„Es zählt nicht mehr der Berg, sondern der Mensch auf dem Berg“ – Norman Röhlig über das neue i-ref und die Zukunft digitaler Inhalte

Norman Röhlig startete vor sechs Jahren das Kultur-Blog i-ref.de, das sich jetzt nach einem Relaunch als Onlinemagazin mit einem meinungsstarken Autoren-Netzwerk präsentiert. Die Entwicklung der Seite spiegelt ziemlich genau auch die Karriere-Steps von Norman wider:

Vom Blogger und Journalisten hin zum Social Media Berater mit eigener Agentur namens RSA Media in Berlin, die Marken wie AXE Unilever, REVIEW oder den von Peek & Cloppenburg initiierten „Designer for Tomorrow“-Award in Sachen Online-Auftritt berät.

Vor ein paar Jahren war so ein Werdegang noch nicht möglich – es gab diese Art von Beruf nämlich noch gar nicht. Wie Norman tickt, was seine neue Seite taugt und wie man Internet in Zukunft erfolgreich sein kann – das verrät er uns im Interview!

Lieber Norman, für alle, die i-ref jetzt noch nicht kennen – was ist das für eine Seite und warum sollte man sie im Feedly speichern?

i-ref.de ist ein Online-Magazin, das sich an urbane Menschen richtet, die sich für Kunst genauso wie für besondere Reisen interessieren, sich gerne gut kleiden, aber auch wissen wollen, in welcher Bar sie den besten Drink der Stadt bekommen. Auf i-ref.de finden sie Geschichten, News und Geheimtipps zu all diesen Themen. Nicht von irgendwem, sondern von den wichtigsten Meinungsführern der digitalen Welt.

Was ist das Alleinstellungsmerkmal von i-ref?

Wir bringen zusammen, was zusammen gehört. In der digitalen Welt kocht oft jeder sein eigenes Süppchen und die einzelnen Gruppen bleiben unter sich. Doch das ist meiner Meinung nach der falsche Weg. Modeblogger zum Beispiel reisen wahnsinnig viel und kennen fast immer die Hot Spots vieler Städte. Reise-Addicts auf der anderen Seite wollen wissen, wo sie gut shoppen oder essen können oder welche Ausstellung gerade wirklich sehenswert ist. Für mich lag es auf der Hand, diese Dinge auf einer Plattform zu vereinen.

Seit Monaten arbeitest du mit deinem Team an dem Relaunch – was bringt uns das neue i-ref?

Wir haben die Form der Berichterstattung grundlegend verändert. Die Beiträge sind nun noch persönlicher, informativer und besser auffindbar. Magazin-Beiträge sind der Ort für investigative Berichte oder aussagekräftige Detail-Aufnahmen, die kurzen Impuls-Beiträge eigenen sich besonders gut für Kommentare oder Tipps während die Leser auf der i-ref Wall live mitverfolgen können, wo unser Team gerade unterwegs ist. Ein besonders cooles Feature ist die i-ref MAP. Auf der kuratierten Weltkarte trägt das gesamte i-ref Team seine Lieblingsorte und Empfehlungen ein und sorgt so dafür, dass die Tipps nicht im Nirwana des Internets verschwinden. Außerdem gibt es für Unternehmen eine Menge neuer Werbeformate, die es so im deutschsprachigen Raum noch nicht gibt.

Apropos „Team“: Was sind das für Leute, mit denen du arbeitest?

Wenn ich ganz ehrlich bin: Das sind meine Freunde. Menschen, die selbst großartige Dinge machen und seit Jahren in der digitalen Welt erfolgreich sind. Ich schätze jede(n) Einzelne(n) und bin unendlich dankbar, Tag für Tag so tolle Menschen um mich herum zu haben – sowohl aus der beruflichen, als auch aus der privaten Perspektive.

Als Social Media Berater betreust du große Kunden, außerdem arbeitest du als Journalist – warum ist es dir dennoch wichtig mit einem eigenen Magazin am Start zu sein?

Tatsächlich gehören für mich alle Disziplinen zusammen und bilden die Basis für meinen Alltag in der Medienarbeit. Ich glaube fest daran, dass der Erfolg meines Teams vor allem der Tatsache zu Grunde liegt, dass wir alle erfahrene Berater, aber auch Herausgeber eigener Plattformen sind. Das heißt: Wir haben viel Verständnis für beide Seiten und wissen, was Unternehmen von Bloggern und anderen Influencern wollen, aber auch was ein Blogger braucht, um erfolgreich zu sein. Diese Kombination gibt es nicht so oft und ist meiner Meinung nach der Schlüssel zu unserem Erfolg. Doch ganz unabhängig vom Business: Ich habe so viele spannende Menschen durch i-ref in den letzten Jahren kennengelernt. Das ist unbezahlbar.

Wir beide haben zusammen in einer großen Online-Redaktion gearbeitet – warum käme so ein Job für dich heute nicht mehr infrage?

Das hat vielerlei Gründe, doch der wohl triftigste ist, dass ich mit Leib und Seele Unternehmer bin. Ich liebe es, mir Dinge auszudenken, Menschen an einen Tisch zu holen, zu begeistern und immer Neues zu erschaffen. Auch wenn ich gerne an unsere Zeit in der Online-Redaktion zurückdenke, war ich nichts anderes als eine Textmaschine. Mit dem Spielen von Inhalten hat das – zumindest aus der heutigen Sicht – für mich nur wenig zu tun.

„Zeitgenössische Kultur“ ist ein weiter Begriff. Welchen besonderen Dreh haben eure Geschichten? Gibt es einen Artikel oder ein neues Tool von dem du sagen würdest „Das ist typisch i-ref!“?

Definitiv, besonders stolz bin ich auf drei starke Neuerungen – die i-ref WALL und die i-ref MAP und die spannende Konstellation der Medien-/Content-Partner und der Autoren auf der Plattform. Der Grundgedanke hinter i-ref, gute Inhalte und tolle Menschen zusammenzubringen, zeigt sich auch auf der Social Wall. Wenn Jessie zum Beispiel ihren Instagram-Post mit #irefStyle vertaggt, erscheint er zusätzlich auf www.i-ref.de. Gleiches gilt für alle Autoren, die Inhalte für i-ref.de kreieren. So kann der Leser die ganze Redaktion im Auge behalten ohne sich durch die unterschiedlichen sozialen Netzwerke zu wühlen. Die i-ref-MAP ist deshalb so besonders, weil die besten Tipps der wichtigsten Influencer an einem Ort gebündelt sind.

Das alles funktioniert natürlich nur, weil wir mit Menschen arbeiten, die wissen, worum es geht. Mit Partnern wie journelles.de, electru.de, lilies-diary.com, justtravelous.com, zuckerzimtundliebe.de haben wir einfach ein unschlagbares Team am Start. Darüberhinaus bin ich besonders stolz, dass wir neben klassischen Medien-Partnern auch ENOUGH is ENOUGH, eine Non-Profit-Organisation, die mir sehr am Herzen liegt, mit an Bord haben.

Erinnerst du dich noch an deinen allerersten Artikel – über was ging’s?

Laut Dashboard war mein erster Beitrag wohl ein kurzer Blogpost über den amerikanischen Künstler Andy Gilmore, ein Designer, Illustrator und Musiker der heute in Rochester/NY lebt. Zwischen damals und heute liegen exakt 4.231 Beiträge. Das ist schon abgefahren.

Ich beneide dich ja immer um die tollen Reisen, die du überallhin machst. Welches Vorurteil gegenüber Reise-Bloggern möchtest du hiermit widerlegen? Und welche Reise war dein persönliches Highlight?

Es fängt bereits in der Titulierung an. Sicher, die Branche braucht Listen, irgendwie müssen die digitalen Reisenden eingeordnet werden, doch eines ist mir wichtig: Ein Reiseblogger beschäftigt sich mit viel mehr als nur mit Reisen. Die Welt des Reisens ist, zumindest für die meisten von uns, vor allem deswegen so spannend, weil sie mit der größten thematischen Vielfalt einhergeht: Von der Mode, über die Kunst, die Musik oder die individuellen kulturellen Gepflogenheiten des Landes, es ist alles so rasend bunt auf Reisen.

Mein bisheriges Highlight? Nahezu unmöglich eine Auswahl zu treffen. Ich allein habe in den letzten drei Jahren über 60 Länder rund um den Globus bereist. Doch eines möchte ich euch ans Herz legen: Leute, fahrt nach Island. Mir stehen noch heute die Tränen in den Augen, denke ich an dieses wunderbare Land zurück.

Wie hat sich das Bloggen seit den Anfängen von i-ref für dich verändert?

Ganz klar, die Professionalisierung – und zwar mit „Ach und Krach.“ In der digitalen Welt knallt es nahezu täglich. Vollgepackt mit gleichermaßen sinnvollen und sinnentleerten Inhalten wird im digitalen Geschäft ordentlich Geld verbrannt. Die viel beschworene „Unabhängigkeit“ in der Bloglandschaft war allerdings noch nie mein Ziel. Wir wollen mit i-ref aus der Masse herausstechen und unseren Lesern starke Inhalte bieten, die wirklich ihren Alltag bereichern und gleichzeitig professionelle Kampagnen mit unseren Partnern umsetzen, so dass am Ende alle glücklich und zufrieden sind.

Wie beobachtest du die Entwicklung der Branche: Immerhin gibt es jetzt so viele Blogger wie nie zuvor, sei es Mode, Essen oder Reise. Wo führt das alles hin?

Ich weiß es nicht. Das ist ja gerade das Faszinierende. Denk‘ nur mal an Instagram oder YouTube. Technische Neuerungen können in kürzester Zeit die gesamte digitale Welt und damit auch die Form der Berichterstattung im Netz verändern. Doch egal wohin alles führt, wir werden immer versuchen ganz vorne mit dabei zu sein.

Was glaubst du, welche Art von Content im Jahr 2015 relevant ist? Sprich, was macht ein gutes Onlinemagazin heute aus? Was wollen die Leute lesen? Und was liest du persönlich gerne?

Die Social Web Kommunikation hat das Wesen der klassischen Berichterstattung revolutioniert. Nicht nur in Online-, auch in Printmedien bekommt der Verfasser des Artikels mehr Raum und wird nicht selten zum Hauptakteur der eigenen Story. Dementsprechend gelten nahezu alle Kulissen, die zur Selbstinszenierung aufrufen, als das perfektes Motiv für die Berichterstattung von morgen. Es zählt nicht mehr der Berg, sondern der Mensch auf dem Berg, nicht mehr die High-End-Food Kreation, sondern das schlemmende Gesicht dahinter. Ist das nicht #amazing?

Ich persönlich lese auch mal Artikel, die nicht zwingend meinem 100%-igen Interesse entsprechen, weil es meine Begeisterung für den Verfasser ist, die mich passiv leitend zum Inhalt bewegt.

Welche Entwicklungen im Internet oder Social Media Bereich siehst du dagegen mit Besorgnis?

Ich antworte mal ein wenig überspitzt: Wenn 20-jährige YouTuber mehr Media Power als die Bild-Zeitung generieren, ist es doch offensichtlich, wer sich hier Sorgen machen muss. Wenngleich sich die Medienbranche täglich neu erfindet, ist unlängst klar, dass den Verlagshäusern ihre Monopolstellung in Sachen Reichweite eindeutig entzogen wurde. Da hilft auch die Endlos-Debatte über qualitative Inhalte nichts – Werbung dreht die Nase auch künftig genau dort hin, wo die Frequenz am höchsten ist. Aufregend, das alles!

Wie muss jemand sein und was muss er drauf haben, um bei i-ref Autor zu werden?

Jede Person, die gehört werden will und bereit ist, seinen Alltag mit unseren Lesern zu teilen – sowohl inhaltlich als auch technisch. Ich habe vollsten Respekt vor der Privatsphäre im Internet, doch wer bei uns publiziert, ist klar erkennbar und sollte das auch genießen können. Ein schüchternes Mäuschen, das über jeden Tweet dreimal nachdenken muss, wird sich bei uns nicht wohl fühlen.

In dem Teaser-Video erzählst du mit so einer sexy Märchenstimme – kommt als nächstes vielleicht noch eine Karriere als Moderator oder Hörbuchsprecher infrage?

Sehr gute Idee, ich habe ohnehin zwischen 02:00 und 03:00 Uhr nachts noch nichts im Terminplaner stehen und werde sie künftig für mein Showreel nutzen.

Letzte Frage: Was machst du am liebsten, wenn du offline bist und warum ist das wichtig für dich?

Ich treffe mich mit Lexi im Soho und wir sprechen über „Das Leben nach der großen Liebe!“

Danke für das Interview, lieber Norman und weiterhin so viel Erfolg!

Kommentare

  1. “Es zählt nicht mehr der Berg, sondern der Mensch auf dem Berg” – tja, was soll man dazu sagen. Spätestens dann befindet man sich auf dem GIPFEL der Selbstinszenierung 😉

    Wie relevant dann noch die Informationen sind, ist jedem selbst überlassen.

    • Huhu Nina, habe nach gefragt: der Song wurde von Sebastian Ladwig selbst produziert fürs Video und hat leider keinen Titel!

      • Vielen Dank für die Nachfrage und die Antwort.
        Schaaade, bleibt nur zu hoffen, dass es doch irgendwie veröffentlicht wird…

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