Hommage à Coco Chanel im Auktionshaus Lempertz – Wenn Mode wirklich zur Wertanlage wird

Einer meiner All-Time-Favorite-Artikel auf Journelles ist Jessies Besuch im Apartment von Coco Chanel in Paris. Da sieht man: Die Frau hat nicht nur einen exzellenten Geschmack in Sachen Mode, sondern ein gutes Händchen für Interieur. Man bekommt sofort Lust auf ein milchkaffeefarbenes Sofa, asiatische Paravents und Löwenkopf-Deko in der Bude!

Für echte Chanel-Fans kündigt sich nun diese Woche ein absolutes Highlight an: Am 9. Februar 2017 versteigert das Auktionshaus Lempertz in Köln die bedeutende Chanel-Sammlung eines Privatsammlers, inklusive Original-Möbel von Coco Chanel, Schmuck, Parfums und Vintage-Herrenmode. Darüberhinaus erhältlich sind seltene Stücke von Hermès, Dior und Pucci.

Dr. Ingrid Gilgenmann, Kunstexpertin und Head of Department Decorative Arts bei Lempertz, beantwortet uns vorab die wichtigsten Fragen: Was sind die Highlights der „Hommage à Coco Chanel“-Auktion? Und lohnt sich das Sammeln von Mode wirklich?

Liebe Frau Dr. Ingrid Gilgenmann, normalerweise kommen bei Ihren Auktionen eher seltene Kunstgegenstände unter den Hammer: Warum ist ein Vintage-Haute-Couture-Fashion-Sale für ein Auktionshaus wie Lempertz interessant?

Auf Anfragen der Deutschen AIDS-Stiftung hat Lempertz im November 2002 die erste Vintage-Mode-Auktion veranstaltet. Es war eine Benefizauktion, für welche die Damen der Kölner Gesellschaft ihre schönsten abgelegten Kleidungsstücke der vergangenen Jahrzehnte geopfert haben. Und sie wurde ein so großer Erfolg, dass wir das nicht vergessen haben und immer wiederholen wollten. Erst 2014 ergab sich die Gelegenheit, für eine solche Veranstaltung, auch wieder zugunsten der Deutschen AIDS-Stiftung in das Kölner Haus einzuladen. Die Basis dieser Auktion war eine große Sammlung ausgefallener Haute-Couture-Kleider der 1950er- bis 1990er-Jahre. Die Objekte haben schon einen beachtlichen internationalen Markt. Es beteiligten sich zahlreiche private Sammler, Couturiers, Händler und Museen.

Die Grundlage für die Auktion am 9. Februar ist wieder eine ausgefallene Sammlung, jedoch mit einem völlig anderen Schwerpunkt. Denn diesmal steht der von Robert Goossens für Coco Chanel gefertigte Schmuck im Mittelpunkt. Dieser ist für viele internationale Bieter äußerst interessant, soll aber unser Publikum nicht abschrecken. Denn nur, wer wagt, kann auch gewinnen. Und über nichts ärgert man sich länger, als über verpasste Chancen.

Manschettenarmreif "Byzance" von Robert Goossens für Les Paruriers, 1960er Jahre (Foto: PR)
Vier Chanel-Blumenbroschen, 1986, 1994 und 2002 (Foto: PR)

Wer war der Sammler, der diese Schätze zusammen getragen hat?

Es handelt sich um eine große private Sammlung, die bisher unbekannt und nicht publiziert war. Der Sammler war der Lebensgefährte des im Januar 2017 verstorbenen Juweliers von Coco Chanel, Robert Goossens. Er selbst war Verehrer von Coco Chanel, hat schon als Teenager angefangen, Objekte zu sammeln, die mit ihr in Verbindung standen. Seine Wohnung war fast genauso eingerichtet wie das Apartment von Coco Chanel in der Rue Cambon in Paris.

Welche Voraussetzungen müssen für das Stattfinden einer solchen Mode-Auktion erfüllt werden?

Die Voraussetzung für eine solche Veranstaltung ist u.a. ein sinnvoller und attraktiver Sammlungszusammenhang. Alle Bieter erkennen die Arbeit des Sammlers. Sie wissen aus eigener Erfahrung, wie schwierig es ist, solche Objekte zusammenzutragen. Und in einer gewissen Weise würdigt das die Auktion, die Bieterbeteiligung. Und wir hoffen auch, dass unsere kleinen Katalogbroschüren zu Objekten werden, die man nicht so schnell wegwirft.

Was sind die Highlights dieser Auktion?

Preislich ragen folgende Lots heraus: Lot 7, das originale Sofa von Coco Chanel aus ihrem Schweizer Apartment, das sie an Robert Goossens verschenkt hat (Schätzpreis € 6.000 – 8.000), Lot 45, der tolle Manschettenarmreif „Byzance“ von Robert Goossens (Schätzpreis € 1.500 – 2.000) und Lot 127, eine Kelly Bag von Hermès 1976 aus Krokodilleder (Schätzpreis € 10.000 – 12.000).

Was die geheimen Highlights sein werden, also die Objekte, die in der Auktion sehr hoch gesteigert werden, ahnen wir zwar schon, möchten es aber vorher nicht so gerne verraten. Ein bisschen Spannung muss sein.

Wie schätzt man die Preise für solche Gegenstände?

Die Ermittlung von Schätzungen für Kunstobjekte ist unser Beruf. Diese Frage ist nicht einfach zu beantworten. Wir bedienen ja einen Sekundärmarkt, d.h. wir produzieren und bieten nicht selber an, sondern wir verkaufen „gebrauchte“ Objekte oder Kunst, die vorher über einen Galeristen vertrieben wurde oder sogar bei Künstler erworben wurde. Unser Ziel ist es, so gut zu schätzen, dass der Einlieferer zufrieden ist und der Käufer verlockt wird, zu bieten. Für eine gute Stimmung in einer Auktion spielen viele Faktoren eine große Rolle, aber sicher auch ein attraktiver Ansatz.

Die Verkaufspreise liegen dann meistens aber doch um ein vielfaches höher. Wie kommt das?

Das liegt in der Natur der Sache. Was wir hier machen, sind Versteigerungen. Darin enthalten ist das Wort „steigern“. Dafür sind die Bieter zuständig, und das soll so sein. Auch der Einlieferer wünscht sich das. Eine öffentlich rechtliche Auktion sollte von unten nach oben erfolgen, was den Preis angeht.

Chinesischer Paravent (Foto: PR)

Inwieweit kann man solche modischen Artikel als Wertanlage begreifen?

Ob diese Objekte wirklich Investmentpotential haben, kann ich nicht prognostizieren. Bei Taschen von Hermès, besonders beim Sac Kelly, ist es ja auch so, dass viele beim Erwerb schon noch teurer waren als die höchsten Ergebnisse in den Auktionen. Aber immerhin bekommt man als Verkäuferin doch einen sehr guten Preis für die Stücke, obwohl sie lange getragen wurden. Das können viele Männer von ihren Autos nicht sagen.

Was glauben Sie: Werden die Käufer die Sachen tragen und verwenden – oder die nächsten Jahre hinter verschlossenen Türen aufbewahren um eine weitere Wertsteigerung abzuwarten? Was würden Sie dem neuen Besitzer empfehlen?

Beides ist möglich. Die textilen Materialien sind sehr sensibel. D.h. sie leiden stärker unter Alterung, Lagerung und Gebrauch. Wenn man Mode lagern möchte, sollte man in jedem Fall mit einem Restaurator sprechen, was zu tun wäre, um den Wert der Stücke zu erhalten.

Da ich mich als eine modebewusste Frau sehe, würde ich natürlich immer zu Gebrauch raten. Das Motto „Carpe Diem“ passt auch hier: Ziehen Sie die Kleider, den Schmuck an, wann Sie können und Lust haben, das zu tragen. Machen Sie sich schön. Nur wer sich gut fühlt, kann Stärke und Lebensfreude ausstrahlen. Kleider und Accessoires helfen enorm dabei.

Unter den Objekten sind auch 25 Lots Chanel Herren-Vintagemode: Wann gab es eine Herren-Linie von Chanel und wie prüft man die Originalität solcher Stücke?

Karl Lagerfeld hat diese Herrenmodelinie für Chanel in den 1990er-Jahren entworfen. Damals entstand gerade der Markt für ausgefallene Herrendesignermode. Karl Lagerfeld könnte da bestimmt sehr viel bessere Auskunft geben als ich… Er hat damals einen Trend geprägt: Sehr ausgefallene, aber tragbare Mode von großer Raffinesse und mit aufwändigen Schnittdetails. Jedes Jackett hatte beispielsweise eigene Knöpfe. Toll!

Caban von Chanel, Herbst 2007 (Foto: PR)

Ein weiteres Highlight ist die von Ihnen bereits erwähnte seltene und noch original verpackte Kelly Bag von Hermès aus schwarzem Krokodilleder. Wie kommt man an solche Teile ran und ist auch diese Tasche dazu getragen zu werden – oder sollte man so etwas gar nie anrühren?

Der Sac Kelly oder wie die Tasche nach Grace Kelly amerikanisiert heißt: „Kelly Bag“ ist natürlich immer schon ein Accessoire der mondänen Welt gewesen. Bei solchen Objekten entsteht der Verkauf selten aus einer finanziellen Notsituation. Der Besitzerwechsel hat oft traurige Anlässe, aber auch, weil es Damen gibt, die sich durch die tollen Verkaufspreise verlockt sehen, ihre Tasche abzugeben. Die hier angebotene Krokohandtasche scheint nie getragen worden zu sein. Vielleicht war sie ein ungeliebtes Geschenk?

Wenn Sie mitbieten könnten: Was wäre Ihr persönliches Must-have?

Das ist eine gemeine Frage. Da ich aber nicht selber mitbieten darf, kann ich sie ja offen beantworten: Ich finde den großen zweifarbigen Kettengürtel von Chanel (Lot 86) total sexy. Passt allerdings nur einer schmalen Frau! Aber ein Objekt fürs Leben: Es gibt immer ein Kleid, zu welchem er passt.

Paar Logo-Manschettenketten von Chanel, Herbst 1993 (Foto: PR)
Zweifarbiger Kettengürtel von Chanel, Frühjahr 1993 (Foto: PR)

Die Auktion findet am 9.2. 2017 um 18 Uhr im Auktionshaus Lempertz in Köln statt. Alle Infos findet ihr hier. Den Katalog mit allen Artikeln könnt ihr hier durchstöbern.

(Fotos: PR)

Kommentare

  1. Sophia sagte am

    Liebe Alexa, es ist wirklich ein Alleinstellungsmerkmal eures Blogs, dass ihr auch immer wieder interessante Themen abseits des Mainstreams findet und diese spannend aufbereitet. Das macht das Lesen von Journelles so einzigartig und immer wieder erfrischend! Danke! Und danke für den Einblick!

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