Designklassiker: Möbel von Franz Ehrlich für die Deutschen Werkstätten Hellerau

Wenn man durch Berlin läuft, entdeckt man überall kleine Shops, die Möbel verkaufen. Dabei handelt es sich entweder um Trödelläden oder um Geschäfte, die sich auf wertvolle Antiquitäten oder Designklassiker spezialisiert haben, so wie Atelier Pi, Magasin oder Zeitlos. Angesichts solcher hellen Holzgeschichten wie auf dem Headerfoto war ich mir immer nicht sicher: Stammen die

Wenn man durch Berlin läuft, entdeckt man überall kleine Shops, die Möbel verkaufen. Dabei handelt es sich entweder um Trödelläden oder um Geschäfte, die sich auf wertvolle Antiquitäten oder Designklassiker spezialisiert haben, so wie Atelier Pi, Magasin oder Zeitlos.

Angesichts solcher hellen Holzgeschichten wie auf dem Headerfoto war ich mir immer nicht sicher: Stammen die jetzt von Omas Dachboden oder ist das etwas Besonderes? Es ist natürlich etwas Besonderes! Diese Möbel hat der Architekt, Grafiker und Designer Franz Ehrlich nach dem Krieg für die Deutschen Werkstätten Hellerau (DWH) in der Nähe von Dresden entworfen. Die Vitrinen des Bauhaus-Schülers waren zu Zeiten der DDR angeblich so begehrt wie ein neuer Trabi, aber nach der Wende flogen viele dieser Möbel trotzdem auf den Sperrmüll. Heute gelten sie deshalb als Rarität.

Mich erinnert der Look an meine Schulzeit und ich finde die Möbel ein bisschen spießig, aber in Kombination mit einem tollen Stuhl oder einer Vase wirken Einzelteile wie so ein schlanker Schreibtisch mit drei Schüben oder ein Sideboard Typ 602 super. Also, schaut mal auf dem Dachboden oder im Keller eurer Eltern oder Großeltern nach – vielleicht findet ihr einen Designklassiker!

Von Alexa

Ich liebe schreiben, bloggen und schöne Dinge zu entwerfen, also mache ich all das.

Als Journalistin habe ich für Magazine und Zeitungen wie Business Punk, Fräulein, Gala, FTD/how to spend it, Instyle, Lufthansa Magazin, Stern, Tagesspiegel, Vanity Fair und zitty gearbeitet. Meine Online-Erfahrungen habe ich u.a. Stylebook und styleproofed gesammelt. Mein Blog heißt Alexa Peng, mein Schmuck-Label vonhey. Ich komme aus dem Rheinland und bin in einem Dorf am Waldesrand aufgewachsen, wo nur einmal in der Stunde ein Bus fuhr. Da muss man sich was einfallen lassen, um sich nicht zu langweilen. Meine Tante hatte in der Stadt eine Boutique und einen Schrank voller Kleider, Schuhe und Taschen, mit denen wir Kinder verkleiden spielen durften. Wir haben Modenschauen im Hobbykeller veranstaltet und die ganze Nachbarschaft eingeladen. Dass ich mal was mit Mode machen würde, war also klar. Nach dem Abi habe ich an der AMD in Hamburg Mode-Journalismus studiert und später an der UdK in Berlin einen Master of Arts in Kulturjournalismus gemacht. In Zukunft will ich mein Label weiteraufbauen, die Welt sehen und gute Geschichten schreiben.

(Foto: Sandra Semburg)

Kommentare (7) anzeigen

7 Antworten auf „Designklassiker: Möbel von Franz Ehrlich für die Deutschen Werkstätten Hellerau“

spießig? Hallooooo? Sideboards dieser Art sind gerade sehr angesagt und weit entfernt von aller Spießigkeit. Spießig wäre für mich wohl eher auf komplett hochglanzweiß zu setzen, auch Büromöbel wie UMS Haller, die außerhalb des Arbeitszimmers zum Einsatz kommen finde ich komisch. Aber Holzmöbel sind doch nun wirklich gerade sehr, sehr angesagt! Meine Meinung…

Deine Meinung bleibt Deine Meinung und Geschmack ist bekanntermaßen Geschmackssache, aber ich kann mich Julia nur anschließen.
In so ne Ecke geknautscht (siehe Bild 1) wirken die Schränke natürlich irgendwie nicht sonderlich souverän, aber ansonsten sind das zeitlose Schätze, die dem Bauhaus alle Ehre machen und mit Klassikern wie Nagel-Kerzenständer und Wagenfeld-Leuchte und gedeckten Tönen (grau, anthrazit, petrol usw.) einfach eine Augenweise sind. In weniger hochpreisiger Gesellschaft fühlen sie sich jedoch genauso wohl 🙂 Noch dazu ist das richtig gute Handwerksarbeit, die hält und hält und hält!

Ich hatte den auf Bild 7 bis 9 sogar als Kinderzimmerschrank und jetzt im Esszimmer stehen und er ist schön wie eh und je. Bevor ich nach überteuerten „Designerstücken“ mit zweifelhafter Materialqualität schauen würde, würde ich eher Ebay-Kleinanziegen und alle weiteren Kanäle nach Hellerauer Schätzen abgrasen.

Die Qualität der Hellerau (602) Möbel würde ich nun nicht als besonders gut bezeichnen.
Schließlich ist es „nur“ furnierte Spanplatte, also eher was „billiges“.

Hallo. Wir haben gerade einige dieser wunderschönen Schränke geerbt. Leider sind die Oberflächen etwas ramponiert, z.B. Mit deutlich sichtbaren Wasserflecken. Habt ihr einen Tipp, wie wir sie behandeln könnten, um ihnen wieder zu altem Glanz zu verhelfen?
Ich wäre echt dankbar für einen guten Rat. Liebe Grüße
Jana

Hallo Jana!
Hast du eine Lösung für das Problem gefunden? Mein Highboard hat leider auch diverse Flecken.
VG
Julian

Mein Vater hatte in den 1950er Jahren den Wunsch, diese Möbel zu seinen ersten selbst gekauften Möbeln zu machen. Vater war damals Anfang 20, arbeitete in der E-Werkstatt des Kondensatorenwerkes, ernährte die Familie irgendwie so mit und musste lange sparen. Als er das Geld für die Möbel zusammen hatte, waren die Möbel aus dem Geschäft in Gera, in dem er sie immer bestaunt hatte, verschwunden. Die Serie würde auslaufen und die Möbel wären nicht mehr zu haben.

In Leipzig wurde Vater fündig. Er war die ca. 70 km von Gera aus mit dem Fahrrad nach Leipzig gefahren und sah nun die Möbel dort in einem Geschäft. Entschlossen ging er hinein und äußerte seine Kaufabsicht. Er bekam ein „tut uns leid, die Serie läuft aus und die Möbel, die Sie hier sehen, sind für Kunden, die bereits Möbel dieser Serie haben, zum Komplettieren gedacht. Frei verkaufen kann ich Ihnen nur noch dieses Teil…“

Darauf mein Vater: „wenn ich jetzt dieses Teil kaufe, dann bin ich doch Kunde und Besitzer von Möbeln dieser Serie. Dann bin ich ja auch berechtigt, die anderen Möbel nachzukaufen.“

Dieser Logik konnte sich der Verkäufer dann wohl doch nicht entziehen und so wurden einige Tage später die Möbel mit einem Holzvergaser-Framo nach Gera gebracht. Da stehen sie heute noch: das Sideboard mit den 2 Türen, das Sideboard mit den Glasscheiben und der einen Tür links, der doppelt hohe Schrank mit den 2 Türen und den Schubfächern (die mit den handwerklich gerabeiteten gerundeten Holzgriffen) unten und den 2 Glasscheiben sowie der Einzeltür obendrüber, der Schreibtisch, der Tisch und auf dem Dachboden noch der Kleiderschrank und der Aufsatz für den Schreibtisch. Alles da.

Der deutlich messbare erhöhte Formaldehyd-Gehalt in Vaters Arbeitszimmer dürfte hier wohl auch seine Ursache haben. Einen Dräger-Check als letzte Klärung mal direkt in einen der Schränke zu stellen, habe ich bislang aus Kostengründen unterlassen.

Schreibtisch und Tisch wurden vor einigen Jahren aufgearbeitet, sie sahen durch normale Nutzung über mehr als 50 Jahre arg verschmutzt, abgegriffen und gedunkelt aus. Immerhin stand Mutters Schreibmaschine Jahrzehnte lang auf dem Schreibtisch und Vater erledigte bergeweise Akten am Tisch.

Das ganze wurde in einer darauf spezialisierten Firma gemacht (https://www.restauration-gera.de), soweit ich mich erinnere wurden die Oberflächen gereinigt, leicht abgeschliffen und mit einem Mattlack versehen (sorry, wenn ich da falsch liege). Die Möbel sehen für mich, er ich sie nicht neu kenne, nun „wie neu“ aus. Gröberes kann man aber wohl nicht auf diesem Wege retten, das Furnier ist ja nicht allzu dick. Eine professionelle Werkstatt mit entsprechender Expertise dürfte ja auch anderswo im Land zu finden sein. Ich würde wirklich die Aufarbeitung durch fachkundige Hände empfehlen. Vielleicht kann man dann auch solche „Verbrechen“ heilen wie das, das ein ex-Arbeitskollege meines Vaters gemacht haben soll: er hat seine Hellerau 602 angeblich irgendwann schwaz gestrichen…

Vater hat für diesen Raum nie wieder andere Möbel gekauft und die Einrichtung mit einem raumhohen Bücherregal aus eigener Zeichnung ergänzt. Im Nachbarraum kamen Möbel aus eigenem Entwurf zum Einsatz, furniert mit dem Furnier, das meine Eltern 1967 vom Großvater meiner Mutter zur Hochzeit geschenkt bekommen hatten (Großvater war Tischler). Und ich als Sohn, 40 Jahre jünger, muss zu Protokoll geben, dass es für mich an der Einrichtung dieser beiden Räume nichts, aber auch gar nichts zu verändern gibt. Keine Ahnung, wie häufig das vorkommt, aber ich würde mich wohl ganz genauso einrichten – und muss es nicht, denn es ist schon eingerichtet. Vater ist verstorben, Mutter hält noch das Haus. Was danach kommt, ist ungewiss, aber wenn ich es nicht übernehmen kann oder will, dann werde ich versuchen, die Möbel mitzunehmen, wohin immer es mich verschlagen wird.

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