Fall Special 2016: Buyers Interview mit Daniel Marker, Einkäufer beim KaDeWe

Nachdem wir euch ja schon unsere persönlichen Favoriten vorgestellt haben, wird es jetzt mal wieder Zeit, sich professionelle Meinungen zum Thema „Die perfekte Herbstgarderobe“ einzuholen. Deswegen begann letzte Woche unsere Interview-Serie mit Einkäufern, die uns verraten, was wir im Herbst auf jeden Fall kaufen sollten, welche Trends eine große Rolle spielen und worauf manche Kunden schon das ganze Jahr warten. Den Anfang machte Sara vom Mili-Store,  jetzt holen wir uns zur Abwechslung mal männlichen Rat ein:

Weiter geht es mit unserer Experten-Interviewserie mit Daniel Marker, Einkäufer im KaDeWe für Womenswear.


Lieber Daniel, welche Teile hast du dir für die neue Saison schon gekauft? 

Die neuen „Rockstud Untitled“-Sneakers von Valentino, einen dicken Strickpullover von Acne in Grau und Oliv, eine Wolljogginghose von Ami und eine Satinbomberjacke.

 

Welche Teile sind deiner Meinung nach die fünf Key-Pieces für den Herbst 2016?

  • Der Mantel ist das wichtigste Key-Piece überhaupt, die Vielfalt ist momentan größer denn je. Meine Favoriten sind wadenlange bis knöchellange Modelle mit maskulinen Elementen. Am besten kombiniert man dazu feminine Kleider, siehe Valentino, Burberry oder Dries van Noten.
  • Der Faltenrock ist so cool wie noch nie. Es gibt ihn diese Saison in knalligen Farben, gemustert oder in Metallic. Mein Favorit ist der pinke Lurexrock von Gucci.

 

  • Ein weiteres Key-Piece sind die neuen Hosenformen: Überlang und extra weit. Am liebsten aus Samt von Céline.

 

  • Weiter geht’s mit Cashmere Rollkragen-Pullovern. Ohne die geht diesen Herbst nichts. Umso größer, desto besser und am liebsten in Naturtönen.

 

  • Mein letztes Key-Pieces ist die Bomberjacke. Und zwar möglichst auffällig. Egal ob mit Allover-Bestickung oder floralem Print. Tolles Investment: Die Souvenir-Jacken von Valentino.

 

Nach welchen Herbstteilen haben eure Kunden schon im Sommer gefragt?

Speziell nach Retro-Bohemian Trendteilen, am besten im Seventies Look. Midi – oder Maxikleider, psychedelische Prints, Fransen, Patchwork, weite Schlaghosen und Samt.


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Angenommen ich habe nur ein kleines Budget. In welches Teil sollte ich diese Saison investieren?

Definitiv in einen Statement-Mantel. Das ist der perfekte Partner für die kalte Jahreszeit. Nur Mut zu Farben, Streifen und Mustern. Sehr cool: die Cape-inspirierten Modelle von Chloé.

 

Und ohne welche Tasche verlässt du diesen Herbst nicht deine Wohnung?

Der gestreifte „Bazar“-Shopper von Balenciaga ist mein neuer ständiger Begleiter. Das ist Demna Gvasalias erste It-Bag für das Pariser Haus. Die ist unisex und da passt alles rein, also perfekt für den Alltag. Könnte vielleicht sogar ein Ersatz für meine geliebte Balenciaga „Arena Day Bag“ sein, der Launch von ihr ist mehr als zehn Jahre her, aber sie ist heute noch Kult. Ich habe sie damals in Paris gekauft und liebe sie immer noch.

 

Die ganze Modewelt ist verrückt nach Gucci. Welches Label wird DER neue Trendsetter?

Alessandro Michele hat bei Gucci jegliche Freiheiten und konnte deswegen so einen radikalen Bruch mit den Konventionen starten. Deshalb ist der Erfolg von Gucci momentan unvergleichbar. Nach Jahren der vorherrschenden Strenge und Minimalismus ist die Mode jetzt wieder vielfältiger und unberechenbarer geworden.
Als Gegenpart ist Vetements, dass sich ja selbst als DAS Anti-Label darstellt, letztlich genau deshalb Kult geworden.
Abseits dieser beiden Marken finde ich Dior unter Maria Grazia Chiuri und Calvin Klein unter Raf Simons spannend.

 

Welcher Trend war dein persönlicher Flop des Tages?

Der Allover-Pyjama-Look. Der gehört meiner Meinung nach nur unter die Bettdecke.

 

Bordeaux, Navyblau und Waldgrün kommen im Herbst ja immer wieder. Aber welche Farbe zieht jetzt in unseren Kleiderschrank, mit der du nie gerechnet hättest?

Gelb. Und zwar in allen Nuancen: sanft, leuchtend oder in Retro-Farbtönen wie Safran und Curry. Am besten kombiniert man die Farbe mit erdigen Tönen oder als Highlight bei Taschen und Accessoires. Spätestens nächstes Frühjahr kommt an Gelb eh keiner mehr vorbei.

 

Welche Art von Schuhen prägen den Look der Saison?

Klingt wie ein Radiosong: Das Beste aus den 70er-, 80er- und 90er-Jahren: Blockabsatz, Plateau, sehr viel Veloursleder und vor allem Samt und florale Muster. Aber auch Metallic, Lack und Nieten, derbe Boots und Sneakers sind definitiv ein Thema.

 

In wie weit lässt du dich bei deinem Job von Instagram und Streetstyle-Fotos beeinflussen?

Social Media ist natürlich eine unendliche Inspirationsquelle, der man sich nicht entziehen kann. Ich versuche aber nicht ständig auf mein Display zu schauen, sondern lasse mich viel mehr von echten Momenten und Begegnungen prägen. Wir sollten schließlich nicht verlernen, die Augen immer offen zu halten – nicht nur für das Virtuelle, sondern auch für das echte Leben. Das ist oft nämlich spannender.

 

Andersrum: Merkt ihr, dass sich durch Instagram das Kaufverhalten oder die Nachfrage eurer Kunden nach bestimmten Teilen verändert hat? 

Oh ja, Mode ist heute viel näher an der Realität, breiter zugänglich. Unsere Kunden sind viel informierter und kaufen gezielter ein. Hypes und It-Pieces kommen und gehen in rasanter Geschwindigkeit. Wenn wir heute etwas Neues sehen, dann wollen wir es natürlich sofort haben und nicht ein halbes Jahr darauf warten. Das stellt das Modesystem, was wir eigentlich hatten, natürlich in Frage. Ob sich „See now, buy now“ oder der entgegengesetzte Trend zur bewussten Entschleunigung in dieser virtuellen dominierten Welt der richtige Weg ist, wird sich in der Zukunft noch zeigen.

 

Und die letzte Frage: Was kannst du in der Mode nicht mehr sehen? 

Auf Nerz und Co. kann man mittlerweile wirklich verzichten, dass möchte ich nicht mehr sehen. Außerdem sind die neuen Fake Fur-Mäntel doch viel cooler und zeitgemäßer. Ach ja, und weniger Logos bitte!

Vielen Dank für das Interview, lieber Daniel!

(Fotos Header: PR, Runway-Bilder in der Collage via vogue.com)

Kommentare

  1. Claudia sagte am

    Hiermit möchte ich mich bei Daniel Marker für den letzten Kommrntar zum Thema Pelz bedanken. Das spricht mir aus der Seele. Schön zu sehen, dass auch Einkäufer dieser Meinung sind. Und nein, wir brauchen auch kein Pelz mehr an den Tretern von Gucci und Co.
    Toller Artikel:)

  2. Für ein kleines Budget ist ein 2.200 EUR Cape wohl „etwas“ überteuert, ansonsten ein sehr inspirierendes Interview 😉

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