„Dior und ich“ – warum man den Film über die erste Haute Couture Kollektion von Raf Simons für Dior sehen muss

Am Ende des Films weint Raf Simons so herzzerreißend, dass ihm beinahe der Kaugummi aus dem Mund fällt. Hinter ihm und dem Team von Dior liegen acht unglaubliche Wochen: Acht Wochen, in denen der Belgier nach dem Rausschmiss von John Galliano den Posten des Kreativdirektors bei Dior übernahm und seine erste Haute Couture Kollektion entwarf,

Am Ende des Films weint Raf Simons so herzzerreißend, dass ihm beinahe der Kaugummi aus dem Mund fällt. Hinter ihm und dem Team von Dior liegen acht unglaubliche Wochen: Acht Wochen, in denen der Belgier nach dem Rausschmiss von John Galliano den Posten des Kreativdirektors bei Dior übernahm und seine erste Haute Couture Kollektion entwarf, die im Juli 2012 Paris präsentiert wurde. Ohne die Hilfe seiner engsten Mitarbeiter wie Pieter Mulier (umwerfend!) und den Schneiderinnen des Ateliers wäre dies nicht möglich gewesen –  sie sind neben Raf Simons die Hauptakteure des Dokumentarfilms „Dior und ich“ von Regisseur Frédéric Cheng, den ihr euch anschauen müsst. Wirklich!

Denn was Raf Simons von den Damen in den weißen Kitteln und seinen Kollegen verlangt, scheint teilweise unmöglich: Die Gemälde von Sterling Ruby auf Stoff zu bannen, ein Pariser Privathaus über und über mit frischen Blumen zu dekorieren oder innerhalb von einer Nacht – einen Tag vor der Show – ein Haute Couture Kleid komplett umzunähen.

Szene aus "Dior und ich" von Frederic Cheng
Szene aus „Dior und ich“ von Frédéric Cheng

Keiner spricht es aus, aber es steht den Mitarbeitern auf die Stirn geschrieben: „Spinnt der? Wie soll das in so kurzer Zeit funktionieren?“ Aber Raf Simons bleibt dabei und sagt: „Ich gebe erst auf, wenn die Show beginnt.“ Vielleicht haben die Mitwirkenden geahnt, dass sie gerade zu einem neuen Kapitel der Modegeschichte beitragen.

65 Jahre zuvor gab Christian Dior mit der „New Look“-Kollektion seinen triumphalen Einstand in der Mode-Welt und wurde über Nacht weltberühmt. Nach den Kriegsjahren präsentierte er eine Hommage an die Weiblichkeit: Blumen statt Uniformen, schmale Taillen und breite Hüften statt kantiger Kittel – dieses Erbe anzutreten und an den Erfolg von Christian Dior anzuknüpfen, war für Raf Simons ein Mammutprojekt.

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Ich habe mich während des Films immer wieder in meine Sitzlehne gekrallt, weil mich die Anspannung so mitgenommen hat. Im nächsten Moment musste ich dann wieder über die drolligen Schneiderinnen und ihre Witze lachen oder habe Raf Simons extrem guten Klamottenstil bewundert.

Die Deutschlandpremiere von „Dior und ich“ fand im Cinema Paris in Berlin statt und zwar eine Woche, bevor der Film in Paris gezeigt wird. Der Regisseur Frédéric Cheng war persönlich anwesend und beantwortete anschließend die Fragen des Publikums. Wie es ihm gelungen sei, den medienscheuen Raf Simons davon zu überzeugen, eine Kamera über Wochen hinweg so nah an ihn heranzulassen, war eine Frage, die alle Zuschauer interessierte. Es habe mehrere Anläufer gebraucht, so der Amerikaner, bis er Raf Simons von seinem Projekt überzeugen konnte – u.a. hat er ihm einen Brief geschrieben und musste mehrfach bei Dior und LVMH vorstellig werden.

Präsentation der Dior Haute Couture Kollektion im Juli 2012 in Paris
Präsentation der Dior Haute Couture Kollektion im Juli 2012 in Paris

Der Film zieht immer wieder Parallen zwischen den Memoiren des legendären Couturiers („Christian Dior et moi“), der sich nur wenige Monate vor seinem plötzlichen Herztod 1956 darüber beklagte, dass es einen öffentlichen und einen privaten Christian Dior gäbe. Wie der Gründer des Modehauses fühlte sich Raf Simons von den Kameras verfolgt und hasste jegliche Art von Presserummel. Er wollte nach der Show partout nicht vor die Fotografen treten oder Interviews geben und drohte sogar damit, in Ohnmacht zu fallen. Zum Schluß gelingt ihm jedoch ein Befreiungsschlag – schaut es euch an!

Die Zeitschrift Elle schrieb „Dior und ich“ sei „einfach der beste Film über Mode überhaupt“ – es stimmt! Man lacht, weint und bekommt einmalige Einblicke in die Welt der Haute Couture. Und man verliebt sich: In Raf Simons und seinen flämischen Akzent (deshalb den Film idealerweise im Original sehen), in die Schneiderinnen und einmal mehr in die Schönheit der Mode.

„Dior und ich“, u.a. mit Raf Simons, Ann Wintour, Jennifer Lawrence, Sharon Stone, Donatella Versace ab 25. Juni im Kino.

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Von Alexa

Ich liebe schreiben, bloggen und schöne Dinge zu entwerfen, also mache ich all das.

Als Journalistin habe ich für Magazine und Zeitungen wie Business Punk, Fräulein, Gala, FTD/how to spend it, Instyle, Lufthansa Magazin, Stern, Tagesspiegel, Vanity Fair und zitty gearbeitet. Meine Online-Erfahrungen habe ich u.a. Stylebook und styleproofed gesammelt. Mein Blog heißt Alexa Peng, mein Schmuck-Label vonhey. Ich komme aus dem Rheinland und bin in einem Dorf am Waldesrand aufgewachsen, wo nur einmal in der Stunde ein Bus fuhr. Da muss man sich was einfallen lassen, um sich nicht zu langweilen. Meine Tante hatte in der Stadt eine Boutique und einen Schrank voller Kleider, Schuhe und Taschen, mit denen wir Kinder verkleiden spielen durften. Wir haben Modenschauen im Hobbykeller veranstaltet und die ganze Nachbarschaft eingeladen. Dass ich mal was mit Mode machen würde, war also klar. Nach dem Abi habe ich an der AMD in Hamburg Mode-Journalismus studiert und später an der UdK in Berlin einen Master of Arts in Kulturjournalismus gemacht. In Zukunft will ich mein Label weiteraufbauen, die Welt sehen und gute Geschichten schreiben.

(Foto: Sandra Semburg)

Kommentare (3) anzeigen

3 Antworten auf „„Dior und ich“ – warum man den Film über die erste Haute Couture Kollektion von Raf Simons für Dior sehen muss“

Oscar Anwärter und ein MUSS für alle Modeliebhaber. Es war alles dabei. Witz, Tränen, Streit und Bewunderung. Christian Dior hat auch Raf Simons verändert, ich denke das hat selbst ihn überrascht.

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