Die Journelles Modetherapie: Marie trägt Netzstrümpfe

Trends die man doof findet und persönlich nie tragen würde? Gibt es bei uns nicht. Deswegen versucht sich Marie jetzt an Netzstrümpfen und zeigt drei Looks, wie man sie auch im Alltag tragen kann.

Trends, die man doof findet, nur weil man sie persönlich nicht tragen kann: Gibt’s bei uns nicht. Vor ein paar Monaten machte Lexi ganz mutig den Anfang und wagte sich an Culottes – die sie so gar nicht mochte. Und weil die Kategorie damals so gut bei euch ankam, beleben wir sie jetzt wieder.

Ziel der Modetherapie ist es, den modischen Horizont zu erweitern und Vorurteile gegenüber einem bestimmten Kleidungsstück abzubauen. Das funktioniert nur mit einem Praxistest: Die Kollegen suchen also das entsprechende Teil aus, der “Patient” muss es anziehen und einen Tag lang darin aushalten. Und Marie hat sich gleich zwei Tage mit ihrer „Mode-Angst“ auseinander gesetzt: den verruchten Netzstrümpfen.

Modetherapie die zweite Klappe, los gehts!

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V.l.n.r.: Maison Margiela SS16, Proenza Schouler FW15, Max Mara FW16, Jeremy Scott FW16

 

Netzstrümpfe. Ein riiiiiessen Runway-Trend seit dem letzten Jahr. Aber wie das immer so ist, denkt man sich: Jaja, an den dünnen großen Models sieht eh alles gut aus. Also ICH könnte das ja niemals anziehen. Hmpf. Dank der Modetherapie gibt es diese Ausrede ja jetzt nicht mehr. Als ich also voller Begeisterung die Trends für diesen Herbst sichtete, kam mir die Idee: Netzstrümpfe, das probier ich mal!

Netzstrümpfe sind ja eigentlich etwas, was einem auf der Straße im Gegensatz zu Culottes, Plateau-Sneakern und weißen Stiefeln – und was es sonst noch an Modetherapie-Bedarf gibt – nie begegnet. Außer, man ist zu bestimmten Zeiten in der Kurfürstenstraße in Berlin unterwegs. Oder man heißt Beyoncé und legt gerade eine heiße Bühnenperformance hin.

Worauf ich hinaus will? Ich bin normalerweise nicht empfindlich, was Blicke anderer Menschen angeht. Das muss man nun mal hinnehmen, wenn man mehr Spaß an Mode hat als 90 Prozent der Restbevölkerung und auch jeden Trend mal ausprobieren möchte: Silberne Booties, Schlaghosen, Hüte oder krasse Farben – auch in der Hauptstadt sieht man das nicht jeden Tag und kassiert schon mal einen abwertenden (oder in seltenen Fällen auch mal bewundernden) Blick.

Mit der Netzstrumpfhose war das aber auf jeden Fall noch einen Ticken härter. Besonders von Männern wurde ich angeschaut, als ob ich gleich auf der Straße meine Dienste anbieten würde. Und das obwohl ich meiner Meinung nach beim restlichen Outfit doch sehr zurückhaltend geblieben bin. Denn eins ist klar, die Kombination mit Netzstrümpfen will gelernt sein, so eine kurze Variante wie beim Max-Mara-Runway-Look würde ich im Alltag niemandem empfehlen.

 

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Stattdessen greife ich ganz klassisch zu Röcken. Der erste Look ist eine Kombi aus Bleistiftrock und Bomberjacke, drunter gibts ein einfaches weißes T-Shirt. Und um das Outfit noch mehr zu erden und den Ausgleich zu den sexy Netzstrümpfen herzustellen, verzichte ich auf Absatz und trage Sneaker. Hm, so gefällt mir der Look doch ganz gut und ich fühle mich vor allem nicht zu nackt – gerade in Bezug auf meine Beine.

 

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Lederrock: Jonathan Saunders (eine Alternative gibt es hier), T-Shirt: & Other Stories, Bomberjacke: H&M Trend, Netzstrumpfhose: Wolford, Sneakers: Adidas Stan Smith

 

Ha, nach dem ersten Tag komischer Blicke fühlte ich mich dann auch gewappnet, ein bisschen wagemutiger zu werden. Also schoss der Rocksaum etwas in die Höhe und aus Sneakern wurden Stiefel mit Absatz! Gefällt mir im Nachhinein fast noch ein bisschen besser. Und kleiner Hint, in diesem Outfit versteckt sich noch ein zweiter riesengroßer Herbsttrend  – meine neuen Samtbooties!

 

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Pullover: COS (ähnlich von Topshop), Rock: Zara (Alternative hier oder hier), Tasche: Proenza Schouler (ein ähnliches Modell), Samtbooties: Office London

 

Fazit: Tja, Netzstrumpf kann man auf jeden Fall machen. Was man mitbringen sollte? Eine Resistenz gegen Blicke (die man eh haben sollte), Geduld beim Anziehen (denn das ist echt nervig und vor allem nervenaufreibend bei so einer feinen Strumpfhose) und ganz viel Humor. Denn wer ein paar flotte Sprüche in Bezug auf Netzstrumpfhosen drauf hat, der kann beim Tragen vielleicht sogar die ein oder andere nette Bekanntschaft machen!

Ihr seid noch nicht richtig überzeugt und traut euch den Komplett-Look trotzdem noch nicht? Wie wäre es dann mit Söckchen im Netzlook? Hab ich zuuufälligerweise auch schon mal für euch getestet:

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Bluse – Sandro (Alternative hier), Jeans: Urban Outfitters, Söckchen: Asos, Schuhe: Toga Pulla

(Fotos im Header und Runway Bilder: vogue.com)

Von Marie

Der erste Satz, wenn mich Leute kennenlernen ist: „Das ist aber selten.“ Ja, ich bin ein seltenes Exemplar: Berliner Eltern, Berliner Blut, Berliner Göre. Tatsächlich bin ich so sehr mit der Hauptstadt verbunden, dass ich meinem Kiez in Schöneberg seit über 20 Jahren die Treue halte und noch nie von hier weggezogen bin – und auch nicht dran denke. Und obwohl wir Schöneberger zwar sehr viel von Bio-Supermärkten und esoterischen Edelsteinläden halten, gibt es hier auch das ganz große Mode-Paradies: das KaDeWe. Der Tempel des Shoppings und der Ersatzkindergarten für meine Eltern, sozusagen das Småland bei Ikea für mich (andere Kinder haben dort ihren ersten Wutanfall, ich schmiss mich in voller Rage im Atrium des KaDeWe auf den Boden und weigerte mich zu gehen). Kein Wunder also, dass Mode und ich nie wirklich Berührungsängste hatten.

Spätestens seit der Oberstufe, in der ich – dank Blair Waldorfs Inspiration aus Gossip Girl (ja, das war meine Serie zusammen mit Gilmore Girls) – die Schule nie ohne Haarreif, Fascinator oder eine gemusterte Strumpfhose betrat, hatte auch mein Umfeld begriffen: Marie macht was mit Mode. Und weil ich damit in meinem katholischen "Elite-Gymnasium" so ziemlich die Einzige war, suchte ich meine Verbündeten 2011 woanders: im Internet. Auf meinem Blog Style by Marie. Und so begann meine modische Laufbahn.

Noch mehr Gleichgesinnte und vor allem Freunde fand ich auf der Akademie für Mode & Design in Berlin, bei der ich 2013 meine Ausbildung in Modejournalismus und Medienkommunikation startete. Was für mich seit der 1. Klasse klar war, nämlich das Schreiben mein Ding ist, wurde jetzt zu meinem Beruf: Journalistin. (Denn ja Oma, es gibt noch etwas anderes als Modedesignerin). Dank meines Blogs und einem Praktikum bei der Harper’s Bazaar Germany in der Online-Redaktion blieb ich auch dem Internet und dem Online-Journalismus treu. Und ratet mal, wo ich jetzt bin: Genau, bei Journelles, dem Blogazine, was alle meine Leidenschaften verbindet: Bloggen, Schreiben, online sein – zusammen mit euch!

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6 Antworten auf „Die Journelles Modetherapie: Marie trägt Netzstrümpfe“

Liebe Marie,
schön dass Du das Journelles-Team verstärkst, denn Deine Texte lese ich am allerliebsten, auch dann, wenn ich mit den Looks eher weniger was anfangen kann.
Du hast einen ganz tollen, erfrischenden Schreibstil, weiter so!!

Kann mich nur anschließen! Jessie hat eine sehr gute Mitarbeiterauswahl getroffen. Toller Artikel, besonders deshalb weil du über die Reaktionen der Passanten gleich mit berichtest und Mode und Humor immer eine sehr schöne Ergänzung sind.

ich stimme meinen vorrednern zu. vorallem die themenauswahl gefällt mir total gut bei deinen texten, immer sehr up-to-date und nicht nur sachen, an denen man sich eh schon lange sattgesehen hat.

Liebe Marie,
ich finde auch die beiden letzten Looks großartig. Es wäre zwar so gar nichts für mich, aber das schwarze Outfit und auch die Kombi mit der Jeans finde ich super. Netzstrümpfe und Jeans wäre vielleicht auch noch mal was, woran ich mich wage.
Achso und Deine Haare – ob geschlossen oder offen – sehen toll aus. Und auch der Pony steht Dir so gut – also gar keinen Grund unglücklich mit dem Pony-Tier zu sein 🙂
Alles Liebe, Julia

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Journelles ist das grösste unabhängige Mode-Blogazine in Deutschland und wurde 2012 von Jessie Weiß gegründet. Die 37-jährige Unternehmerin legte 2007 den Grundstein für die Modeblogosphäre mit dem Netz-Urgestein LesMads und arbeitet seither als Journalistin, Moderatorin und Kreativdirektorin.