Closet Diary mit Jasmin Pearson-Behr, Gründerin des Berliner Netzwerks Salon XX

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Nach zehn Jahren in London ist Jasmin mit ihrem Mann Iain und dem gemeinsamen Sohn Dougal nach Berlin gezogen. In der Hauptstadt arbeitet die gebürtige Hamburgerin daran, ein Netzwerk für Frauen und nichtbinäre Menschen aufzubauen, die in der Kunst- und Kreativbranche arbeiten. Die Idee von Salon XX ist, dass man sich bei spannenden Events vernetzt und neue Freundschaften knüpft, die wiederum zu Jobs und beruflichen Kollaborationen führen können. Die Veranstaltungen sind immer wieder unterschiedlich und geben Einblicke in verschiedene Bereiche der Szene. Das erste Event: eine Podiumsdiskussion, das sich mit der Frage beschäftigt hat, wie man eine Kunstsammlung startet, wenn man kein Millionär ist. Mit dabei war auch Johanna Dumet (hier geht’s zum Closet Diary).

Wenn Jasmin nicht an Salon XX arbeitet, geht sie ihrer eigentlichen Arbeit als kreative Konzepterin und Redakteurin nach (sie arbeite zum Beispiel für das Hardcopy-Magazin von Closed). Jasmin lässt sich in Sachen Mode unheimlich gerne von anderen Frauen wie Maryam Keyhani, Diane Keaton und Moira Rose von Schitt’s Creek inspirieren. Deren Outfits machen ihr immer gute Laune und sind einzigartig. Jasmin Traum für die Zukunft: eines Tages eine Hutsammlung wie die von Maryam Keyhani besitzen. Vorhang auf für ein äußerst sympathisches neues Closet Diary!

Jasmin Pearson-Behr (@jasminpbehr) auf Instagram:

MONTAG

Mein Sohn ist leider Frühaufsteher und ein 6 Uhr Start fällt mir jetzt noch schwerer, wo es morgens länger dunkel ist. Vor allem, weil ich einfach immer viel zu spät ins Bett gehe und er morgens am liebsten erstmal fangen spielen möchte.

An einem müden Montag muss es gemütlich sein, und was ist gemütlicher als ein Strickzweiteiler?! Perfekt also, um den ganzen Tag darin zu verbringen. Die Schuhe machen das Outfit etwas weniger leger. Die Erzieherinnen in der Kita waren auf jeden Fall überrascht. Sonst schlurfe ich immer im Mantel, Mütze und müden Augen rein, heute wollte ich aber gleich weiter zu einem Meeting in einem Café ganz bei mir in der Nähe. Danach arbeite ich von dort aus weiter. In der Theorie liebe ich es, von zuhause aus zu arbeiten, in der Praxis brauche ich aber oft Zeugen um mich herum und kriege im Café einfach viel mehr geschafft.

Nachdem ich Dougal mittags abgeholt habe und er schläft, fahre ich ins aptm in Wedding, wo die Goalgirls seit ein paar Monaten einen co-working Space betreiben. Ich liebe es dort zu arbeiten, man ist umgeben von anderen kreativen Frauen und fühlt sich irgendwie automatisch motivierter und konzentrierter. Im Moment schaffe ich es leider nicht mehr so oft dorthin, aber hoffentlich bald wieder mehr. Dougal und mein Mann holen mich ab und wir fahren alle zusammen nach Hause.

Die Korbtasche vom Morgen habe ich vor ein paar Jahren bei Etsy gefunden und mich gleich verliebt. Sie ist rundum von Figuren in Kimonos umgeben. Die Schuhe habe ich vor etw 18 Monaten im Schaufenster bei Office entdeckt und mochte die Farbe so sehr, dass ich sie gleich mitgenommen habe.

Pullover: Closed (ähnlich hier), Rock: Closed (ähnlich hier), Tasche morgens: Etsy (ähnlich hier), Tasche nachmittags: Stine Goya (ähnlich hier), Schuhe: Office London (ähnlich hier), Brille: Illesteva

DIENSTAG

Ich hätte mich gestern nicht beschweren sollen, heute will Dougal schon um 5:15 Uhr aufstehen. Morgens ist es zum Glück noch kurz trocken und mein Mann macht ein Foto vom Mantel auf dem Weg zurück von der Kita. Dieser Look rettet mich durch jeden Winter! Ich freue mich immer darauf, ihn anzuziehen und jetzt kann ich ihn morgens immer einfach über meine gemütliche Loungewear werfen und sehe gleich fertig aus. Sonst kann ich der kalten Jahreszeit nicht so viel abgewinnen, obwohl das mit richtigem Schnee und nem Kamin zuhause bestimmt anders wäre.

Ab mittags regnet es wirklich den ganzen Tag in Strömen und so ziehen Dougal und ich nachmittags unsere Regensachen an und springen in Pfützen. Abends treffe ich meine Freundin Laura in der Markthalle in Moabit. Wir essen Vietnamesisch und sie macht Fotos von meinem Outfit für euch. Danke, Laura! Ich hätte gerne andere Schuhe zum Outfit angezogen, aber es war zu nass, da muss selbst jemand wie ich mal praktisch denken. Ihr seht das Outfit also in verschieden Zwiebelvarianten. Nach Hause bin ich mit einem Take Away für den Mann, weil der ja unmöglich das Kind ins Bett bringen und sich selbst versorgen kann.

Die orange Tasche habe ich vor neun oder zehn Jahren in einem Möbelladen in Hamburg gefunden. Sie war die kleinste in einem Set aus verschieden großen Koffern. Ich bin kein Fan der meisten Designertaschen, dafür aber liebe ich solche, die wahnsinnig unpraktisch sind, weil man sie nur in der Hand halten kann. Sind natürlich nichts, um eine Banane zum Spielplatz zu transportieren. Deswegen freue ich mich immer, wenn ich eine Gelegenheit habe, sie auszuführen.

Mantel: Rejina Pyo (ähnlich hier), Regenjacke: Zara (ähnlich hier), Hose: Mr. Larkin (ähnlich hier), Seidenbluse: Issa (ähnlich her), Tuch: Vintage Givenchy (ähnlich hier), Sneakers: Superga, Ankle Boots : Dr. Martens

MITTWOCH

Tag 3. Den Ballon hatte ich vor ein paar Wochen meiner Schwester zum 30. Geburtstag mitgebracht (mit ner 0 dazu natürlich) und jetzt wohnt er bei uns damit mein Sohn damit spielen kann. Als Accessoire für ein Photoshoot ist er aber auch ziemlich praktisch. Die Hose von Rejina Pyo habe ich im Sale bei Selfridges gefunden. Weil ich im letzten Jahr etwas zugenommen habe, ist sie eine der wenigen, die mir noch passt. Rejina Pyo ist eine Londoner Designerin und hat, wie ich auch, an der University of the Arts London studiert. Ich liebe ihre Sachen sehr und suche immer mal wieder bei Vestiaire Collective oder im Sale nach ihren Pieces.

Warum wir nicht jeden Winter ganz wild auf Pullunder sind, ist mir ein Rätsel. Sie sind der beste Weg, um auch im Herbst und Winter noch besondere oder voluminöse Ärmel zu feiern. Falls jemand weiß, wo man einen ähnlich wundervollen Schäfchenpullunder wie den von Harry Styles bekommt, immer her mit den Tips.

Heute passiert nicht viel. Ich arbeite von zuhause aus und plane das dritte Salon XX Event, das durch Corona aber wahrscheinlich noch etwas warten muss. Nachmittags backen wir Waffeln bei einer Nachbarin, deren achtjährige Tochter Dougal sehr liebt. Wir verabreden uns zum baldigen Drachen steigen lassen und gehen mit einem sehr vollem Bauch nach Hause.

Abends skype ich noch mit meinen beiden engsten Unifreundinnen. Eine von ihnen hat ein Baby bekommen, drei Tage bevor wir nach Deutschland gezogen sind und ich finde es sehr schade, dass wir nicht immer zusammen auf Spielplätzen abhängen können. Ich kenne hier noch nicht viele andere Mütter für Playdates, das vermisse ich mit am meisten seit unserem Umzug. Aber durch Salon XX habe ich schon viele tolle Frauen in Berlin kennengelernt und freue mich auf alle weiteren, die ich noch kennenlernen werde.

Pullunder: COS (ähnlich hier), Bluse: Joseph (ähnlich hier), Hose: Rejina Pyo (ähnlich hier), Schuhe: Office London (ähnlich hier), Ohrringe: Marni

DONNERSTAG

Normalerweise versuche ich, meine ganze Arbeit in die Stunden zu quetschen, die Dougal in der Kita ist. Damit ich die Nachmittage ganz mit ihm verbringen kann, arbeite ich erst am Abend weiter. Das geht natürlich nicht immer und heute treffe ich nachmittags einen tollen Künstler zum Interview für das nächste Hardcopy Magazin von Closed. Danach geht’s noch auf eine Vernissage, also muss das Outfit zu beidem passen. Langweiligerweise trage ich die gleiche Hose wie gestern. Wie gesagt, die meisten passen gerade nicht, hoffentlich irgendwann mal wieder. Aber bestimmt nicht zur Lebkuchenzeit.

Das Seidenmäntelchen von Marjolaine habe ich vor sieben Jahren abgestaubt (zusammen mit ein paar Camisoles) als ich in London in einem Kaufhaus im Einkauf gearbeitet habe. Ich durfte sie einfach mitnehmen und konnte mein Glück kaum fassen. Ich liebe das Jäckchen noch immer und trage es am liebsten im Alltag. Das Leben mit einem Dreijährigen ist einfach nicht glamourös genug für Seide und Spitze als Loungewear. Das T-Shirt darunter hat mein Mann mir geschenkt, darauf ist eine Zeichnung von Dougal eingestickt und ich liiiiiieeebe es. So eine tolle Idee, Kinderzeichnungen auf T-Shirts zu verewigen.

Seidenjacke: Marjolaine (ähnlich hier), Hose: Rejina Pyo (ähnlich hier), T-Shirt: Willi The Label (ähnlich hier), Ohrringe: Marni, Schuhe: Converse

FREITAG

Weil ich diese Woche nicht so viel Zeit mit Dougal verbracht habe und heute abend und morgen Nachmittag auch wieder weg bin, geht er heute nicht in die Kita und wir machen was zusammen. Erst machen wir Apfelpfannkuchen, dann geht’s zum Spielplatz und anschließend essen wir eine Reisnudelsuppe. Danach schläft er im Buggy (bin ziemlich neidisch). Ich verbringe die Zeit damit, meinen luftigen Wickelrock festzuhalten, damit nicht jeder meinen Po sehen muss.

Dann finden wir ein Café und ich arbeite wenigstens kurz von dort bis er aufwacht. Der Rock ist ein Vintage-Modell aus Seide von Comme des Garçons, den ich wirklich oft anziehe (immer, wenn es windig ist dummerweise) und der schon ziemlich viel überlebt hat. Sand, Schokoladeneis, Babykotze, Pfützen – you name it. Später holen wir meine Mutter vom Bahnhof ab. Die kommt übers Wochenende aus Hamburg. Babysitter juhuuu.

Rock: Vintage Comme des Gaçcons (ähnlich hier), Jacke: Closed (ähnlich hier), Pullover: Closed (ähnlich hier),  Schuhe: Dr. Martens

Abends gehe ich mit meinem Mann auf ein seltenes Date. Ich hatte seinen Geburtstag vor ein paar Wochen etwas vermasselt und deswegen darf er jetzt das Restaurant aussuchen. Er entscheidet sich für The Grand in Mitte – schick, aber gemütlich. Weil ich mich für unser Date umgezogen habe, bekommt ihr heute sogar zwei Outfits von mir.

Seidenjumpsuit: Vintage Oscar de la Renta (ähnlich hier), Tuch: Vintage Givenchy (ähnlich hier), Tasche: Etsy (ähnlich hier), Schuhe: Asos (ähnlich hier)

SAMSTAG

Heute steht mein zweites Event mit Salon XX an. Ein „Persian Afternoon Tea“ bei der Galeristin Anahita Sadighi zuhause mit anschließender Tour durch ihre Galerien. Wir haben beide persische Wurzeln und zudem beide in London gelebt und dort studiert. Einen Nachmittag mit Tee und persischem Kuchen fanden wir daher sehr passend. Wir sind ein kleiner Kreis, nur acht Gäste, eine gute Größe um alle kennenzulernen, mit Anahita über ihren Werdegang und Diversität in der Kunstszene zu sprechen und uns ihre private Sammlung anzugucken.

Ich verbringe den Morgen mit meiner Mutter und Dougal auf dem Spielplatz, dann bringe ich Dougal ins Bett zum Mittagsschlaf und fahre auf dem Weg zu Anahita noch bei einer persischen Konditorei vorbei. Fast alle Kuchen enthalten Rosenwassersahne – so lecker!

Blaues Kleid: Jacquemus (ähnlich hier), beiges Kleid, Pleats Please Issey Miyake, Pullover: Closed (ähnlich hier), Schuhe: Dr. Martens

Das Kleid von Jacquemus habe ich gekauft, als ich fünf Monate schwanger war und hab dann allen beim Pre-Natal-Yoga erzählt, wie sehr ich mich darauf freue, in ein paar Monaten dieses Kleid anzuziehen. Es sieht so aus, als würden mich Ballons an meinen Trägern in die Luft ziehen, das mag ich. Dann hatte ich es einige Zeit nach der Geburt zum ersten Date mit meinem Mann an. Als meine Schwiegermutter, aka Babysitter, mich darin sah, meinte sie nur: No. Das Kleid darunter ist von Pleats Please by Issey Miyake und eigentlich viel zu schade, um nur darunter getragen zu werden, aber sonst ist mir das Jacquemus Kleid zu kurz.

SONNTAG

Wie so oft am Sonntag gehen wir um die Ecke zum Essensmarkt in der Kulturbrauerei und treffen dort meine Schwester und ihren Freund. Die Kulturbrauerei liegt in zwischen unseren beiden Wohnungen und ist somit der perfekte Treffpunkt. Das Wetter ist so schön, es fühlt sich schon fast wie Frühling an und ich gucke Dougal zu, wie er sein Crêpe mit Apfelmus verschlingt.

Das Kleid, mein Mann findet es furchtbar, habe ich zuerst an einer Freundin gesehen. Wir haben beide zusammen studiert und dann am gleichen Square in London gewohnt und uns immer im Café bei mir unten getroffen. Da habe ich mich auch in das Kleid an ihr verliebt und es ihr glatt nachgekauft. Kurz danach ist sie mit ihrer Tochter zurück nach Norwegen gezogen und ich vermisse es so, sie als Nachbarin zu haben. Das Kleid ist immer eine schöne Erinnerung. Leider ist es mir an diesem Abend noch gerissen, ein langer Riss kurz unterm Po (der Stoff ist sehr dünn) und ich fürchte, es ist nicht mehr zu reparieren. Umso schöner, dass ich diese Fotos als Andenken habe. Den Mantel trage ich nur selten und auch nur an wärmeren Tagen wie diesem, weil ich ihn nur offen mag. Alle paar Monate wandert er wieder in die Flohmarktbox und wird dann doch immer wieder rausgenommen. Mal gucken, wie lange dieser Tanz noch geht.

Nachmittags geht’s, surprise surprise, mal wieder wieder auf den Spielplatz (wir machen auch aufregendere Sachen mit Dougal, nur diese Woche natürlich nicht). Ein paar Kinder machen einen Flohmarkt und Dougal kauft einen kleinen Bulldozer.

Kleid: Ganni (ähnlich hier), Mantel: Jaeger (ähnlich hier), Tasche: Stine Goya (ähnlich hier), Schuhe: Dr. Martens

Bilder und Text von Jasmin Pearson-Behr

Kommentare

  1. Clarissa sagte am

    Ach wie toll! Ganz anders als mein persönlicher Stil, deshalb aber umso inspirierender und einfach so unglaublich sympathisch!

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