Hat Bottega Veneta die Macht, das neue OldCeline zu werden?

Wenn „Bad guy“ von Billie Eilish der musikalische Hit des Jahres ist, dann ist Bottega Veneta mit seinen Square Toe Mules und der Handtasche Pouch der modische. Zuerst bemerkt man es gar nicht, dann fällt es einmal, zweimal, dreimal auf – und schließlich kann man nicht glauben, wie oft es einem auf Instagram begegnet.

Die Frage ist nur, warum der Run auf das italienische Label so groß ist und ob der Hype bloß als kurze Flamme aufblitzt oder doch der Beginn von etwas ganz Großem ist.

Lange Zeit war Bottega Veneta einer der schwächsten Pferde im großen Kering-Stall. Das Label wurde von den Erfolgen von Gucci, Balenciaga und Saint Laurent in den Schatten gestellt. Das ist heute anders, denn das Modehaus hat seinen Reboot erhalten.

Im vergangenen Juni und nach dem unerwarteten Ausscheiden von Tomas Maier, der 17 Jahre lang als Creative Director für das Modehaus tätig war, stellte Kering seinen neuen Mann vor: einen 32-jährigen Engländer namens Daniel Lee. Seit einigen Jahren ist es Kerings bevorzugtes Einstellungsverfahren, unbekannte Designer mit langjähriger Erfahrung im Hintergrund in großen Modehäusern zu engagieren. So war es schon bei Alessandro Michele, der bereits mehrere Jahre für Gucci doch stets im Schatten seiner Chefin Frida Giannini gearbeitet hatte, oder bei dem ebenfalls recht unbekannten Designer Demna Gvasalia, der nun bei Balenciaga als Kreativdirektor tätig ist.

Und momentan scheint Daniel Lee der nächste Alessandro oder Demna zu werden. Seine Entwürfe werden auf Instagram und bei den Streetstyles rauf und runter getragen und von den großen Modeketten für das nicht ganz so vermögende Klientel rauf und runter kopiert.

Grundsätzlich ist Bottega Veneta dank Daniel Lee wieder angesagt. Aber ein wichtiger Impuls dafür kam im Dezember 2017, als Phoebe Philo das französische Modehaus Celine verließ. Es ist nicht zu unterschätzen, welche eine große Lücke die Designerin in der Modewelt und bei ihrer Anhängerschaft hinterließ. Und Daniel Lee, der zuletzt für die Ready-to-Wear-Linie bei Celine verantwortlich war, versteht etwas davon, wie man Begehrlichkeiten für Mode sowie für die Cash Cows der Modehäuser Handtaschen und Schuhe schafft.

“I want it to be quite bold – otherwise what’s the point”, sagte Lee. “If you love it or hate it, at least you feel something. I don’t see the point of making fashion that doesn’t say something?” Und was genau sagen seine Kollektionen aus? Nun, sie sind nicht übertrieben oder besonders kompliziert, viel eher bieten sie eine subtile Garderobe mit einem interessanten Twist. Sie sind erwachsen, ohne spießig zu sein, elegant, ohne abgehoben zu wirken, cool, ohne zu bemüht auszusehen.

Die vielen Ähnlichkeiten und Parallelen zu OldCeline – wie es in der Branche bekannt ist, um es von den geschrumpften und paillettenbesetzten „New Celine“ unter dem heutigen Designer Hedi Slimane zu unterscheiden – lassen sich also nicht abstreiten. Das Mailänder Haus könnte die wertvolle Nische füllen. Auch dass Daniel Lee keinen Instagram-Account hat, gleicht der sympathischen Zurückhaltung von Phoebe Philo, die Social Media ebenfalls bis zum Schluss fernblieb.

Ideen mit Potential

Lee kennt die Generation gut und opfert ihr dennoch nicht die Codes des Hauses, stattdessen macht er die erwachsene Frau zum Vorbild. Die Chancen stehen also nicht schlecht, dass er über 2019 hinaus Erfolg hat. Ob Bottega Veneta die Macht hat, das neue OldCeline zu werden, liegt allerdings weniger an Lee persönlich als an Kerings Führungsspitze. Da Marken heute einen kürzeren Lebenszyklus und viele Luxushäuser eine Massenmarktmentalität angenommen haben, liegt es an einem intelligenten Vertrieb und guten Marketing, die unvermeidliche Expansion clever auszubauen. Ein Hype bietet immer ein großes Potential, aber auch eine Gefahr, den Entwürfen schnell überdrüssig zu werden.

Bottega Veneta SS20:

Key-Piece: Leder

Strick ist schick!

Maxi-Bags

Alle Fotos via PR

Kommentare

  1. Hi Journelles,
    danke für den tollen Artikel.
    Ich hab das schnelle aufkommen dieses Bottega-Hypes mit großem Interesse verfolgt.
    Bei Bryan Boy hab ich auf Twitter gelesen, dass Bottega wohl ziemlich aktiv genau dieses Clinentele bedient hat.
    Also Blogger und Redakteure mit der ganzen Kollektion ausgestattet hat.
    Und als ich dann meinen Insta-Stream durchgeschaut hab, ist mir auch aufgefallen wie viel Blogger wie zB Pernille Teisbaek oder Caro Dauer in kurzer Zeit mit Bottega gepostet haben.
    Habt ihr dazu zufällig mehr Infos. Also wie der Hype tatsächlich entstanden ist bzw. generiert wurde?

    Mir ist bewusst, dass viele Marken Blogger und Redaktionen ausstatten. Aber irgendwas muss Bottega Veneta ja anders gemacht haben?

    Liebe Grüße,
    Julia

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