • nehmen sehr gut Feuchtigkeit auf
  • gute Festigkeit, belastbar
  • Elastizität, formstabil
  • knittern kaum
  • pflegeleicht –> waschbar in der Maschine, trocknen schnell, bügelfrei
  • Polyacryl hat einen wollähnlichen Charakter –> warmhaltend
  • leichte Fasern, kein großes Gewicht

Nachteile:

  • ökologisch nicht abbaubar
  • hitzeempfindlich (nicht heiß waschen und im Wäschetrockner trocknen)
  • oft kein zureichender Temperaturausgleich, d.h. man schwitzt schneller

Fazit: Eine Beimischung von Materialien wie Polyacryl in Maschenware macht das Produkt pflegeleichter und lässt Wolle schwerer verfilzen

Naturfaser Seide:

Vorteile:

  • glattes und kühlendes Gewebe
  • Feuchtigkeit wird gut aufgenommen
  • sehr hautfreundlich
  • weicher, schöner Fall
  • geringes Knittern

Nachteile:

  • sehr anfällig für Flecken: Schweiß, Deos, Parfum und Wasser hinterlassen leicht Fleckenränder
  • beschränkt waschbar (Feinwaschmittel), chemische Reinigung zu empfehlen

Fazit: Seide wird aufgrund seiner kühlenden Eigenschaft bei Strickware nicht eingesetzt

Naturfaser Leinen:

Vorteile:

  • Leinen ist sehr saugfähig und daher atmungsaktiv
  • wirkt im Sommer aufgrund der glatten Faser kühlend
  • trocknet schnell

Nachteile:

  • nicht so hautfreundlich und weich wie Baumwolle
  • die Wärmeisolation ist sehr gering
  • knittert stark, muss gebügelt werden

Fazit: Im Pullover wird Leinen wegen seiner kühlenden Funktion in der Regel nicht verwendet

Der ideale Pullover:

Der perfekte Pullover besteht also im Idealfall aus einem Materialmix. Naturfasern wie Wolle sorgen für die Wärme, die wir im Winter brauchen, Kunstfasern machen den Pullover vom Gewicht leichter und einfacher zu pflegen und waschen. Im besten Fall ist der prozentuale Anteil der Naturfasern höher, da diese Feuchtigkeit besser transportieren, also unempfindlicher gegenüber Schweiß und Gerüchen sind.

Kommentare

  1. manuela sagte am

    Toller Bericht! Ich bin ein Strickjunkie und stricke viele Teile auch selbst, daher achte ich beim Kauf sehr auf die Qualität. Ganz wichtig: Strickstücke nie auswringen. Und oftmals ist das Wollwaschprogramm einer guten Waschmaschine mit Feinwaschmittel wesentlich schonender als die Handwäsche. Ich wasche wirklich alles in der Maschine und hatte noch nie einen Unfall.

    • Paulina sagte am

      jaa, das ist echt das allerbeste. Wollwaschprogramm und dann flach trocknen. Ich wasche alle Cashmere Pullis damit und das klappt wunderbar.

  2. Hey,
    Danke für den Beitrag! Ich wollte ergänzen, dass Seide als Naturfaser schon bei Strickwaren eingestzt wird.
    Ich finde diese Qualitäten sogar besonders schön! Z.B als Kaschmir/Seide oder Merino Wolle/Seide Gemische.
    …mhhhhmmm…
    Schönen Tag

  3. katrin sagte am

    Wieso stehen Viskose, Lyocell und Co bei Dir unter der Überschrift Chemiefasern, wenn sie doch aus Zellulose hergestellt werden? Vielleicht nennt man sie lieber industriell hergestellte Fasern zur besseren Abgrenzung?

    • Die Einteilung erfolgt nach synthethischen Chemiefasern und zellulosischen Chemiefasern, da bei beiden Produktionen trotzdem chemische Mittel zum Einsatz kommen. Ich habe mir das nicht ausgedacht, das sind feststehende Begriffe in der Textiltechnologie.

  4. Plus: bei Wolle auf ein Waschmittel achten dem Lanolin zugesetzt ist, das fettet die Wollfasern natürlich beim Waschen nach und pflegt die teuren Schätze so bei jeder Wäsche. Ich wasche auch alles im Miele Wollwaschprogramm und schone damit die Teile mehr als wenn ich sie mit der Hand im Becken kneten würde.

  5. Ich kann dem Beitrag absolut keinen Informationswert abgewinnen! Der Artikel war unter Kerstins Outfitpost der letzten Woche groß angekündigt worden, um zu erklären, warum der mehrere 100Euro teure IM-Pulli aus einer Kunstfaserkombi doch sein Geld wert sei. Ich war tatsächlich gespannt und hatte auf einen gut recherchierten Artikel mit Hintergrundinfos zur Herstellung, Veredelung, Mischung und Verarbeitung von versch. Materialien gehofft. Zum Beispiel frage ich mich seit Jahren, ob Stella McC, die bekanntlich nur vegane Mode macht, besondere Produktionsprozesse entwickelt hat, um Kunstfasern zu veredeln oder ob sie einfach nur Kunstfaser für viel Geld verkauft?
    Leider ist der Beitrag nur eine Aufzählung an Informationen zu den Materialien, den Pros und Contras und Pflegehinweisen hat, was man doch als halbwegs gebildeter Mensch intus oder sich in 3min zusammengegoogelt hat.
    Verstehe nicht, was Ihr Euch bei solchen Artikeln denkt? Hauptsache Content?

    • Danke, sehe ich auch so. Der Informationsgehalt dieses Artikels ist abgesehen von der Aufzählung gleich Null. Warum ich also für Polyester u.a. mehrere 100 Euro ausgeben sollte bleibt unklar. Evtl. doch nur weil da ein besonderer Name drauf steht, hat dann aber nichts mit besserer Qualität zu tun.

    • Stella McC verkauft teures Plastik. Und by the way natürlich auch Wolle, Mohair und auch Angora. Aber die rasierten Kaninchen werden nach der Rasur bestimmt wieder ganz nackt und lieb in ihre Biokäfige gesteckt………..
      Der ebenfalls angebliche vegane oder zumindest vegetarische Vater verließ mal empört einen Interviewraum, weil dort ein Ledersofa stand. Das könne er nicht ertragen. Gerüchten zufolge sollen die Polster seiner Luxusautos dennoch aus tierischen Materialien bestehen….;-).

      Zum Infogehalt des Artikels: dünn gestrickt. Und wenn man sich die Qualität vieler IM Klamotten anschaut, spreche ich gerade dieser Dame immer wieder allergrößten Respekt und Bewunderung für ihre Leistung aus, dass ihre Junkies einfach in alles mit ihrem Namen auf dem Etikett schlüpfen.

      • @Sabina: Ich vermute dasselbe, nur wissen tu ich es nicht 🙂
        Daher hätte mich die angekündigte Herleitung dieses Fazits oder auch die Darstellung des Gegenteils interessiert. Aber war ja leider nix.

  6. Kerstin sagte am

    Mir fehlt hier leider auch etwas Hintergrundinfos. Das sind die Basics. Warum macht ihr nicht mal ein Interview mit jemanden der in der Textiltechnologie arbeitet?
    Ich will hier jetzt auf keinen Fall „oberlehrerhaft“ wirken, aber wenn ihr schon recherchiert, dann bitte richtig!
    Viskose/ Modal / Tencel heißt in der Fachsprache: Kunstfaser aus natürlichen Polymeren, sprich Holz. Die Firma Lenzing aus Oberösterreich ist hier federführend – sie haben eine super informative Homepage.
    Eine Woll-Polyester Mischung immer ganz gut, damit sich die Wolle nicht ausleiert – die Kunstfaser dient hier zum Zusammenhalt des Bekleidungsstückes.
    Auch gibt es zwischen Kunstfaser und Kunstfaser totale Qualitätsunterschiede. Man kann mittlerweile Polyester auch sehr hochwertig herstellen, das kostet halt dann etwas mehr.

    xx Kerstin

    • Danke, Kerstin. Das sind genau die Gedankengänge und Fragestellungen, die ich gehofft hatte, dass sie im Artikel beleuchtet und ausgeführt werden.
      Magst Du den Artikel vielleicht verfassen und an Journelles verkaufen? Ich wäre dafür 🙂

        • Das fänd ich auch toll! Hatte mich auch so auf den Artikel gefreut und bin etwas enttäuscht!
          Generell wären Infos über verschiedene Materialien und z. B deren Pflege ganz schön. Hier werden so viele tolle hochpreisige Produkte vorgestellt, aber der Umgang damit fehlt leider auf allen Blogs. Die Pflege meiner verschiedenen Designertaschen musste ich mir mühsam im Netz zusammensuchen.
          Wäre echt schön, wenn solche Themen auch Platz auf Modeblogs finden.

  7. Zu dem Abschnitt „Chemiefasern Viskose, Modal, Cupro, Lyocell“ möchte ich gerne ergänzen, dass diese, nur weil sie holzbasierte Fasern sind, keineswegs automatisch umweltfreundlich sind. Das Holz kann nämlich aus nicht nachhaltiger Forstwirtschaft stammen, sprich abgeholzte Urwäder. (s. http://www.canopystyle.org/forests/). Und bei der Herstellung der Fasern muss sehr viel Chemie eingesetzt werden, die in den Viskose-Fabriken in Asien oftmals die umliegende Natur und Gemeinden verpesten (s. https://changingmarkets.org/portfolio/dirty-fashion/). Es gibt umweltfreundlichere holzbasierte Fasern wie Tencel des österr. Herstellers Lenzing, bei dem kontrollierte Holzquellen genutzt und ein Großteil der Chemikalien zurückgewonnen und wiederbenutzt werden. Tencel wird oft auch von nachhaltigen Labels benutzt und kann meines Wissens mit gutem Gewissen gekauft werden. Aber holzbasierte Chemiefasern sind grundsätzlich nicht nachhaltig.

  8. Carolin sagte am

    „[,,,]die einen kaufen bei High Street Marken günstige Modelle, tragen und waschen diese in kurzem Zeitraum relativ häufig und am Ende der Saison landen die guten Kunstfaser-Teile dann gerne mal in der Flohmarkt-Tüte. Die anderen investieren in hochpreisige Exemplare, achten extrem auf die richtige Pflege und haben an den Pieces jahrelang ihre Freude.“ Man kann ein günstiges Kleidungsstück genauso gut behandeln, pflegen und wertschätzen wie eines, bei dem ein teurer Name im Etikett steht. Dieses „Investitionsanpreisen“ von völlig überteuerten Kleidungsstücken finde ich nicht nur extrem nervig, sondern auch völlig realitätsfern.

    • Und ist uU auch schwachsinnig. 24,90 Merino-Pullover von uniqlo aus Versehen mit 60C gewaschen – 30 vertragen die auch mit Powerschleudern- aber durch Zufall noch vor dem Trockner gerettet: der sieht aus wie vorher.

    • Richtig. Eine Freundin meinte mal zu mir: „Aber auf die teuren Sachen passt man viel besser auf, und ein teures Teil gibt man eher zum flicken als ein günstiges.“ Schwachsinn. Ich flicke alles. Auch Socken die schon ein paar Jahre alt sind. Ich trage sogar kaputte Strumpfhosen, wenn sie nur Warmhalten sollen und die Laufmasche kein Mensch sieht. Und das hat alles nicht viel Geld gekostet.

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