Dienstagsdinge: Interior Likes KW 16

Nicht erst seit Neuestem hört man immer öfter Meinungen, die finden, dass sich unsere Einrichtung immer mehr angleicht. Die üblichen Verdächtigen von Eames bis Monstera würden in so vielen Wohnungen herumstehen, dass sie nicht mehr auseinander halten zu wären. Individualität gehe verloren.

Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob das wirklich eine neue Entwicklung ist. Wenn wir überlegen, wie unsere Großeltern gelebt haben – gleichen sich die Wohnungen da nicht auch irgendwie alle?

Die Spitzengardinen, Tischdecken, Holzstühle, das typische Oma-Geschirr. Zumindest in unseren Breitengraden würde ich behaupten, dass es da keine großen Abweichungen gab. Gerade die Generationen vor uns haben sich noch vieles gegenseitig vererbt. Wer einen eigenen Haushalt gegründet hat, konnte eben nicht mal kurz zu IKEA fahren.

Heute können wir das – und trotzdem entwickelt jeder einen eigenen Stil, sei er auch nur praktisch und funktional statt extravagant. Einrichtung ist etwas, das Spaß machen und mit dem man sich wohlfühlen sollte – genauso wie Mode auch. Und genau wie in der Mode gibt es Entwicklungen, in denen anders gedacht wird als bislang. Müll wird gesammelt und zu etwas Neuem verarbeitet. Flohmärkte und Trödelläden erleben einen unerwarteten Aufschwung. Sachen von Oma werden neu wertgeschätzt. Unser Verhalten zum Wegwerfen ändert sich und wir gehen anders mit unserem Besitz um.

Das ist schön und spiegelt sich auch in der Einrichtung. Wer ausgewähltes Altes hortet, Lieblingsstücke pflegt und vielleicht gar Dinge selber macht, dessen Einrichtung wird ganz natürlich ‚individuell‘ – auch ohne viel Geld dafür ausgeben zu müssen. Der einzige Unterschied zu den Generationen vor uns liegt vielleicht einfach darin, dass wir nun, anders als früher, den Luxus und die Zeit haben, uns überhaupt Gedanken darüber machen zu können, ob unsere Einrichtung individuell ist oder nicht.

Nun aber Schluss mit dem Gedanken-Wirrwarr und Vorhang auf für eine Runde Dienstagsdinge.

Wunderbares für die Wand

Wie beruhigend Kunst doch sein kann. Wobei es sich hierbei wohl eher um eine Mischung aus Kunst und Design handelt. Und dabei raus kommt dann vielleicht so etwas wie Wand-Dekoration, aber weil sich das langweilig und so gar nicht nach dem anhört, was es tatsächlich ist, müsste meiner Meinung nach ein neues Wort für die Fusion aus Kunst und Design gefunden werden. Samantha Totty hat Design studiert und malt Bilder, die solch schöne ästhetische Einheiten bilden, dass ihr Anblick vielleicht gar einer Meditation gleicht? Die Prints können von überall her bestellt werden und werden kostenlos verschickt.

Samt und Silber

Liljencrantz ist ein Interior- und Möbeldesignstudio in Stockholm. Die Gründerin Louise lebt in einer ungeheuer geschmackvoll und ausgewählt eingerichteten Wohnung. Für mich selbst wäre die Einrichtung zu clean und irgendwie auch zu schick, aber als Inspiration sind die Fotos eine pure Augenweide. Hier geht es zur Homestory.

Erik Lefvander für Residence

Sommertäschchen

Ein kleines bisschen erinnert mich die Zeichnung auf dieser Tasche an die One-Line-Drawings, die Tine ja schon auf Journelles beschworen hat. Gemalt und gedruckt wurde das Exemplar von der Illustratorin und Designerin Veronica de Arriba, die 2008 ihr eigenes Label ‚Depeapa‘ in Granada, Spanien gründete. De pe a pa ist Spanisch und heißt von A bis Z. Auf etsy oder ihrer eigenen Seite findet ihr noch mehr hübsche Accessoires wie Kissen, Prints, Notizbücher und Ketten. Hier geht’s zur Tasche.

Blumenbilder in 3D

Anne Ten Donkelaar nennt ihre Serie ‚Flower Constructions‘. Die Blumen dafür findet sie draußen, auf Spaziergängen oder auf dem Weg irgendwohin. Sie nimmt sie mit in ihr Studio, trocknet ihre Funde und baut aus ihnen, zusammen mit ausgeschnittenen Blumenfotos aus Magazinen, neue kleine Blumen-Universen. Erinnert mich daran, einmal wieder Blumen und Blüten in Büchern zu pressen und vielleicht selbst ein paar ‚Flower Constructions‘ zu machen.

Ästhetik des Mülls

Seit 2012 sammelt das Trio des Designstudios De Intuïtiefabriek Müll. Um genauer zu sein, Tonreste, die bei der Produktion ihrer Porzellanserien übrig bleiben. Die Welt ist voll von Müll, deshalb finden die Designer, dass wir wertschätzen sollten, was wir haben, um das Beste daraus zu machen. Ungefähr 200 kg Müll häuften sie während der letzten Jahre an. Nun haben sie etwas Neues daraus erschaffen: Eine wunderschöne Serie von Tabletts in tollen Mustern, die sichtbar machen, aus welchen unterschiedlichen Bestandteilen sie hergestellt sind und uns daran erinnern, dass Müll nicht immer komplett nutzlos sein muss.

Fotos: Samantha Totty, Depeapa, De Inuitiefabriek, Anne Ten Donkelaar, Erik Lefvander für Residence.

Kommentare

  1. Vielen Dank für den Beitrag, Alicja! Du weißt nicht zufällig woher die schöne Schale im Header ist? Danke 🙂

    • Liebe Sandra, ich habe Louise von Liljencrantz eine Mail geschrieben und sie nach der Schale gefragt, mal schauen ob sie antwortet!

  2. Hallo Alicja,
    nicht nur dein Name ist ungewöhnlich (ich musst grad noch einmal checken, ob ich ihn korrekt geschrieben hab), auch deine Produkt-Auswahl ist es immer wieder aufs Neue. Früher habe hier bei Journelles die Design-Themen durchaus gern angeschaut, sie waren stets schön, aber eben auch ohne Aha-Moment. Diesen habe ich auch nie vermisst, da ich ihn hier nicht erwarte.
    Doch das ist durch deine Beiträge komplett anders geworden. Du findest (für mich) neue Produkte und Hersteller, stellst deine Themen stilsicher zusammen und schreibst eloquent und mit Background-Wissen darüber. Das ist selten im Internet. Ich finde, die AD sollte mal bei dir anklopfen – oder du bei denen?! 😉

    Liebe Grüße!

SCHREIBE EINEN KOMMENTAR.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Geben Sie einen Text ein

Geben Sie Ihren Namen ein