Über Magazine, Feminismus und Harmonie: Unsere Homestory mit Anna von Femtastics

Normalerweise ist sie in meiner Position. Anna Weilberg ist ein Teil des erfolgreichen digitalen Girlpower-Magazins Femtastics und macht seit zwei Jahren zusammen mit Lisa van Houtem und Katharina Charpian Homestories. Für Femtastics besuchen die Drei allerhand unterschiedliche Frauen in ihrem Zuhause, interviewen sie und schmücken das Ganze mit einem visuellen Einblick in die vier Wände der jeweiligen Protagonistin. Heute ist Anna selbst an der Reihe. Wir besuchen die 31-Jährige in ihrer hellen Dreizimmerwohnung in einer ruhigen, grünen Straße in Hamburg-Hoheluft, die sie gemeinsam mit ihrem Freund bewohnt.

Anna kommt aus Rheinland-Pfalz und hat in Trier Medienwissenschaften sowie Japanologie und Anglistik studiert. Eine verrückte Mischung, wenn ihr mich fragt und ein bisschen überrascht bin ich schon, als Anna erzählt, dass sie Japanisch spricht. Ihre Magisterarbeit hat sie danach bei Burda in München geschrieben, wo sie auch Lisa, mit der sie später die Idee zu Femtastics aushecken sollte, kennenlernte.

Bereits in ihrer Abschlussarbeit beschäftigte sich Anna mit Modeblogs. Bei einem Praktikum bei der ELLE lernte sie Katja Schweizberger kennen, die ja bekanntlich nach Jessie die Stelle der Chefredakteurin bei LesMads inne hatte. „Mein Studium habe ich mega schnell fertig gemacht. Ich wollte vor allem weg aus Trier.“ Als die Abschlussarbeit in München fertig war, stellte sich für Anna die Frage, in welcher Stadt es für sie weitergehen sollte. „Ich habe mich überall beworben. In Berlin, Hamburg, London.“

Bei der Fachzeitschrift für Mediengestaltung PAGE bekam sie eine Festanstellung und blieb für drei Jahre. Bis Lisa ihr dann erzählte, dass bei Brigitte Online gerade eine Stelle als Elternvertretung in der Moderedaktion frei war. Anna übernahm die Stelle und traf sich von da an regelmäßig mit Lisa und Katharina in der Kantine von Gruner + Jahr. Während dieser Zeit wurde relativ schnell klar, dass alle drei zu dieser Zeit etwas verband: Sie waren zwar zufrieden mit dem, was sie gerade machten – hatten aber Lust auf etwas Neues, Eigenes. „Bei so einem großen Verlag wie Gruner + Jahr sind die Strukturen sehr fest und komplex, so dass es ziemlich lange dauert, bis eine eigene Idee umgesetzt werden kann.“

Durch ihre Erfahrung kannten sich alle drei sehr gut aus, hatten aber zu viele neue Ideen für den Onlinebereich, als dass sie genug Sitzfleisch gehabt hätten, um weiterhin in ihrer Festanstellung zu bleiben. Dazu kam, dass sie es satt waren, die Qualität von Beiträgen an Klickzahlen zu messen. Sie begannen, sich am Wochenende und abends zusammenzusetzen und Konzepte auszufeilen.

Als Lisa, Anna und Katharina Ende 2014 anfingen, über das Konzept für Femtastics nachzudenken, „da lag das Thema Feminismus und Women’s Empowerment in der Luft.“ Sie alle kannten sich bestens aus mit Lifestyle- und Frauenmedien – und genau deshalb wusste sie auch, dass da etwas Neues hermusste. Etwas, das nicht jedes Jahr aufs Neue dieselben Themen von Diät über Hochzeits- und Weihnachtsdeko abkasperte, sondern offen war für neue Einflüsse.

„Denn jedes Thema ist ein Frauenthema. Femtastics sollte fließender, flexibler und moderner werden. Heute ist das Thema Feminismus vom Laufsteg über Monki-Shirts bis hin zu Artikeln über die Periode omnipräsent“, sagt Anna. Ich frage mich, ob die drei schon ein neues Konzept in petto haben – oder ob das Thema Girlpower trotz allem bestehen bleibt?

„Auf jeden Fall bleibt es bei unserer Grund-Philosophie. Das Thema Feminismus ist die Essenz von Femtastics“, antwortet Anna. „Wir wollen weiterhin Frauen in all ihren Facetten zeigen. Und vielleicht auch die, die normalerweise nicht sofort als Feministinnen beschrieben werden würden, wie beispielsweise die Inhaberin einer Hostessenagentur, die eine sehr starke Powerfrau ist. Wir inkludieren alle. Frauen können so sein und aussehen, wie sie wollen. Egal ob sie mit 18 Mutter werden, sich die Brüste vergrößern lassen, Plastiknägel oder Ökolatschen tragen.“

Als ich Anna frage, welche Rolle sie in ihrem Femtastics-Team hat, kommt prompt: „Ich bin immer die Erste im Büro“ und lachend fügt sie hinzu „und die, die das Büro aufräumt.“ Außerdem liegt ihre Leidenschaft im Visuellen. Sie beschäftigt sich gern mit der Gestaltung von Fotos, um das Ästhetische sowie um die Vermarktung und das Erstellen von Konzepten. „Lisa ist diejenige bei uns, die die kritischen Fragen stellt und keine Angst hat, anzuecken. Ich muss über meinen Schatten springen, um kritische Fragen überhaupt stellen zu können. Dafür bin ich wohl zu harmoniebedürftig.“ Anna fängt gern früh an, organisiert den Tag. Generell mag Anna es gern strukturiert. Und sie ist gern beschäftigt. „Ich bin wie ein Wiesel.“ Sie treibt Sport, ist viel unterwegs und wenn sie nicht in Hamburg auf Achse ist und Restaurants und Cafés ausprobiert, dann ist sie auf einer ihrer Reisen, die sie leidenschaftlich gern organisiert. „Ich liebe es, Reisen zu planen und Hotels zu recherchieren. Oftmals gehe ich auch nicht nach Ort, sondern finde zuerst ein Hotel und weiß dann, wo ich hin will. Ich mag es, mich mit tollen Häusern in tropischen Orten zu beschäftigen.“ In einer Woche fliegt sie nach Mallorca. Ein fester Vorsatz: Sie möchte ihr Skizzenbuch mitnehmen und zeichnen. Sie liebt den meditativen Tunnel, in den sie gelangt, wenn sie mit Aquarell oder Bleistift Linien aus dem Kopf auf das Blatt überträgt.

Wie würdest du deinen Einrichtungsstil beschreiben?

Ich bin nicht so der Fan von Skandi-Chic. Das Skandinavische ist mir oft zu kahl. Vielmehr mag ich es gemütlich mit französischer Keramik und Holz. Bei meinen Eltern Zuhause ist alles aus Naturholz. Außerdem mag ich gern alles, was mit Textilien zu tun hat. Meine Mutter strickt und näht Kissen aus Leinen, die auch hier auf meinem Sofa liegen. Und ganz wichtig: Ich bin ein kleiner Ordnungsfreak. Bei mir Zuhause darf nichts herumliegen.

Was bist du für deine Freunde und Freundinnen?

Ich bin ein sehr harmoniebedürftiger Mensch, der oft versucht es jedem Recht zu machen. Ich versuche Ratschläge zu geben – auch wenn ich vielleicht auch mal gar keine geben kann. (Lacht.) Es ist mir wichtig, zuzuhören und Menschen aufzuheitern.

Falls es eines Tages kein Internet mehr geben sollte (was sehr unwahrscheinlich ist), dann will Anna schöne Hotels, Concept Stores und Restaurants einrichten. Kreative Ideen und Konzepte zu entwickeln – das ist ihr Ding. Große Pläne in geordnete Bahnen bringen und umsetzen. Und vielleicht ist genau das auch der Grund dafür, warum Anna am liebsten alles über Physik wissen würde. Die Weite des Universums entzaubern, in verständliche Strukturen bringen. Und, so frage ich mich, danach vielleicht ein ästhetisches Magazin darüber publizieren? Wir sind gespannt.

Annas Lieblings-Interiorläden in Hamburg

Richard
Bon Voyage
Minimarkt
Human Empire

Annas Restaurant-Tipps für Hamburg

Lebeleicht mit veganem Essen
Nord Coast Coffee für Kaffee und Frühstück
Witwenball auf der Weidenallee
Bistro Carmagnole in der Schanze
Nach einem Ausflug ins Treppenviertel Kuchen auf der Terrasse des Süllberg essen, mit Blick über den Hafen

Danke liebe Anna!

Fotos: Julia Novy

Kommentare

  1. Ein sehr schönes Zuhause. Aber dass sie sagt, sie sei kein Fan vom Scandi-Chic, verstehe ich jetzt nicht so ganz. Ihre Wohnung – zumindest den Teil, den man sieht -, schaut doch eins a nach Scandi-Chic aus.

    • Habe ich mir auch gedacht. Trotzdem liebe ich Anna’s Einrichtung und freue mich über jedes Instagram Foto, dass sie dazu postet, und über jede neue Homestory, die auf femtastics erscheint. Weiter so!!

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