Echt jetzt: Meine erste “Modenschau” war Martin Margiela. Ich war zwölf. Damals fand in einer Boutique in meiner Heimatstadt Bonn wohl aus Nähe zu Antwerpen eine Kollektionspräsentation statt. Die Freundin meines Bruders war als Model engagiert und trug ein schmales schwarzes Kleid, hufähnliche Schuhe und einen goldenen Sichtschutz. Ich war überwältigt – die Margiela-Models wirkten auf mich wie ein Hologramm aus einer fernen Galaxie. Bis zu diesem Zeitpunkt kamen meine Trends aus der Kinderabteilung von Leffers.
In der Kollektion von Maison Martin Margiela für H&M fahnde ich deshalb sofort nach einem schwarzen Kleid. Ich finde ein asymmetrisches Modell, das aus zwei ineinander verschlungenen Hemdkleidern besteht und auch in Hellblau erhältlich ist. Avantgarde ist, wenn man nicht weiß, wie man in ein Kleidungsstück reinkommt. Zu dritt doktern wir an dem Fummel herum, bis ich zwischen Krägen, Ärmeln und Knopfleisten den richtigen Eingang gefunden habe. Ich korrigiere: Avantgarde ist, wenn ein Kleidungsstück merkwürdig aussieht, aber überraschend gut sitzt. Der zweite Rock liegt wie ein Cape um die Schultern und fordert mich zu – für meine Begriffe – dramatischen Posen heraus.
Dazu trage ich hohe braune spitze Lederstiefel mit Plexiglas-Absatz. Meiner Meinung nach sind das die hochwertigsten Schuhe, die H&M je gemacht hat. Die Frage nach der Bequemlichkeit erübrigt sich: Selbstverständlich kann man darin nicht der Bahn hinterher rennen, zumindest nicht ohne vorher im Krankenhaus einen Gips zu reservieren.
Hier geht es zu Jessies Lieblingsteilen aus der exklusiven Preview und hier zu Julias!

... Mehr anzeigen