Beauty Interview: Im Gespräch mit Skincare-Guru Paula Begoun

Beautyinsider geben alles auf ihr Wort. Leute mit Hautproblemen fragen sie um Rat. Und Marken fürchten ihr Urteil: Die Rede ist von Paula Begoun, Gesichtspflege-Guru aus den USA. Mit „Paulas Beautypedia“ hat sie das ultimative Produktverzeichnis gegründet.

Paula Begoun ist sowas wie die Martha Stuart der Gesichtspflege und sieht genau so strahlend und amerikanisch aus. Lasst euch davon bitte nicht abschrecken, Paula hat es faustdick hinter den Ohren. Ob sie nun mit ihrer Stirn was machen hat lassen oder nicht, sie hat dahinter ein immenses Wissen über Gesichtspflege, Inhaltsstoffe und Marken und ist eine DER Skincare-Gurus weltweit. 20 Kosmetikbücher hat sie bereits geschrieben. Ihr absoluter Bestseller „Don’t go to the cosmetic counter without me“ wird immer wieder überarbeitet und ist ein tolles Buch und Muss für alle, die sich sehr für Beautyprodukte und deren Inhaltsstoffe interessieren. Andere Bücher wiederum sind vergriffen und werden bei ebay hoch gehandelt. Zu gerne würde ich „Blue Eyeshadow Should Be Illegal“ einmal lesen und wissen, was es mit dem blauen Lidschatten auf sich hat…

Es war mir daher eine Ehre, Paula ein paar Fragen stellen zu dürfen, die mich selber bewegten, oder die ich immer wieder von Lesern gestellt bekommen habe!

Wie Paula zum Guru wurde? Wie viele Teenager war sie von Akne geplagt. Als nichts half, drehte sie (diese Handbewegung ist mir sehr bekannt) die Fläschchen in ihrem Badezimmer um und war erschrocken, mit welchen heftigen Chemikalien sie versuchte, ihr Hautproblem zu bekämpfen. Sie fand ihren Weg – ohne Aceton, Alkohol & Co und machte es sich zur Aufgabe, dies der Welt zu erzählen, damit auch andere Erfolge mit ihrer Haut haben. 1995 beschließt sie, ihre eigene Gesichtspflegelinie auf den Markt zu bringen – Paula’s Choice. Eine der bekanntesten amerikanischen Pflege-Marken, die es seit letztem Jahr endlich auch in Deutschland gibt.

Beautytalk - Paula Begoun

 

Paula, stimmt es, dass man sich mehr auf die Reinigung konzentrieren sollte als auf die Gesichtspflege?

Der Schlüssel zu perfekter Haut ist jedes einzelne Produkt der Gesichtspflege-Routine und nicht nur ein einzelner Teil. Reinigung und Pflege sind sehr wichtig, genau so wichtig sind aber auch Sonnenschutz, Peeling, ein antioxidatives Serum und zusätzliche Produkte, die bei speziellen Problemen (Rötungen, Pigmentflecken, Falten) helfen. Es wird nicht klappen, wenn man versucht, perfekte Haut mit nur einem Produkt zu bekommen. Das wäre genau so, als wenn man nur EIN gesundes Essen oder EIN gesundes Lebensmittel wählen würde.

Glaubst Du an die Theorie „Man fängt mit einem neuen Produkt an – und es wirkt sofort“ oder an „Man fängt mit einem neuen Produkt an, dann muss die Haut erstmal schlechter werden, um danach den Bestzustand zu bekommen“?

Manche Leute nennen die letzte „Methode“ auch „Purging“ – eine Durchspülung der Haut sozusagen – die manche erleben, wenn sie ein neues Produkt ausprobieren. Die Wahrheit ist, dass die Haut nicht schlechter werden muss, damit etwas Besseres nachkommt. Die meiste Zeit ist es einfach so, dass die Pickelchen die ganze Zeit schon als Unterlagerungen da waren und dann mehr oder weniger zufällig rauskommen, wenn man das Produkt wechselt. Was auch passieren kann: einige Produkte sind mit starken Reizmitteln ausgestattet und bringen die Haut dazu, negativ darauf zu reagieren.

Wenn man nach ein oder zwei Wochen immer noch Pickelchen und unreine Haut hat, dann sind es die Inhaltsstoffe und nicht der Zufall. Dann sollte man damit aufhören und schauen, ob es besser wird. Tut es das, verträgt man schlichtweg das Produkt nicht.

Wie findet man dann denn die perfekte Pflege für den eigenen Hauttypen?

Erst muss man man seinen Hauttypen herausfinden und wissen, welche Produkte jede Routine zu jedem Hauttypen beinhalten sollte. Auch muss man seine Hautprobleme kennen (Zeichen der Hautalterung, Pigmentflecken, vergrößerte Poren, Pickel und Mitesser, etc.) und Produkte verwenden, die genau darauf eingehen. Das ist ein großer Prozess, zu dem wir auf unserer Website einiges erklärt haben. Die Artikel Gesichtspflege-Basics – Wie stelle ich meine Routine zusammen und Hauttyp-Bestimmung sind toll, um loszulegen.

Unreine Haut über 30. Ein Ernährungs- oder ein Hautproblem? Gibt es eine Lösung?

Auch wenn die Ernährung einen großen Einfluss auf unreine Haut haben kann (besonders bei Allergien von Milchprodukten, Nüsen, Weizen und Medikamenten), trifft es auf die meisten nicht zu. Akneähnliche Pickel sind meistens ein Hautproblem, im Zusammenhang mit hormongesteuerter Ölproduktion. Diese kann in den Poren stecken bleiben, sich mit den toten Hautschüppchen und anderen Zellablagerungen verbinden. Das Ergebnis ist ein schwarzer Mitesser. Wenn darüber die Pore noch geschlossen wird, gibt es einen weißen Mitesser, auch „whitehead“ genannt. Wenn eine Ansammlung an P.acness Bakterien herumschwirrt, kann sich diese verstopfte Pore entzünden – das nennt sich dann Akne.

Egal in welchem Alter die Hautunreinheiten auftreten, die Lösung ist immer die selbe und stimmt mit unserer Forschung überein: ein sanfter Cleanser, danach ein leave-on Peeling mit Salizylsäure, um die Poren zu reinigen und Entzündungen zu mindern, und eine desinfizierende Schicht mit Benzoyl Peroxid, um die Akne auslösenden Bakterien im Keim zu ersticken. In einigen Fällen helfen nur verschriebene Treatments mit begleitender Anti-Akne-Gesichtspflege.

Was kann man gegen wirklich trockene Haut tun? Ölen oder cremen?

Es gibt da kein entweder oder. Für manche funkionieren Gesichtsöle wunderbar, auch wenn diese für die Tagespflege immer etwas fettig und schwer sind. Für andere wiederum funktioneren Cremes gut – manche mischen sogar. Man kann nämlich aus beiden das Beste holen, indem man einige Tropfen eines Gesichtsöles (am besten ohne Duftstoffe, weil diese trockene und sensible Haut eher irritieren können) in die Gesichtscreme mischt. Die Textur der Gesichtspflege für trockene Haut ist aber nur ein Aspekt. Um rückfettend, feuchtigkeitsspendend zu wirken und die Haut schön weich zu machen und zu schützen, brauchen die Produkte Antioxidantien (es sind zu viele um diese aufzuzählen), Haut reparierende Inhaltsstoffe (Glycerin und Ceramiden zum Beispiel) und INCIs (Fachbegriff für die Inhaltsstoffe, die auf der Rückseite zu finden sind), die auf Zellaustausch aus sind (Niacinamide, Petide und Retinol).

Hast Du einen ultimativen Beautytipp?

Es ist langweilig aber sehr einfach: Sonnenschutz überall da auftragen, wo die Sonne rankommen kann. Gesicht, Hals, Nacken und Dekolleté sollte man immer schützen, ob bei Sonne oder Regen, ob es neblig ist oder man den ganzen Tag drinnen ist. Wenn Du Tageslicht sehen kannst, ist deine Haut auch den Alterungsstrahlen ausgesetzt. Du wirst überrascht sein, wieviel besser deine Haut aussieht, wenn du strikt jeden Tag diesen Rat befolgt. Die Haut sieht jünger aus, mit weniger Pigmentflecken, bekommt eine feinere Textur, heilt schneller und hat einen viel gleichmäßigeren Hautton. Es gibt keinen anderen Step der Gesichtspflege der so wichtig ist wie dieser hier – obwohl ein Peeling mit AHA und BHA gleich danach kommt.

Wie geht man an das AHA/BHA Peeling ran – wo beginnt man?

Zuerst muss man sich vergewissern, dass das gewählte AHA oder BHA Peeling funktionieren kann und das macht was es soll: peelen. Damit das passiert, muss das Produkt einen bestimmten ph-Wert aufweisen, der meist bei 3 bis 4 liegt. Weil aber viele Kosmetikfirmen diesen ph-Wert nicht auflisten, könnt ihr euch auf mein Team und mich verlassen (Anmerkung: Beautypedia – Best AHA Peelings und Best BHA Peelings). Wir schreiben auch, welche Peelings keine Haut reizenden Inhaltsstoffe, wie Alkohol, Menthol oder Zaubernuss, beinhalten.

Wenn mann dann anfängt zu peelen, fängt man mit einer „Portion“ abends an, direkt nach der Reinigung und dem Toner. Bei sehr empfindliche Haut ist auch jeder zweite Tag in Ordnung. Wenn man dann heraus gefunden hat, wie die Haut auf das AHA oder BHA Peeling anspricht, kann man die Dosis auch erhöhen. Wenn sie es gut verträgt, wa die meisten tun werden, kann man es morgens und abends in die Hautpflege-Routine einbauen.

Was sind die schlimmsten Inhaltsstoffe? Welchen sollte man immer aus dem Weg gehen?

Es gibt so viele schlimme Inhaltsstoffe, überraschenderweise sind viele der schlimmsten sogar natürlich. Egal wie man zu natürlichen oder synthetisch hergestellten Stoffen steht, Untersuchungen haben belegt, dass natürliche Inhaltsstoffe nicht automatisch sicherer oder besser sind als künstlich hergestellte. Generell sind das aber die schlimmsten aus Produktzusammensetzungen :

  • Alkohol (denaturiert). Fettalkohol wie Cetyl oder Stearyl Alkohol sind in Ordnung.
  • Parfüm- und Duftstoffe
  • Menhtol
  • Zitrusöle – Zitrone, Limette, Orange, Grapefruit und Bergamotte
  • Eucalyptusöl
  • Pfefferminzöl (und alle anderen Minzsorten)
  • Zaubernuss
  • Sodium lauryl oder TEA-Lauryl Sulfate

Beautytalk - Paula Begoun

 

Die letzten News aus dem Hause Paula’s Choice wird Beautyherzen höher schlagen lassen: Sie folgt dem Trend und bringt eine Nude Eyeshadow-Palette raus. Mit keinem geringerem als Wayne Goss, Youtube-Wunder und Make-up-Artist aus UK, von dem ich mir schon so einige Tipps abgeguckt habe. Auch hier bleibt Paula ihrem Grundsatz treu: keine Duftstoffe, die die Haut reizen könnten.

Kommentare

  1. Toller Artikel und ich kann nur sagen: ich liebe ihre Produkte und verwende fast ausschließlich Paula’s Choice. Ein Jammer nur, dass nicht alle Produkte im EU-Shop erhältlich sind und man für teuer Geld und Zoll aus USA bestellen muss.
    Die Palette ist tatsächlich ein Traum – im Dauereinsatz seitdem ich sie bekommen habe.

  2. Rebecca sagte am

    Danke dafür! Da du ja auch Aesop so gern magst: Ich weiß nicht so richtig was ich davon halten soll, denn Citrusöle oder Lavendelöl ist in vielen naturnahen Cremes enthalten. Damit fallen viele Cremes von Aesop weg, von Hauschka will ich gar nicht erst Anfangen zu reden, da ist nämlich zusätzlich noch ganz viel Alkohol drin, was meine haut gar nicht ab kann. Was meinst du, Aesop, ja oder nein?

    • HannaJournelles sagte am

      Das kann man nicht pauschalisieren. Aesop ist eine ganz tolle Marke, die ich sehr schätze. Aber auch davon vertrage ich einiges nicht. Siehe mein Kommentar oben: auf die eigene Haut hören. Bei mir kommen ätherische Öle gar nicht gut an, obwohl viele das ja regelrecht abfeiern. Bei Gesichtspflege gilt: ausprobieren! Und langsam rausfinden, welche Inhaltsstoffe gehen, welche nicht mehr in Frage kommen und welche in Zukunft ein besseres Hautbild bringen…

  3. Sophie sagte am

    interessanter Beitrag. Ich finde es sehr schwer auszumachen, welche
    Produkte wirklich gut für meine Haut sind bzw. welche Inhaltsstoffe
    nicht schädlich sind. Ich habe mir gerade mal Paulas Seite angeguckt und
    bin schon ein bißen verwirrt, dass Marken wie Weleda oder Dr. Hauschka
    fast durchgängig relativ schlecht bewertet werden, Clinique zum Beispiel
    jedoch relativ gut. Das widerspricht direkt dem, was ich immer so in
    meiner Ökotest lese. Da bleibt man als Verbraucher doch mit einem
    einzigen großen Fragezeichen zurück 🙂 Wer hat nun recht? Wer ist
    wirklich unabhägngig? Außerdem frage ich mich, warum Cremes mit
    chemischen SPF (in fast allen Cremes) überhaupt gute Bewertungen
    kriegen. Da bereits nachgewiesen ist, dass diese ausschließlich sehr
    schädlich für die Haut sind, da sie hormonell wirken?

    • loulou sagte am

      Naturkosmetik enthält viel Alkohol zur Konservierung der natürlichen Inhaltstoffe und ätherische Öle, die Allergien auslösen können. Daher die schlechte Bewertung

  4. Au weia!!! Ich bin erst seit kurzem Fan vom so gerühmten „Eau de Beauté“ von Caudalie (das ich wunderbar finde und auf das bzw. dessen schönes „Ergebnis“ ich schon mehrfach angesprochen bin), und lese jetzt mit Schrecken die Inhaltsstoffe:
    NGREDIENTS : AQUA (WATER), ALCOHOL*, CITRUS AURANTIUM AMARA (BITTER
    ORANGE) FLOWER WATER*, PARFUM (FRAGRANCE)*, ROSMARINUS OFFICINALIS
    (ROSEMARY) LEAF OIL*, POTASSIUM ALUM, GLYCERIN*, MENTHA PIPERITA
    (PEPPERMINT) OIL*, STYRAX TONKINENSIS RESIN EXTRACT*, COMMIPHORA MYRRHA
    RESIN EXTRACT*, MELISSA OFFICINALIS (BALM MINT) LEAF OIL*, ROSA
    DAMASCENA FLOWER OIL*, VITIS VINIFERA (GRAPE) FRUIT EXTRACT*,
    TOCOPHEROL*, CITRAL*, LIMONENE*, LINALOOL*, CITRONELLOL*, GERANIOL*,
    FARNESOL*, BENZYL BENZOATE*, EUGENOL* (010/024) *Origine végétale –
    Plant origin

    Aber ähm, auch wenn das jetzt „all das Böse“ auf einmal vereint: ich liebs! Hast Du schon Erfahrung damit gemacht, Hanna?

    • HannaJournelles sagte am

      Liebe Katja, ich sage immer: hör auf Dich und Deine Haut. Zitrusöle können die Haut ganz schlimm reizen und sind ganz bestimmt nicht mild, aber wenn man es mag und gut verträgt, spricht nichts dagegen. Jeder Experte hat seine Ansichten, ein Interview mit einem Naturkosmetik-Guru würde anders ausfallen. Ich ziehe da immer meinen Teil rau, filtere und höre weiter auf meine Haut…

      • Richtig, nur würde ich auf keinen Fall ein Produkt verwenden, das an zweiter Stelle Alkohol und an vierter Parfüm beinhaltet. Ich dachte zunächst einmal, es handelt sich um ein Parfüm. Aber nein, das ist laut Caudalie eine „Pflege“: http://de.caudalie.com/eau-de-beaute-de.html
        Wirklich merkwürdig.
        Pia von skincareinspirations.com

        • HannaJournelles sagte am

          Liebe Pia, gerade bei diesem Produkt bin ich hin und her gerissen – zum Glück vertrage ich es gar nicht so gut und nehme es nur ab und an, um frisch zu werden. Es ist definitiv ein Pflegeprodukt, über die Inhaltsstoffe lässt sich dann aber streiten. Ich selbst empfinde es als ganz schön reizend…

          • Ja, das ist eben so mit den Pflegeprodukten: alles wird subjektiv wahrgenommen. 🙂 Doch pflegen kann die „Eau de Beauté“ die Haut nicht. Bei täglicher Anwendung würde ich es eher als schädlich einstufen. Wenn man es aber ab und zu als erfrischenden Spray nutzt, spricht eigentlich nichts dagegen.

  5. loulou sagte am

    Naturkosmetik enthält viel Alkohol zur Konservierung der natürlichen Inhaltstoffe und ätherische Öle/Duftstoffe, die Allergien auslösen können. Daher die schlechte Bewertung bei PC

  6. Ein interessanter Artikel. Leider schneidet keines meiner Produkte (Skin Ceuticals, Ren, Caudalie & Clarins) gut ab. Liegt wahrscheinlich an den natürlichen Inhaltsstoffen. Das gute daran ist, man setzt sich wieder einmal mit den Inhaltsstoffen der Produkte auseinander,

  7. Andrea sagte am

    Ich hatte mich auf der Webseite von Paulas Choice umgesehen und es zunächst mit einem Haar- Duschshampoo und einer Spülung probiert, da meine empfindliche (schuppenfreie) Kopfhaut schnell juckt und ich daher häufig die Haare waschen muss. Bis jetzt hat mich beides überhaupt nicht überzeugt, schon gar nicht die Spülung, da sich die Haare jetzt strohig anfühlen. Die Spülung wird entsorgt, das Shampoo werde ich wohl zu Ende benutzen. Ob ich es mit der Gesichtspflege probieren soll, weiß ich nach der Erfahrung nicht mehr. Mit Hannas Tipp „Leonor Greyl“ bin ich hingegen sehr zufrieden gewesen, obwohl die Produkte extrem teuer sind.

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