Im Interview: Diane Kruger über ihren Stil, Instagram-Trolle und ihr dickes Fell

Hollywood-Liebling, Model, Schauspielerin: Diane Kruger ist ein Weltstar und spätestens seit „Aus dem Nichts“ von Fatih Akin auch hierzulande angesehener denn je – jetzt hat sie für H&M ihre Favoriten aus der Sommerkollektion zusammen gestellt und diese auch gemodelt. Einen Tag vor dem deutschen Filmpreis ist sie nach Berlin gekommen, um im H&M-Showroom mit Christiane Arp über die Kollektion, ihren Stil und ihre Arbeit zu sprechen.

Ich durfte am Vormittag bereits ein Telefoninterview mit ihr führen und wie vereinbart klingelt in der Redaktion um 10.15 Uhr das Telefon: „Hallo, hier ist Diane!“ Kein Management dazwischen, das mir konkrete Zeitangaben macht oder mich bittet, keine privaten Fragen zu stellen. Diane ist unverblümt in der Leitung und es klingt so, als würde ich hier mit einer guten Bekannten das nächste Kaffee-Date vereinbaren.

Hi liebe Diane, ich muss gestehen, dass ich gerade etwas überfordert bin, weil mich noch nie ein Hollywood-Star angerufen hat, für dich ist das wahrscheinlich business as usual.

Musst du im Alltag eigentlich darüber nach denken, welche Bekanntheit du hast?

Nicht wirklich. Ich lebe mein Leben so natürlich und so einfach wie es geht und denke ich nicht jeden Tag darüber nach welche Bekanntheitsgrad ich haben könnte oder habe.

Du bist wahrscheinlich gerade in Berlin angekommen, erkennen die Leute dich hier auf der Straße und wenn ja, woran merkt man das? Die Deutschen sprechen einen ja doch seltener an als die Amerikaner, denke ich.

Es kommt darauf an. Wenn ich ein bisschen zurechtgemacht bin und ein bisschen Schminke trage, dann schon, aber ohne Schminke und im Schlabberlook bin ich meistens noch inkognito.

Erzähl mal, was du eigentlich für H&M gemacht hast und wie es dazu gekommen ist.

Ich bin, wie wahrscheinlich die meisten Mädchen, ein riesiger Fan von H&M und wars auch immer schon. H&M hat mich gefragt ob ich Interesse daran hätte, dass sie mir ihre Sommerkollektion früh vorstellen würden und ich mir dann daraus meine Lieblingsteile aussuchen könnte, um anschließend eine kurze Kampagne für Deutschland zu machen. Ich fand es eine super Idee und es war auch eine tolle Aktion, sich die Frühjahrskollektion als Erste angucken zu dürfen und sich seine Lieblingsteile aussuchen zu können.

Die Kollektion ist ab heute in den Filialen und im Onlineshop erhältlich.

Die Kleider deiner Auswahl sind gestreift, es ist viel Navy dabei und sie wirken zeitlos casual - würdest du so auch deinen privaten Stil beschreiben?

Ja, zum Teil. In meinem Privatleben bin ich eher diskret, also ich mag eigentlich auch Streetwear. Ich lebe viel in New York, da ist das tagsüber sowieso ein bisschen easier.

Gerade in New York ist es im Sommer sehr sehr heiß in der Stadt. Aber es ist auch eine Stadt, in der man am Nachmittag oft nicht zurück nach Hause geht, um sich umzuziehen oder man ist für das ganze Wochenende auf dem Land, ich hab ja auch ein Landhaus. Ich habe versucht Stücke auszusuchen, die man in der Stadt zum Arbeiten anziehen kann, die dann aber auch abends zum Cocktail oder am Strand funktionieren würden. Mein Lieblingsteil ist das weiße Kaftankleid. Das habe ich auch schon mit hohen Schuhen und einer Lederjacke bei schönem Wetter in New York getragen. Man kann es aber auch mit Sandalen, so wie es für die Kampagne fotografiert wurde, kombinieren. So etwas war mir wichtig.

 

Egal, wie voll der Kleiderschrank ist, oftmals greift man ja doch nur zu denselben Basics. Welche sind das bei dir?

Die Suche nach dem perfekten weißen T-Shirt dauert ja ein Leben lang. Meine liebsten Basics sind das weiße T-Shirt, das gut fällt, Jeans und weiße Sneaker im Sommer. Ich setzte eher auf Accessoires, muss ich ich sagen. Ich hasse es mich zu frisieren, wenn ich nicht arbeite, deshalb trage ich auch oft Hüte und besitze auch viele Hüte. Ich versuche nicht so viel einzukaufen, so dass der Kleiderschrank nicht überläuft und deshalb habe ich schon mehr Basics.

Auch wenn man es immer versucht, ab und wird man dann doch von Trends um den Finger gewickelt. Du auch?

Ja und nein. Ich muss sagen, ich hasse so ein bisschen diese Trends, weil man sie wirklich nur ein- oder zweimal anzieht. Es stört mich, wenn Bekannte dann sagen „Ach, du hast das wieder an.“ Ich versuche nicht so vielen Trends zu folgen und es sind wie gesagt die Accessoires, die ich lieber neu kaufe. Dieses Jahr zum Beispiel die neuen Boots von Chloé. Ansonsten variiere ich auch gerne den Schnitt von Basics: Gerade stehe ich total auf Baggy-Jeans aus den 90ern. Ich update also eher meine Garderobe, bin aber bei richtigen Trends, wie Blumenprints, eher nicht dabei.

Ich glaube es gibt nichts, was du nicht tragen könntest, aber gibts Looks, die du gar nicht an dir magst?

Ich mag generell eher keine Kleidungsstücke, die einen Fokus auf das Dekolleté lenken.

Ich war ja selber mal Model und wurde oft gestyled. Mir stehen leider überhaupt nicht, obwohl ich es super finde, ganz tief ausgeschnittene Sachen, wo man fast den Bauchnabel sieht. ich finde solche Kleider super elegant an manchen Mädchen, aber ich kann die leider echt nicht tragen.

 


Ich bin gerade dabei, meine nächste Frage zu stellen, da knackt es in der Leitung und die Verbindung bricht ab. Das Telefon klingelt erneut, aber die Verbindung kommt nicht zustande – danke, liebe Telekom, im Jahr 2018 kann man sich also nicht mal mehr auf euer Telefonnetz verlassen. Mir schwant schon, dass das Interview damit womöglich ganz beendet sein könnte – Diane bleibt allerdings cool, als würde sowas ständig passieren, und erzählt mir später, dass sie uns auf den Anrufbeantworter gequatscht hätte.

Vor Ort bekomme ich noch eine zweite Chance und darf unser Gespräch sogar unter vier Augen weiterführen. Ganz so schlecht war der Telefonaussetzer also doch nicht…


Welche war denn die schönste Modenschau, die du je miterleben durftest? Ich erinnere mich, dass ich bei meiner ersten Chanel-Show beinahe ein Tränchen verdrückt habe...

Ich würde auch sagen: eine Show von Chanel. Das sind immer riesige Produktionen und sie sind jedes Mal anders. Meine allererste Modenschau war eine Couture-Schau von Chanel. Damals war ich Model, von daher habe ich die Kleider und die Show von der anderen Seite gesehen. Aber diese riesigen Produktionen, die Chanel oder auch Dior machen, das ist schon jedes Mal so, als ob man wieder Kind ist und etwas Neuartiges entdecken kann.

Ich habe kürzlich fest gestellt, immer länger im Bad zu brauchen, je älter ich werde, dabei benutze ich kaum Makeup – wie viel Zeit verwendest du morgens worauf?

Auf jeden Fall braucht man mehr Zeit im Bad, je älter man wird. Obwohl, es kommt darauf an: In New York zum Beispiel gehe ja nicht ins Büro und habe dadurch den Luxus, nicht jeden Tag irgendwie präsentabel aussehen zu müssen. Da muss ich echt sagen, dass ich in New York oft ein bisschen schlampig rumlaufe, da habe ich mir gerade mal mein Gesicht gewaschen und das wars. Aber Die Vorbereitungen für Events, so wie heute, dauern schon eine Weile, so eine Stunde bestimmt.

Deine Instagram-Seite ist unheimlich persönlich, wirkt nie gekünstelt oder inszeniert. Überlegst du lange, was du drauf stellst, oder ist es ausm Bauch heraus?

Die Leute denken sich da oft viel mehr rein, als es tatsächlich ist. Ich kontrolliere das schon sehr. Natürlich gibt es persönliche Aspekte, aber so wirklich persönlich ist das nicht, das muss ich ganz ehrlich sagen. Oft ist es so, dass man einen Spruch oder irgendetwas anderes entdeckt und in dem Moment sagt dir das etwas und dann postet man das. Das heißt nicht, dass ich unbedingt in irgendeiner Krise stecke oder so. Grundsätzlich ist Instagram aber eine tolle Art, sich mit Menschen zu unterhalten, es regt den Dialog an.

Du folgst selbst 323 Menschen, welcher Account ist der Unterhaltsamste?

Thefatjewish und daddyissues_ finde ich sehr lustig. Chrissy Teigen hat auch einen lustigen Instagram-Account.

Ich habe gesehen, dass du auch Fitness Queen Kayla Itsines folgst!

Ja, ich gucke mir das das eine oder andere Sportprogramm von Kayla ab. Ich mag nicht alles, aber gerade wenn ich viel reise ist das total praktisch.

Was ist schlimmer: Sich selber zu googeln oder Instagram-Kommentare zu lesen?

Selber googeln mache ich schon seit 10 Jahren nicht mehr. Das lernt man ganz am Anfang, ganz schlechte Idee! Bei den Instagram-Kommentaren muss man echt aufpassen, damit das keine überdimensionale Wichtigkeit bekommt. Jeder hat ein Recht auf seine Meinung und das kann negativ und positiv sein, aber es gibt Leute, die sind beleidigend oder schikanierend und da muss man echt hinterher sein. Diese Leute reporte ich dann auch als Trolls bei Instagram. Das ist nicht akzeptabel.

 

Du hast als Schauspielerin und Model gearbeitet, da waren die sozialen Medien gar kein Bestandteil der eigenen Karriere, heute sind Followerzahlen aber auch für Schauspieler wichtig. Fluch oder Segen?

Ich glaube beides. Aber ich finde, es ist zu extrem geworden. Es gibt jetzt eine Generation, in der Selbstmorde aufgrund von Cyber-Mobbing stattfinden. Oder ich habe von diesen beiden Mädchen gelesen, die in Mexiko verhaftet wurden, weil sie 100 Kilo Heroin oder Kokain nach Australien geschmuggelt haben, um dafür Likes auf Instagram zu bekommen. Da hat sich eine gewisse Perversität entwickelt. Alles, was man sagt, ist erlaubt. Dieses anonyme Übergeben von Hässlichkeit finde ich echt schlimm. Das ist alles ein bisschen schockierend manchmal.

Da hast du doch mit der Zeit bestimmt ein dickes Fell entwickelt?

Es ist etwas anderes, wenn man wie ich als öffentliche Person, die da seit 15 Jahren drin ist, damit konfrontiert wird. Am Anfang war es genauso schockierend für mich. Menschen, die dich überhaupt nicht kennen, verurteilen dich. Es gibt Leute, die denken, sie würden dich kennen und Dinge zu dir sagen, die sie dir niemals ins Gesicht sagen würden. Aber das ist etwas anderes als ein junges Mädchen, das mit 13 das erste Mal einen Instagram-Account aufmacht und dann damit umgehen muss. Das ist schon krass, finde ich.

Hand aufs Herz: Wie bleibt man in Hollywood und der Modebranche mental gesund?

Ich weiß nicht, ob ich gesund bin (lacht). Man muss schon wirklich eine dicke Haut haben. Man muss echt versuchen ein öffentliches und ein privates Leben zu führen und entscheiden, was man selbst von sich preisgibt. Ich habe selber auch viele Jahre gebraucht, um das zu verstehen und zu metrisieren, aber nur bis zu einem bestimmten Punkt.

Man kann nie kontrollieren, was andere Menschen von dir denken oder wie du rüberkommst. Man muss einfach seinen Weg verfolgen und das ist manchmal echt nicht einfach, wenn man denkt „oh, ich hätte gerne, dass die mich alle mögen“. Das ist ja auch menschlich, aber das geht einfach nicht.

Lieben Dank für das tolle Gespräch, Diane! 

Kommentare

SCHREIBE EINEN KOMMENTAR.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Geben Sie einen Text ein

Geben Sie Ihren Namen ein